Hafti und die Juden von der Börse.

Im letzten Tatort schauten sich ein paar Jugendlichen das Video zu ‚Chabos wissen wer der Babo ist‘ während ein Auszug aus dem Song ‚Psst‘ zu hören war. Der Song endete im Tatort, kurz bevor eine Line zu hören war die auf heftige Kritik gestoßen war: ‚Tick das Koks an die Juden von der Börse‘. Berechtigterweise wurde im vorgeworfen er bediene sich antisemitischer Stereotype. Heute hat sich Haftbefehl dazu auf seiner Facebookseite geäußert.

Auch wenn die Rechtfertigung mit Verweis auf die tatsächliche ‚jüdische Herkunft‘ seiner ehemaligen Kunden sehr dünn ausfällt, sind es Sätze wie: ‚Ein Aspekt des Antisemitismus ist die Gleichsetzung vom Judentum und Geld, die ich für falsch und dumm halte. Ich verstehe und sehe ein , das bei Vorurteilen gegenüber Juden und anderen Minderheiten – besonders in diesem Land – jede Aussage auf die Goldwaage gelegt werden muss.‘, die zeigen das Hafti mehr Reflektionsvermögen über Antisemitismus verfügt, als ein Großteil der deutschen Linken bzw. der deutschen Gesellschaft. Dies ist die einzige als explizit antisemitisch zu verstehende Textzeile und im, durchaus platten, Track ‚Free Palestine‘ bedient er sich keinerlei antisemitischer Stereotype, auch wenn in der Hook mit der Forderung nach dem Boykott Israels und der Songtitel als solcher sich einer antizionistischen und bisweilen auch antisemitischen Rhetorik bedient wird. Beide Tracks befinden sich auf seinem ersten Album ‚Azzlack Stereotype‘ (2010). Auf keinem der anderen beiden Alben findet sich eine ähnliche Rhetorik. Bedenkt man außerdem die soziale Herkunft Haftbefehls und den weit verbreiteten Antisemitismus innerhalb der deutschen Gesellschaft im Allgemeinen und der arabisch/persisch-migrantischen Community im Speziellen, dann gehört Haftbefehl mit der heutigen Aussage definitiv zum oberen Viertel was Reflektion bezüglich Antisemitismus angeht. Diesen Entwicklungs- und Reflektionsprozess muss man einem Mensch auch zugestehen können.

Der Verweis deutscher Medien (wie Welt) auf seinen Antisemitismus, der sich meistens an eben jenen zwei Songs und ein paar Aussagen aus seiner Vergangenheit festhängt, darf durchaus als lächerlich betrachtet werden, in Anbetracht von Kolumnisten wie Augstein oder Mittelstands Rappern wie Afrob oder Max Herre. Frei nach dem Motto: ‚Antisemitisch? Das sind die Ausländer.‘


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