Archiv für Mai 2014

Kritik an linkem Antisemutismus und die typische Reaktion.

‚Antideutsche‘ sind schlimm, weil sie linken Antisemitismus benennen.

Werden antisemitische Ressentiments innerhalb linker Strukture benannt, dann passiert in der Regel immer das gleiche. Die Kritik wird inhaltlich überhaupt nicht reflektiert, sondern es wird mit Entrüstung darauf verweisen, dass man links sei und damit qua Definitionem gegen Antisemitismus sei. Ein Paradebeispiel dafür lieferte uns nun die Band old man with new scars.

Die Organisator*innen des Chemnitzer Stay Rebel Festivals sagten den Aufritt der Band auf ihrem Festival mit folgender Begründung ab:

Wir haben den Hinweis zu dem Lied Hexentanz bekommen und sind dem nachgegangen. Das Lied hat zweifelsohne einen antisemitischen Charakter und kann sich ohne weiteres bei den antisemitischen, verschwörungstheoretischen Montags-wahnmachen einreihen. Das hat auf diesem Festival nichts zu suchen! Wir lehnen Antisemitismus und Verschwörungstehorien ab und aus diesem Grund haben wir der Band sofort abgesagt.
Bitte entschuldigt, dass wir dies nicht bereits eher bemerkt haben.

Es ist erfreuenswert, wenn Festivals derartig reflektiert mit Kritik an ihrer Bandauswahl umgehen und Fehler eingestehen. Weit weniger erfreulich, aber dafür um so vorhersehbarer ist jedoch die Reaktion. Zur aller erst wurde in den KommentarenZensur‘ geschrien, ehe dann 911-Verschwörungstheorien und die üblichen ‚man kann überall hineininterpretieren was man will‘-Kommentare den Antisemitismus leugnen. Doch das Statement der Band setzt dem ganzen noch die Krone auf.

Old Man With New Scars Statement zu den Vorwürfen antisemitischen Textgutes

Wir, „Old Man With New Scars“, haben mit Bestürzung zur Kenntnis nehmen müssen, dass es Menschen gibt die aus unseren Texten (siehe „Hexentanz“) antisemitische Tendenzen herausgehört haben wollen.

1.Wir sehen uns und unsere Musik als Teil der linken Szene bzw. der linken Subkultur!

2.Von Dingen wie Rassismus, Faschismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie, und ähnlichen Bullshit distanzieren wir uns und wollen auch nicht annähernd in so eine Ecke gedrängt werden!

3.Speziell in dem Song „Hexentanz“ geht es mitnichten um den Aufruf zu Straftaten oder die Diffamierung von Bevölkerungsgruppen, sondern um internationale gesellschaftspolitische Geschehnisse der letzten Jahre (u.a. fehlende Bankenregulierung)!

Wenn die ganze Sache nicht so traurig wäre könnte man darüber lachen. Aber: Insgesamt finden wir diese Diskussion absurd und an den Haaren herbei gezogen, zumal uns als Band nicht die Möglichkeit eingeräumt wurde uns zu den Vorwürfen zu äußern!

In diesem Sinne

BEST WISHES – STAY REBEL!

Was macht die Band mit der Kritik? Reflektiert sie dir Kritik? Nein, sie erklärt uns das sie links sei, verweist auf ihr Antidiskriminierungs-Label als linke Band und zeigen im dritten Absatz ihr mangelndes Verständnis gegenüber Antisemitismus (-> hier gibts eine Definition im ersten Absatz).

Ich will hier weniger den Antisemitismus-Vorwurf kommentieren, als die Art und Weise wie mit derartiger Kritik umgegangen wird. Nämlich gar nicht. Die Angst siegt über die Vernunft. Reflektion wird abgeblockt, mit einem Label das jeden emanzipatorischen Anspruch verloren hat und zum metaphorischen Button am Parka wird. Aber wer das kritisiert, ist ein scheiß Antideutscher der die Linke spalten will.

Die Angst vor dem großen A.

