Archiv für April 2014

Endlich wieder granteln.

Zwei Traditionsvereine der ersten Bundesliga befinden sich im Abstiegskampf, während der FC Bayern München seit Ende März offiziell deutscher Meister 2014 ist, im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund steht und im Champions League Halbfinalhinspiel nach Aussage der eigenen Spieler gegen Real Madrid ‚dominiert‘ (Lahm) hat. Also alles ‚Super super‘ (Pep)? Von wegen.

Seit dem Gewinn der Meisterschaft gegen Hertha BSC im März ist irgendwie die Luft raus und auch in den Spielen davor, führte das neue Pep-System nicht mehr zu der Dominanz die seit Oktober 2012 zur bayrischen Selbstverständlichkeit gehört. Die Ernüchterung die nach der Euphorie des Triplesieges und des neuen Trainers zwangsläufig kommen musste oder doch die ersten Anzeichen, dass Pep zwar kein Jürgen Klinsmann ist, aber leider eben auch kein Jupp Heynckes.

Der FC Bayern München scheint satt geworden zu sein. Satt nicht etwa an Ballbesitz, aber satt an Toren. Denn trotz überlegendem Ballbesitz gegen Real Madrid (aus diesem Ballbesitz enstand gegen Barcelona noch logischerweise ein überragendes 4:0 in München und ein nicht weniger ansehnliches 3:0 in Barcelona), war für Kommentator Reif die Bestia Negra, was übrigens nichts mit Bayern oder ihren schwarzen Leibchen zu tun hat, ‚zahnlos‘.

So zahnlos, wie schon in den vier Bundesligapartien seit Gewinn der Meisterschaft, von denen 2 verloren gingen (zu Hause mit 0:3 gegen den BVB und auswärts mit 0:1 gegen Augsburg) oder dem zwar vom Ergebnis her überragendem, aber spielerisch nicht wirklich anspruchsvollen Pokal-Halbfinale gegen Kaiserslautern. Lediglich 30 Minuten im Rückspiel des CL-Viertelfinales gegen Manchester machten Hoffnung auf mehr. 30 Minuten, in denen Bayern direkt auf den Rückstand reagierte und Manchester United so dominierte, wie es in der Hinrunde beim Auswärtsspiel gegen Manchester City und Bayer Leverkusen der Fall war. Das wirklich bemerkenswerte daran war, dass diese überragenden 30 Minuten nicht durch das Pepsystem erreicht worden waren.

Das Pep-System hatte zwar das viel umjubelte Bundesligaspiel gegen Bayer 04 Leverkusen dominiert, aber dort eben auch nur 1:1 gespielt und ähnlich wie in Madrid den Zug zum Tor vermissen lassen. Der Ball rotiert wunderschön in den Reihen der Münchner und bis auf die Konter der Madrillen sah das auch ganz anschaulich aus, nur Madrid verwandelte einen Konter (und hatte auch noch Chancen auf mehr Tore), während Bayern kaum Torchancen hatte. Erst die Einwechslung von Martinez, Götze und Müller für Ribery, Rafinha und Schweinsteiger brachte die Wende. Erst als Lahm die ihm im Pepsystem angedachte 6er Position verließ und auf der rechten Außenbahn spielte, erst als im Mittelfeld Martinez unauffällig aber souverän für die Ruhe sorgte, die dem Triplesieg vor raus ging, erst als der unfassbar gutaussehende Götze, den symptomatisch für den FC Bayern neben sich stehenden und vor allem spielenden Ribery ersetzte und der in die Jahre gekommmene Traber des Jahres ehemals Fußballgott, dem immer für Überraschung sorgenden Müller wich, entstanden so etwas wie echte Torchancen.

Ob der Fehler im System liegt oder die Verpflichtung Lewandowski den fehlenden Torhunger bringen wird oder ob der FC Bayern im Rückspiel dominant mit Torerfolg in das Finale einzieht und das Triple sogar verteidigen kann, dass ist mir eigentlich völlig egal. Nach fast 2 Jahren, bin ich froh das ich endlich wieder, wenn auch nur für den Moment granteln kann. Das ich mich an Guardiolas Coolness und seinen Aussagen nach dem Spiel stören kann, auch wenn ich selbe Aussagen nach dem Champions League Gewinn retrospektivisch lieben werde. Endlich wieder jammern auf hohem Niveau, endlich wieder durch absoluten Siegeswillen und Effenbergmomente den Hass von Fußballdeutschland ernten, den der FC Bayern durch sein sympatisches Spiel verloren hat. Auf das am 17. Mai ‚das ganze Stadion, ach was, ganz Fußballdeutschland außer die Bayerfans gegen uns sein werden‘ (Kahn), denn es gibt verdammt noch einmal nichts geileres.

