Archiv für Dezember 2013

Zu ‚Antisemitismus und seine Bedeutung für die Judenfrage‘ von A. Bein

Nachdem es scheinbar immer noch der Notwendigkeit der Differenzierung zwischen Antijudaismus und Antisemitismus bedarf, habe ich hier die für mich wichtigsten Thesen des im Oktober 1958 im Vierteljahresheft für Zeitgeschichte erschienen Aufsatz ‚Antisemitismus und seine Bedeutung für die Judenfrage‘ von Alexander Bein zusammengefasst.

Der Aufsatz des deutsch-israelischen Autors gibt einen Überblick über die Entstehung des modernen Antisemitismus und differenziert sehr genau zwischen Judenhass (auch Antijudaismus genannt), der sich gegen die jüdische Religion richtet und Antisemitismus, der sich gegen die von Antisemit*innen konstruierte ‚jüdische Rasse‘ richtet. Bein ist der Ansicht, dass der Antisemitismus eine große Rolle in der Gesellschaft spielt und spielte, was sich unter anderem in der Entstehung des Begriffes Antisemitismus zeigt. Durch diesen Begriff wurde der Judenhass, der offenkundig den Bestrebungen nach Liberalität konträr gegenüber stand, „gewissermaßen salonfähig“ [1] und bekam einen „wissenschaftlichen Anstrich“ [2]. Bein vertritt hier die Ansicht, dass insbesondere die Werke des Grafen Gobineau einen großen Einfluss auf die Verknüpfung, der entstehenden Rassentheorie mit dem mittelalterlichen Judenhass, aus der eben jener Antisemitismus entstand von dem hier die Rede ist, hat. Dadurch, dass die wissenschaftliche Anthropologie noch nicht weit entwickelt war, war es ein leichtes durch, mit halbwissenschaftlichen Halbwahrheiten gespickten Texten zur Judenfrage, Anklang in der von Antijudaismus geprägten Gesellschaft zu finden.

Jedes politische Milieu, vom kaisertreuen Konservativismus bis zum revolutionären Sozialismus, brachte Ende des 18 Jahrhunderts Schriften zur Judenfrage hervor, in denen (meist) mit „judenfeindliche[m] Traditionstoff“ [3] und moderner Rassenlehrer versucht wurde, die Rolle der Juden in der Gesellschaft grundlegend zu analysieren. Durch die sozialen Missstände Anfang des 19ten Jahrhunderts und der Suche nach Erklärungen gewann der Antisemitismus eine neue, auch heute noch all zu bekannte, Komponente. Die Personalisierung des Kapitalismus und die Beschränkung der Kapitalismuskritik auf Kritik an konkreten jüdisch konotierten Personen. Durch die pseudowissenschaftliche Rassenlehre hatten diese Ressentiments nun eine scheinbar objektive Grundlage. Im folgenden erschienen zahlreiche Schriften in denen die altbekannte Ressentiments neu interpretiert wurden, so auch die Schriften von Wilhelm Marr, jenem Mann der den Begriff des Antisemitismus schuf und ihn zu einer politischen Bewegung erklärte. Diese zahlreichen Schriften, wurden jedoch an Einfluss vom zweibändigen Werk ‚Die Grundlage des 19ten Jahrhunderts‘ von Houston Stewart Chamberlain übertroffen. Mit Verallgemeinerung, scheinbaren neuen Wahrheiten und angeblichen Erkenntnissen wurde eine Erklärung der Geschichte entworfen, in der sämtliche positive Entwicklung den Germanen und sämtliche negative den Semiten beziehungsweise Juden zu geschrieben wurde. Durch den Verzicht auf vulgäre Ausfälle gegenüber den Juden und dem durch aus gelungenen Versuch die ‚Rasse‘ als einen Geisteszustand zu propagieren, fand sein Werk auch in den Kreisen Anklang, „welche radikal-antisemitische Literatur mit Entrüstung ablehnten“ [4]. Am Ende des Aufsatzes fasst Bein noch einmal die bedeutenden Unterschiede zwischen Antijudaismus und Antisemitismus zusammen und zeigt damit, die Notwendigkeit der Betrachtung der jüdischen Schicksalsgemeinschaft anstatt einer ausschließlichen Betrachtung der jüdischen Religionsgemeinschaft für eine grundlegende Analyse des Antisemitismus.

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[1] Alexander Bein in ‚Der moderne Antisemitismus und seine Bedeutung für die Judenfrage‘, erschienen im Vierteljahresheft für Zeitgeschichte 6 Jahrg. 4 H., Oktober 1958, auf Seite 341.
[2] eben da.
[3] eben da, auf Seite 345
[4] eben da, auf Seite 352

Einfach mal Danke sagen

Lieber Starbucks am Alex,
ich könnte kapitalismuskritische Denkfiguren konstruieren, weil ihr, damit ich mich mit eurem Produkt identifizieren kann, meinen Namen auf den Becher geschrieben habt. Würde ich dies unter dem Namen einer wirren Politgruppe bloggen, fänden einige Polithipster dies sicherlich auch lesenswert.

Ebenso könnte ich mich, im feinsten Wutbürger*innenslang, darüber mokieren, dass ihr 5€ für einen Kaffee mit haufenweise süßem Sirup verlangt.

Auch könnte ich anmerken, dass ihr euch verdeutscht habt, weil ich bei euch nicht mit Karte, der amerikanischsten Zahlungsmethode, bezahlen konnte.

Aber ich kann auch Danke sagen, dass ich, weil eure Geräte meine Karte nicht akzeptiert habe, einen sehr schmackhaften ‚White Mocha with Cream‘ geschenkt bekommen habe.

DANKE Starbucks,
XOXO Chucky

ps. America, fuck yeah.