Grundlegend ist festzuhalten: Antisemitismus ist mehr als die Feindschaft gegen Juden und daher nicht zu verwechseln mit dem vormodernen christlichen Antijudaismus. Antisemitismus ist selbst eine Er­schei­nung der Moderne – und zwar das Aufbegehren gegen sie. So beschreibt Jean-Paul Sartre Antisemiten als Per­so­nen, die sich vor den Chancen, Risiken und Veränderungen der modernen bürgerlichen Gesellschaft fürch­te­ten und statt der Vernunft und dem Denken; den Hass, die Irrationalität und den Kon­for­mis­mus zum lei­tenden Motiv ihrer Handlungen machten. Anstatt also die Welt zum Besseren zu verändern, pro­ji­zieren sie das Schlechte auf (vermeintliche) Juden. Eingedenk der dahinter steckenden kognitiven Phänomene, Juden zum Sym­bol der Mo­derne und ihrer Verwerfungen zu machen, verweist Shulamit Volkov auf den kul­tu­rel­len Code, zu dem der Antisemitismus geworden ist. Am Beispiel der wilhelminischen Gesellschaft verdeutlicht sie, dass völkisches Den­ken, Na­tio­na­lis­mus, Anti-Liberalismus, Anti-Sozialismus, Anti-Feminismus etc. im Deutschen Kaiserreich ohne An­ti­se­mi­tis­mus nicht vollständig waren; dieser wurde vielmehr das Erkennungsmerkmal antiemanzipatorischer Kräfte.
Stefan Kunath, Bak Shalom.

Es ist schon bemerkenswert, wenn an einer deutschen Universität ein Referat über die Immigration der sogenannten Ostjuden nach Deutschland, so wie deren Gründe und die Konsequenzen (-> Pogrome der deutschen Bevölkerung gegen Ostjuden) gehalten wird und das Wort Antisemitismus ganze drei Mal auftaucht. Obwohl er eine der Hauptursachen für die Flucht aus dem erst zaristischen, später dann sowjetischen Russland ist. Obwohl er DAS Leitmotiv der Pogrome war. Doch derartiges ist wohl kaum verwunderlich, werden hier unter anderem auch antisemitische Hetztiraden eines Joseph Göbbels zu ‚bös­ar­ti­gen Be­lei­di­gun­gen‘.

Dieses Wochenende gab es erneut zwei klar antisemitisch motivierte Mordanschläge mitten in Europa. Vor dem jüdische Museum in Brüssel wurden drei Menschen direkt ermordet, ein vierter erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen und nur wenige Stunden später ereignete sich in Frankreich ein weiterer antisemitischer Gewaltakt.

Dieses Jahr veröffentlichten Fard & Snaga einen Song mit Namen ‚Contraband‘, der vollkommen zu Recht von ruhrbaronen und Staiger (Brief und Interview) als antisemitisch bezeichnet wurde. Doch der Vorwurf des Antisemitismus kann in Deutschland nicht unkommentiert bleiben und so spricht Kollegah wahrscheinlich einigen Leuten aus dem Herzen, wenn er erklärt: ‚Ey, ganz ehrlich: Du kannst heute noch nicht mal das Wort ‚Jude‘ verwenden, ohne als Antisemit dargestellt zu werden. Noch nicht mal das Wort ‚Israel‘. Du darfst nichts gegen die Politik eines Landes sagen, ohne, dass die Nazikeule geschlagen wird.

In Deutschland ist es auch im Jahr 2014 noch üblich, dass jüdische Einrichtungen rund um die Uhr von Polizei und privaten Sicherheitskräften bewacht werden müssen. So auch die Einrichtungen der jüdische Gemeinde Berlin, die auf ihrer Website schreibt: ‚Die Jüdische Gemeinde zu Berlin wird zu den stark gefährdeten Einrichtungen der Stadt gezählt. Terrordrohungen und rechtsradikale Gefahren zwingen die Gemeinde und den Senat von Berlin, Vorkehrungen zu treffen. Die Sicherheitsabteilung ist daher für die Organisation des Objektschutzes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zuständig. Hier kooperiert sie sehr eng mit der Berliner Polizei.