#poebelicious

Gedanken zur Friedensbewegung 2014

Dass die zur Zeit im Internet auftretende ‚Friedensbewegung 2014′ zu kritisieren ist, haben mittlerweile die meisten Medien erkannt und auch getan. [1] Die Gefahr von Verschwörungstheorien, Kryptofaschismus, antisemitischen Ressentiments und verkürzter Kapitalismuskritik wird in den meisten Fällen auch durch aus erkannt und korrekterweise kritisiert, nur werden die Demonstrationen häufig unter das Label ‚rechts‘ gestellt.

Linksjugend gegen Antisemitismus | Quelle: https://www.flickr.com/photos/strassenstriche/
[2]

Es stellen sich mir in solchen Fällen immer mehrere Fragen: Was ist rechts und was ist links? Sind diese Parameter überhaupt hilfreich, wenn es darum geht faschistische Tendenzen in einer Gesellschaft zu analysieren? [3] Wenn also beispielsweise Antisemitismus als rechts gilt, dann werden sowohl die ‚Mitte der Gesellschaft‘ (TM), als auch diejenigen die sich als links definieren von jedem Verdacht des Antisemitismus frei gesprochen bzw. sie sprechen sich selbst frei. Einfach nur, weil sie als Linke oder eben Liberale per Definitionem nicht rechts sein können und damit auch nicht antisemitisch sein können. Nun ist es aber kein Geheimnis, dass sowohl die nationalsozialistische Diktatur, als auch andere rassistische Ressentiments in der ‚Mitte der Gesellschaft‘ ™ gewachsen sind. Ebenso ist es kein Geheimnis mehr, dass gerade in der deutschen Linken antisemitische Ressentiments weit verbreitet sind. Dementsprechend führt eine Verlagerung des Problems an den ‚rechten Rand‘ nicht zur einer Beseitigung des Problems, sondern lediglich zur einer Verlagerung. Die eigenen teilweise antisemitischen Ressentiments müssen nicht reflektiert werden und werden es auch nicht. Antisemitisch? Ich? Niemals, ich bin doch links.

Betrachtet man Antisemitismus jedoch als ein Problem fernab der Parameter rechts und links, so wird niemand per Selbstdefinition freigesprochen und vor allem kann sich auch niemand per Selbstdefinition freisprechen. Antisemitismus ist und bleibt ein in allen gesellschaftlichen und politischen Milieus vorhandenes Problem, dessen Analyse verhindert wird, wenn er mit ‚rechten Ideologien‘ gleichgesetzt wird.

Schön und gut, aber was hat das nun mit der ‚Friedensbewegung 2014′ zu tun?
Ganz einfach. So lange in den Reihen der ‚Friedensbewegung 2014′ selbsternannte Linke, wie die Bandbreite (die immer noch auf linken Festivals spielen) vor zu finden sind und das von Ken Jebsen angesprochene Klientel quer durch alle gesellschaftlichen Milieus geht – solange sollte die Gefahr nicht nach rechts abgeschoben werden, denn außer eine damit verbundene verkürzte Analyse des Problems und einem ausgestellten Freifahrtschein für selbsternannte Linke hat davon niemand etwas.

Fazit: In der ‚Friedensbewegung 2014′ sind faschistische Tendenzen vorhanden, diese zu erkennen und zu kritisieren ist notwendig für jedwede emanzipatorische Politik. Die Gefahr an den rechten Rand zu schieben ist allerdings keine tiefgründige Kritik, sondern lediglich eine eigene ‚Schuldabweisung‘.
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[1] Zum Beispiel: Tagesschau, TAZ und Deutschlandfunk.
[2] Bild zurechtgeschnitten und genommen von: Strassenstriche.net
[3] Sehenswert hier zu auch Wolfgang Wippermann, der erklärt warum er statt dem Parameter ‚Rechtsextremismus‘, lieber von ‚Faschismus‘ spricht.