Gedanken zur Friedensbewegung 2014

Dass die zur Zeit im Internet auftretende ‚Friedensbewegung 2014′ zu kritisieren ist, haben mittlerweile die meisten Medien erkannt und auch getan. [1] Die Gefahr von Verschwörungstheorien, Kryptofaschismus, antisemitischen Ressentiments und verkürzter Kapitalismuskritik wird in den meisten Fällen auch durch aus erkannt und korrekterweise kritisiert, nur werden die Demonstrationen häufig unter das Label ‚rechts‘ gestellt.

Linksjugend gegen Antisemitismus | Quelle: https://www.flickr.com/photos/strassenstriche/
[2]

Es stellen sich mir in solchen Fällen immer mehrere Fragen: Was ist rechts und was ist links? Sind diese Parameter überhaupt hilfreich, wenn es darum geht faschistische Tendenzen in einer Gesellschaft zu analysieren? [3] Wenn also beispielsweise Antisemitismus als rechts gilt, dann werden sowohl die ‚Mitte der Gesellschaft‘ (TM), als auch diejenigen die sich als links definieren von jedem Verdacht des Antisemitismus frei gesprochen bzw. sie sprechen sich selbst frei. Einfach nur, weil sie als Linke oder eben Liberale per Definitionem nicht rechts sein können und damit auch nicht antisemitisch sein können. Nun ist es aber kein Geheimnis, dass sowohl die nationalsozialistische Diktatur, als auch andere rassistische Ressentiments in der ‚Mitte der Gesellschaft‘ ™ gewachsen sind. Ebenso ist es kein Geheimnis mehr, dass gerade in der deutschen Linken antisemitische Ressentiments weit verbreitet sind. Dementsprechend führt eine Verlagerung des Problems an den ‚rechten Rand‘ nicht zur einer Beseitigung des Problems, sondern lediglich zur einer Verlagerung. Die eigenen teilweise antisemitischen Ressentiments müssen nicht reflektiert werden und werden es auch nicht. Antisemitisch? Ich? Niemals, ich bin doch links.

Betrachtet man Antisemitismus jedoch als ein Problem fernab der Parameter rechts und links, so wird niemand per Selbstdefinition freigesprochen und vor allem kann sich auch niemand per Selbstdefinition freisprechen. Antisemitismus ist und bleibt ein in allen gesellschaftlichen und politischen Milieus vorhandenes Problem, dessen Analyse verhindert wird, wenn er mit ‚rechten Ideologien‘ gleichgesetzt wird.

Schön und gut, aber was hat das nun mit der ‚Friedensbewegung 2014′ zu tun?
Ganz einfach. So lange in den Reihen der ‚Friedensbewegung 2014′ selbsternannte Linke, wie die Bandbreite (die immer noch auf linken Festivals spielen) vor zu finden sind und das von Ken Jebsen angesprochene Klientel quer durch alle gesellschaftlichen Milieus geht – solange sollte die Gefahr nicht nach rechts abgeschoben werden, denn außer eine damit verbundene verkürzte Analyse des Problems und einem ausgestellten Freifahrtschein für selbsternannte Linke hat davon niemand etwas.

Fazit: In der ‚Friedensbewegung 2014′ sind faschistische Tendenzen vorhanden, diese zu erkennen und zu kritisieren ist notwendig für jedwede emanzipatorische Politik. Die Gefahr an den rechten Rand zu schieben ist allerdings keine tiefgründige Kritik, sondern lediglich eine eigene ‚Schuldabweisung‘.
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[1] Zum Beispiel: Tagesschau, TAZ und Deutschlandfunk.
[2] Bild zurechtgeschnitten und genommen von: Strassenstriche.net
[3] Sehenswert hier zu auch Wolfgang Wippermann, der erklärt warum er statt dem Parameter ‚Rechtsextremismus‘, lieber von ‚Faschismus‘ spricht.


3 Antworten auf „Gedanken zur Friedensbewegung 2014“


  1. 1 ein antifaschist 21. April 2014 um 15:12 Uhr

    „In der ‚Frie­dens­be­we­gung 2014′ sind fa­schis­ti­sche Ten­den­zen vor­han­den,“ – na eure Faschismusdefinition würde mich ja doch mal interessieren. Ohne diese Ansammlungen von politisch frustrierten „Zeitgeist“– und Chemtrails-Jüngern verteidigen zu wollen, zu einer faschistischen Bewegung fehlt dann doch noch einiges.

    P.S.: Antisemitismus ist kein notwendiger Bestandteil des Faschismus. Der italienische Faschismus kam recht lange ohne aus, Mussolini hatte anfangs „sogar“ Juden in seinem Kabinett sitzen.

  2. 2 Chucky 21. April 2014 um 19:41 Uhr

    First: Faschismusdefinition, wie auch im Text verlinkt: http://www.antifaschismus2.de/argumente/gegenargumente/256-was-ist-kryptofaschismus

    Second: I know. Aber wo sag ich das?

  1. 1 Der „Ich kann doch kein*e … sein“-Reflex der Linken « Don´t Pan(ic) Dora! Pingback am 13. Mai 2014 um 13:29 Uhr

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