Trotzdem will im Jahr 2014 kaum jemand etwas von Antisemitismus wissen, so wie man von ihm auch 1945 nichts gewusst haben will. Nur die wenigstens möchten über ihn sprechen, noch weniger sehen ihn als akutes Problem an. Denn bei genauerer Betrachtung, müsste man sich ja eingstehen, dass man gegebenfalls selbst ein Teil dieses Problems ist, dass man es sich selbst gerne leicht macht und insgeheim die Schuldigen (an was auch immer) ausgemacht hat, dass man selbst antisemitische Stereotype reproduziert. Aber das will natürlich niemand, denn Antisemitismus heißt Shoah, heißt 6 Millionen tote Juden, heißt deutsche Vergangenheit und dieses Mantra tragen die meisten vor sich her. Lupenreine Antisemiten wie Augstein oder Grass werden aller höchstens zu Ausnahmen, die die Regel bestätigen, sofern ihr Antisemitismus nicht gleich geleugnet wird. Kritisiert man bei Leuten eine Reproduktion von antisemitischer Stereotypen oder offen antisemitische Äußerungen, so verwehren sich diese in der Regel jeder Kritik. Man sei schließlich kein Nazis und dementsprechend sei die Anschuldigung haltlos. Im schlimmsten Fall wird man als Kritiker*in beleidigt und gegebenfalls körperlich bedroht, im besten Fall entscheidet die deutsche Mehrheit darüber was denn Antisemitismus ist.

Der Erziehungsauftrag eines böhsen onkelz.

Liebe Freunde von Niemand,
hier im Blog habe ich einmal ausgeführt, wie ich eine Entwicklung im Deutschrap betrachte. Ich habe diese beziehungsweise eure Sparte des Deutschraps ‚Rap Böhse Onkelz', nach einem gleichnamigen Track von Vega genannt.

Besagter Vega brachte nun mit seinem (mehr als ein) Label ‚Freunde von Niemand‘, also euch, einen Sampler Namens ‚Willkommen im Niemandsland 2′ heraus, logischerweise gab es dazu auch ein Interview in der April Ausgabe der JUICE. Nichts besonderes, hätte ich nicht an einer Stelle laut auflachen müssen.

Juice: ‚Hat der Künstler einen Bildungsauftrag?‘
Vega: ‚Unbedingt! Wir haben alle eine krasse Verantwortung. Man versaut sonst hunderttausende Kids, die diese Art von Musik hören.‘

Gesinnungswandel? Falsch gedacht. Homophobie, Sexismus und die übliche Ästhetik der böhsen onkelz sind nach wie vor vorhanden. Was veranlasst Vega also zu einer derartigen Aussage? Ein paar Zeilen vorher im Interview lässt es sich finden: das Wort HURENSOHN, zu dem Bosca sagt: ‚Dieses Wort solltest du höchstens deinem schlimmsten Feind in der schlimmsten Situation sagen. Darunter gibt es nichts, was den Gebrauch dieses Wortes rechtfertigen würde. Es ist verrückt, wie die Kids heute damit umgehen. Das ist scheiße! Da werden den Leuten ganz behinderte Dinge vorgelebt, und das kann nicht der richtige Weg sein.‘

Es wäre vielleicht ein bisschen weit ausgeholt, wenn ich meine These über ‚Rebellen die gar nicht wirklich rebellieren‘ hier bestätigt sehen würde und mich über die Spießigkeit von Vega amüsieren würde. Amüsant ist es dennoch, dass Sexismus, Homophobie und ein Ehrgefühl aus vormodernen Zeiten nicht im Widerspruch zu dem von Vega ausgerufenen Bildungsauftrag stehen. Bestätigt sehe ich allerdings meine These von mangelndem Reflektionsvermögen, dass die Fehler immer bei den anderen sucht und das eigenen Handeln niemals hinterfrägt.

Der Widerspruch zwischen eurem Texten und dem Interview sehe warscheinlich auch wieder nur ich. Ich, der Student der euch die politische Korrektheit der Mehrheit aufzwingen will, aber ganz ehrlich: ihr verhaltet euch hier nicht anders. Ihr definiert was richtig und was falsch ist. Ich bin hier nur der, der genau dieses Weltbild hinterfrägt. Keine Ahnung wie ich zu Hurensohn-Lines stehen soll, aber ich finde sie ganz gewiss nicht schlimmer als eure Homophobie und euer Sexismus.

