Kurz angerissen: Klassenerhalt

Als die zweite Halbzeit angepfiffen wird, führt Makkabi mit 3 zu 0 und ich versuche – während ich in ein Gespräch über den Mate-Automaten der Piratenpartei führe – ein (hoffentlich) koschere Bullette mit zwei Stückchen Weißbrot einhändig zu essen. Es ist kein unübliches Auswärtsspiel in 6ten Liga, der Berlinliga, der höchsten Berliner Spielklasse.

Die gastgebende Mannschaft hat nicht mit dem Bierdurst der Tebe-Anhängerinnen gerechnet und muss regelmäßig Nachschub ranschaffen, TeBe spielt alles andere als schönen Fußball und die Gespräche auf der Tribühne drehen sich um alles mögliche, nur nicht um das Elend der lilaweißen Mannschaft im Abstiegskampf. ‚So wie das Ergebnis aussieht ist es kein Wunder, dass das Bier ständig alle ist‘ witzelt eine TeBe-Anhängerinnen am improsivierten Imbissstand auf der Julius-Hirsch-Sportanlage, die nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Momsenstadion, der Heimspielstätte der Berliner Borussia liegt.

.... (bild via Lila Laune)

Die zweite Halbzeit dümpelt nur so vor sich hin und außer sporadischen Anfeuerungen wird meist nur der eigenen Enttäuschung Luft gemacht. Enttäuschung darüber, dass TeBe nach relativ gutem Start am Ende doch wider gegen den Abstieg kickt und an das Verlassen der 6ten Liga so schnell nicht zu denken ist. Wer hier Bundesligafußball sehen will, der braucht ein Sky-Abo, alte Videos oder eine Dauerkarte bei Hertha. Zumindest letzteres kann allerdings niemand wirklich wollen und eben genau in diese gedankenverlorene Leere fällt das 1 zu 3 aus lialweißer Sicht. Der Jubel liegt zwischen der Hoffnung auf noch einen Punkt und der Genugtuung wenigstens nicht zu 0 zu verlieren. So langsam wird das sporadische Anfeuern immer öfter und das 2te Tor liegt eigentlich in der Luft, eigentlich. Aber Tennis Borussia im Jahre 2013, wäre nicht Tennis Borussia im Jahre 2013 wenn zwei schnelle Tore die ganze Sache schnell zu befriedigenden Ergebnissen führen wurden. Nein, Tennis Borussia schauen heißt im Jahre 2013 auch meistens leiden. Eine Anhänger neben mir verbindet sich die Augen mit seinem Schal, um das Elend nicht mit ansehen zu müssen. Das Elend, dass aber just in diesem Moment ein Tor erzielt und damit auf 2 zu 3 verkürzt. Ein Elend, dass durch dieses Tor erlöst wird und so langsam den letzten Funken Hoffnung aus den Anhängerinnen der Lilaweißen kratzt. Ein Blick auf das Handy verrät, noch 6 Minuten reguläre Spielzeit. Der Stadionsprecher datiert das Tor allerdings auf die 80te Minute. Also noch 10 Minutenregulär zu spielen? Mittlerweile stehen alle Menschen um mich rum und feuern beinahe ohne größere Pausen die Borussen auf dem Platz an. Dumme Fouls und strittige Situation verhindern jedoch ein flüssiges Angriffsspiel und eine gefühlte Ewigkeit passiert eigentlich nichts. Ein Kopfball gegen die Latte und ein direkt darauffolgender Kopfball über das Tor und ein paar Geschenke an den gegnerischen Torwart auf der einen Seite und die Angst vor dem 4 zu 2 für Makkabi und der damit verbundenen sicheren Niederlage auf der anderen Seite halten sich die Waage. Bis der Schiedsrichter Freistoß pfeift. Freistoß am Strafraum von Makkabi, Freistoß in aller letzter Minute. Genau genommen in der 90ten Minute plus 5, sprich in der 95ten Minute. Schlüsselklappern, wie üblich bei Standarsituationen der Lilaweißen und ein ‚Ooooh‘ das wegen Raucherlungen und mangelnden Durchhaltevermögen mehr als nur einmal abgebrochen wird. Die Sekunden vor dem Schuss ziehen sich, genau ist nicht zu erkennen warum, wir befinden uns auf Höhe der Eckfahne auf der anderen Seite und können nur erahnen was passiert. 3 Kicker laufen gleichzeitig an, 2 bleiben stehen, 1 zieht durch und trifft. Der Ausgleich und damit der Klassenerhalt. Verstört blicken einige Zuschauerinnen auf die vereinzelt auf die Aschebahn springenden jugen Menschen die ihre Arme in die Luft reißen und jubeln. Noch im Jubel pfeift der Schiedsrichter das Spiel kur wieder an, um das daraufhin direkt wieder abzupfeifen. Schluss aus vorbei.

.....
(bild via @TennisBorussia)

Tennis Borussia hat die Klasse gehalten und für einen anstrengenden Abend mit Happy End gesorgt. Danke, dass das nächste Spiel gegen Türkyemspor zum entspannten Ausflug nach Kreuzberg wird. Danke, für ein Fußballdrama auf einem Sportplatz im Westen Berlins.

Mehr Bilder gibt es bei NO DICE.


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