Endlich wieder granteln.

Zwei Traditionsvereine der ersten Bundesliga befinden sich im Abstiegskampf, während der FC Bayern München seit Ende März offiziell deutscher Meister 2014 ist, im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund steht und im Champions League Halbfinalhinspiel nach Aussage der eigenen Spieler gegen Real Madrid ‚dominiert‘ (Lahm) hat. Also alles ‚Super super‘ (Pep)? Von wegen.

Seit dem Gewinn der Meisterschaft gegen Hertha BSC im März ist irgendwie die Luft raus und auch in den Spielen davor, führte das neue Pep-System nicht mehr zu der Dominanz die seit Oktober 2012 zur bayrischen Selbstverständlichkeit gehört. Die Ernüchterung die nach der Euphorie des Triplesieges und des neuen Trainers zwangsläufig kommen musste oder doch die ersten Anzeichen, dass Pep zwar kein Jürgen Klinsmann ist, aber leider eben auch kein Jupp Heynckes.

Der FC Bayern München scheint satt geworden zu sein. Satt nicht etwa an Ballbesitz, aber satt an Toren. Denn trotz überlegendem Ballbesitz gegen Real Madrid (aus diesem Ballbesitz enstand gegen Barcelona noch logischerweise ein überragendes 4:0 in München und ein nicht weniger ansehnliches 3:0 in Barcelona), war für Kommentator Reif die Bestia Negra, was übrigens nichts mit Bayern oder ihren schwarzen Leibchen zu tun hat, ‚zahnlos‘.

So zahnlos, wie schon in den vier Bundesligapartien seit Gewinn der Meisterschaft, von denen 2 verloren gingen (zu Hause mit 0:3 gegen den BVB und auswärts mit 0:1 gegen Augsburg) oder dem zwar vom Ergebnis her überragendem, aber spielerisch nicht wirklich anspruchsvollen Pokal-Halbfinale gegen Kaiserslautern. Lediglich 30 Minuten im Rückspiel des CL-Viertelfinales gegen Manchester machten Hoffnung auf mehr. 30 Minuten, in denen Bayern direkt auf den Rückstand reagierte und Manchester United so dominierte, wie es in der Hinrunde beim Auswärtsspiel gegen Manchester City und Bayer Leverkusen der Fall war. Das wirklich bemerkenswerte daran war, dass diese überragenden 30 Minuten nicht durch das Pepsystem erreicht worden waren.

Das Pep-System hatte zwar das viel umjubelte Bundesligaspiel gegen Bayer 04 Leverkusen dominiert, aber dort eben auch nur 1:1 gespielt und ähnlich wie in Madrid den Zug zum Tor vermissen lassen. Der Ball rotiert wunderschön in den Reihen der Münchner und bis auf die Konter der Madrillen sah das auch ganz anschaulich aus, nur Madrid verwandelte einen Konter (und hatte auch noch Chancen auf mehr Tore), während Bayern kaum Torchancen hatte. Erst die Einwechslung von Martinez, Götze und Müller für Ribery, Rafinha und Schweinsteiger brachte die Wende. Erst als Lahm die ihm im Pepsystem angedachte 6er Position verließ und auf der rechten Außenbahn spielte, erst als im Mittelfeld Martinez unauffällig aber souverän für die Ruhe sorgte, die dem Triplesieg vor raus ging, erst als der unfassbar gutaussehende Götze, den symptomatisch für den FC Bayern neben sich stehenden und vor allem spielenden Ribery ersetzte und der in die Jahre gekommmene Traber des Jahres ehemals Fußballgott, dem immer für Überraschung sorgenden Müller wich, entstanden so etwas wie echte Torchancen.

Ob der Fehler im System liegt oder die Verpflichtung Lewandowski den fehlenden Torhunger bringen wird oder ob der FC Bayern im Rückspiel dominant mit Torerfolg in das Finale einzieht und das Triple sogar verteidigen kann, dass ist mir eigentlich völlig egal. Nach fast 2 Jahren, bin ich froh das ich endlich wieder, wenn auch nur für den Moment granteln kann. Das ich mich an Guardiolas Coolness und seinen Aussagen nach dem Spiel stören kann, auch wenn ich selbe Aussagen nach dem Champions League Gewinn retrospektivisch lieben werde. Endlich wieder jammern auf hohem Niveau, endlich wieder durch absoluten Siegeswillen und Effenbergmomente den Hass von Fußballdeutschland ernten, den der FC Bayern durch sein sympatisches Spiel verloren hat. Auf das am 17. Mai ‚das ganze Stadion, ach was, ganz Fußballdeutschland außer die Bayerfans gegen uns sein werden‘ (Kahn), denn es gibt verdammt noch einmal nichts geileres.

#poebelicious


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