XOXO,
Chucky

Und täglich grüßt das alte Lied.

Oder: Wenn deutsche Student*innen über Antisemitismus in Deutschland vor 1933 sprechen.

Zwei Dinge vorne weg. Erstens: mir ist es klar das ihr es alle nur gut meint, doch das Gegenteil von gut ist meistens nicht schlecht, sondern gut gemeint. Besonders wenn Deutsche über Juden sprechen. Zweitens: wer Wissenschaftlichkeit sucht, wird sie hier nicht finden. Hier wird nur die alltägliche Manifestation eines beständigen Gefühls dokumentiert.

Montag. Der Wecker klingelt um 7:45. Ich habe keine Lust das Bett zu verlassen. ‚Es dürfte in Deutschland vielen Student*innen geben, denen es genauso geht.‘ Denke ich und quäle mich eine halbe Stunde später nach zahlreichen um her wälzen aus dem Bett. Ich bin platt und schlecht gelaunt und ich befürchte es könnte noch schlimmer werden.

Um 10:07 betrete ich den Seminarraum, setze mich in die letzte Reihe, hole mein iPad raus und überfliege meine Twittertimeline: Asylgesetz wird verschärft, neben Gladio gab es noch eine weitere faschistische Geheimarmee von der wohl auch Adenauer wusste und das übliche berechtigte gerante meiner Filterblase. Wirklich Angst bekomme ich aber erst, als ich das Thema des heutigen Seminars sehe: ‚Arbeit gegen Antisemitismus vor 1933′. Es gibt ein einstündiges Referat zweier Kommiliton*innen darüber. Ein paar Stunden Recherche und der gute Wille sorgen für eine kleine Panikattacke bei mir.

Ich möchte das nicht, ich möchte nicht wie der altkluge Kerl erscheinen, der anderen diese „Sache mit dem Antisemitismus“ mal erklärt, aber noch viel weniger möchte ich mich in diesem Seminarraum unwohl fühlen und mir wünschen das Bett nicht verlassen zu haben, denn die Befürchtungen bestätigen sich.

Verschwiegen wird, wie so oft, dass Arbeit gegen Antisemitismus ausschließlich von Juden organisiert wurde. Verschwiegen wird wie so oft, dass Juden nicht auf Grund ihrer Religion, sondern auf Grund einer von Antisemit*innen konstruierten jüdischen Rasse Opfer von Antisemitismus sind. Krampfhaft wird am Bild der Juden als Religion festgehalten, so dass eine Aussage wie ‚Er war kein gläubiger Jude, aber ein bewusster Jude‘, als Beleg seines kritischen jüdischen Glaubens gilt.

Als es um den ‚Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens‘ und seine Arbeit gegen Antisemitismus geht, wird nicht darauf eingegangen das der CV dem Irrglauben unterlag, das Juden und Jüdinnen anerkannter Teil der deutschen Volksgemeinschaft wären. Und auch nicht darauf, dass der Definition von Opfern des Antisemitismus, als ‚Staatsbürger jüdischen Glaubens‘ ein Denkfehler unterliegt. Stattdessen wird die Frage gestellt: ‚Wieso hat der CV den Kampf gegen Antisemitismus nicht gewonnen?‘ und es werden die Fehler beim CV gesucht. Nicht wird erwähnt, dass der CV machtlos war gegen den Großteil des Volkes der den eliminatorischen Antisemitismus nicht nur für gut befand, sondern in Persona von KZ-Aufseher*innen und stillschweigender Mehrheit, auch noch unterstützte.

Ein antisemitischer Hetzartikel im ‚Angriff‘ (Vorgänger des ‚Stürmers‘) über Bernhard Weiß, wird von der Referierenden zu ‚bösartigen Beleidigungen‘. Antisemitismus als bösartige Beleidigung und niemand widerspricht. Auch ich nicht.

