Nichts hat sich geändert.

Dies ist eine Fortsetzung des Beitrages: Tatort der Barbarei.

Es war wieder soweit. Der zweite Schweiger-Tatort wurde am Tag nach dem Frauenkampftag um 20:15 ausgestrahlt und setzt nahtlos an seinen Vorgänger an. Nach 6 Minuten gibt es die erste Explosion und die erste Frau, darf von Til Schwei­ger alias Nick Tschil­ler gerettet werden. Dieses Frauenbild wird dann auch die restlichen 84 Minuten beibehalten. Frauen sind entweder Tochter von Tschiller, schlafen mit Tschiller oder haben einst mit Tschiller geschlafen. Die einzigen zwei Ausnahmen bilden eine trauernde Statistin und Tschillers Kollegin (gespielt von Britta Hammelstein / den Namen der Rolle kann ich nirgendwo finden), die ihn immerhin einmal retten darf. Doch damit gar nicht erst der Verdacht ensteht, dass hier eine Minute ohne sexistische Rollenbilder vorbei gehen könnte, geht es direkt im Anschluss der Rettung wieder um das Aussehen der Kollegin. Wie um die Kritik zu bestätigen, darf Schweiger heute in der Bild auch noch ‚SEINE (sic!) Frauen‘ erklären. Am Frauenbild hat sich also gegenüber dem ersten Schweiger-Tatort überhaupt nichts geändert, was vor allem die Rolle der Staatsanwältin beweist. Nach einen gewaltätigen Angriff liegt diese die zweite Hälfte das Tatortes im Krankenhaus und ihr Sexualpartner Tschiller weiß natürlich, was das beste für sie ist. Besser als sie selbst, schließlich ist sie nur eine Frau und er ist Nick Tschiller. Und dieser Tschiller erklärt ihr, dass es das beste für sie wäre, wenn sie behauptet der Angreifer habe sie vergewaltigt (sic!). Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte.

Doch während man sich noch den Mund abwischt, han­delt Tschiller nur für das Wohl des Volkes und braucht sich dabei an kei­ner­lei po­li­zei­li­che Vor­schrif­ten oder Gesetze halten. So schlägt er unter anderem einen Gefängnisinsassen und setzt einen Kriminellen in Brand, aber selbstverständlich hat er deswegen keine Konsequenzen zu befürchten. Nick Tschiller steht nach wie vor über dem Gesetz und überhaupt ist das ganze doch nur ein Film. Ein Film, der auf einem Sender mit Erziehungsauftrag läuft und in dem die Polizei (oder eben Tschiller) tun und lassen kann was sie (oder eben er) will.

In puncto Selbstjustiz, polizeiliche Wilkür hat sich also ebenfalls wenig gegenüber dem ersten Schweiger-Tatort verändert und da ich geschriebenes nicht nochmal schreiben will und die Reaktion der Öffentlichkeit sich gegenüber dem letzten Schweiger-Tatort kaum verändert hat und ich auch nicht weiter auf den rassistischen Kollegen eingehen will, kann ich abschließend wieder nur sagen, dass öf­fent­lich-​recht­li­che Fern­seh­an­stal­ten mit Bil­dungs­auf­trag, ihre Ein­nah­men aus den Ge­büh­ren dazu ver­wen­den Se­xis­mus, Ma­cker­tum, Selbst­jus­tiz und polizeiliche Wilkür zu ver­herr­li­chen, dass im An­schluss an einen Tat­ort mit der­ar­ti­ger The­ma­tik die Sen­de­zeit von Jauch nicht dazu ver­wen­det wird, um über Selbst­jus­tiz und Fol­ter zu dis­ku­tie­ren und dass sich nach wie vor nicht allzu viele in un­se­rer Ge­sell­schaft an der­ar­ti­gen Wert­vor­stel­lun­gen stört.


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