Chabos wählen nicht die CSU

‚Der Text ist nicht mein Geschmack, ich finde nicht gut, was er beschreibt. Aber abgesehen davon versteht man ihn gar nicht, wenn man das Lied hört. Ich wollte nicht den Song promoten, von dessen Inhalt ich mich deutlich distanziere. Sondern mit einem kontroversen Zitat den Blick auf die Kommunalpolitik lenken.‘

Fabian Giersdorf gegenüber der VICE

‚Chabos wissen wer der Babo ist‘ war wohl der mit Abstand erfolgreichste Song von Haftbefehl. Genreübergreifend kannte so gut wie jede*r den Song und jede*r hatte in irgendeiner Art und Weise eine Meinung dazu. Einige kritisierten und machten sich über genau das lustig, was wiederum andere an Haftbefehl allgemein und bei diesem Song im besonderen liebten: die Sprache, die von Haftbefehl hier genauer erklärt wird. Das Jugendwort des Jahres war 2013, war dann auch folgerichtig ‚Babo‘ und man konnte sich prächtig über die Hip Hop Kultur und den ‚Ausländer mit der komischen Sprache‘ amüsieren. Das dahinter eine Verachtung einer Kultur steckt, die am dem sogenannten ‚Rand der Gesellschaft‘ enstand und im Falle von Haftbefehl klassische rassistische Ressentiments gegenüber Migrant*innen bedient, ist in einem Land wie Deutschland nicht weiter verwunderlich. Richtig widerlich wird es allerdings dann, wenn Politiker einer Partei, die für rassistische Hetze steht, sich dieser, in der Segregation entstandenen Kultur, bedienen, um damit ein paar Stimmen bei all jenen zu fangen, die schon 2013 rassistisch auf Haftbefehl herabblickten. Das die CSU/CDU durch ihren Rassismus, der sich in der ‚Integrationspolitik‘ wiederspiegelt mit daran schuld ist, dass in sogenannten ’sozialen Brennpunkten‘ eine ‚Parallelgesellschaft‘ entstanden ist und diese ihre eigene Kultur hervorbringt, sagt sehr viel über die rassistische Kontinuität Deutschlands aus.

babo

Fabian Giersdorf, hat sich wahrscheinlich recht wenige Gedanken gemacht und wollte einfach nur mit Hilfe eines populären Songs auf Stimmenfang gehen. Für ihn macht es in diesem Moment wahrscheinlich gar kein Unterschied, ob das Zitat von Haftbefehl stammt oder von Silbermond. Die Politik seiner Partei unterscheidet jedoch stark, ob es sich um einen jungen Mann mit kurdischen Wurzeln aus einem ’sozialen Brennpunkt‘ handelt, oder um eine Gruppe junger Menschen mit Abitur, die sich anpassen und kein Problem mit dem Land in dem sie leben haben. Was Giersdorf hier macht ist ein Paradebeispiel für den Umgang der Politik bürgerlichen Rassismus in Deutschland. Er bedient sich des Rassismus der Mehrheitsgesellschaft, die über die Sprache sowie die Person Haftbefehl allgemein nur lachen kann. Sicherlich laufen auch ein paar junge Menschen durch Roth und amüsieren sich köstlich, schauen sich das Youtube-Video oder eine der zahlreichen Parodien an und setzen dann eventuell sogar ihr Kreuz hinter den Namen Giersdorf. Somit hat der Herr Giersdorf mit diesem Wahlplakat zwei Sachen erreicht, er reproduziert den herrschenden Rassismus, auch bei denen die ihn nicht wählen werden und gewinnt vielleicht sogar noch ein paar Wähler*innen dazu. Das ist die rassistische Kontinuität in Deutschland und das einzige was ich Herrn Giersdorf noch zu sagen habe, schrieb Jan Wehn im Juice Magazin vom September 2013: ‚Rap hat dir nix getan, lass ihn in Ruhe‘.

Anmerkungen:
[1] Erfreulicherweise hat Haftbefehl beschlossen rechtlich dagegen vorzugehen
[2] Weiterführendes zum Thema bei Publikative.


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