Im Fazit soll die Arbeit des CVs bewertet werden und wieder wird nicht ein einziges Mal erwähnt, dass sie ohnmächtig gegenüber dem Volkskörper der ihre Vernichtung wollte waren. ‚Erfolge & Niederlagen‘ steht auf dem Handout. Mir fällt es schwer nach Erfolgen zu suchen in Anbetracht der Tatsache, dass der Antisemitismus der Mehrheit kaum zur Sprache kommt. Wo soll es denn Erfolge gegeben haben, wenn nicht einmal heute in der Retrospektive eine Analyse des eliminatorischen Antisemitismus stattgefunden hat? Die Frage, ‚was die Juden hätten besser machen können?‘, ist mit Sicherheit nicht böse gemeint, aber spätestens jetzt müsste ich laut aufschreien und widersprechen.

Aber ich schweige erstmal, aus Angst vor Unverständnis und im schlimmsten Falle Sanktionierung durch die Dozentin. Selbige lasse ich auch besser erst einmal ihren Senf dazugeben. Sie widerspricht nicht. Im Gegenteil sie findet nur Lob. Ich empfinde nur noch Angst. Angst vor dem Land in dem ich seit 21 Jahren, seit meiner Geburt lebe.

‚Die meisten hatten nichts gegen ihre jüdische Nachbarn, sie ließen sich nur von der Propaganda gegen das ominöse Weltjudentum verführen.‘ & ‚Massen lassen sich leider immer leicht verführen.‘ ist auch eine Analyse der Shoah, aber keine die dem Leitsatz ‚Nie wieder‘ dienlich ist.

In der Diskussion könnte ich nun lautstark widersprechen, so wie ich es oft genug bereits getan habe in anderen Kontexten. So wie ich es mir geschworen habe immer zu tun. Doch am Ende heißt es dann wieder, der ‚antideutsche Hipster‘ würde nur provozieren und mit seiner Arbeit gegen Antisemitismus ‚die Shoah verharmlosen‘ (wie während eines Vortrages von mir über strukturellen Antisemitismus auf dem Sommercamp der Linksjugend 2013). Meinetwegen, dann spiele ich halt für euch den ‚antideutschen Hipster‘ bis ich mich wieder im Bett verkriechen kann. Es ist für mich die logische Konsequenz aus meinem Leben als Jude in Deutschland, der verzweifelte Versuch nicht ohnmächtig zu sein. Antisemitismus und andere Ideologien ansprechen und kritisieren, doch dafür wird man auf Twitter geblockt und im Jugendverband so schief angeschaut, dass ich lieber behaupte Vegetarier zu sein, dass keiner mitkriegt das ich koscher lebe. Doch heute habe ich keine Lust, ich akzeptiere meine eigene Ohnmacht und fahr nach Hause.

ps. Danke an Dora fürs Auffangen und fürs Lektorieren.

Der Boss

Ein nationalistischer, Antisemitismus verhamlosender, rassistischer und homophober Sexist.

Nach dem der Boss seine Homophobie und seinen Sexismus hinlänglich in diversen Texten belegt hat, hat er sich in der Promophase des neuen Albums ‚KING‘ scheinbar entschlossen, nun noch mal eine Schippe drauf zu legen.

1.) Zu aller erst war da ein Interview in der diesjährigen März-Ausgabe der JUICE in dem der Boss ganz ungeniert von der Höherwertigkeit deutschem Raps gegenüber amerikanischem Rap spricht, mehr (Deutschrap)patriotismus einfordert und die deutsche Sprache an sich höher als andere Sprachen stellt.

2.) Als nächste kamen Fard & Snaga mit ihrem Song ‚Contraband 2‘ und auch hier ließ es sich der Boss nicht nehmen seinen Senf dazu zu geben: ‚Ey, ganz ehrlich: Du kannst heute noch nicht mal das Wort ‚Jude‘ verwenden, ohne als Antisemit dargestellt zu werden. Noch nicht mal das Wort ‚Israel‘. Du darfst nichts gegen die Politik eines Landes sagen, ohne, dass die Nazikeule geschlagen wird. Du darfst die deutsche Flagge nicht hochhalten, ohne, dass du direkt ein Nazi bist. Gesunder Patriotismus in diesem Land, der auch gute Auswirkungen haben kann für’s Selbstbewusstsein des Einzelnen.‘ Antisemitismus? Gibt es gar nicht wirklich für Kollegah und sowieso, möchte er nochmal für sein patriotisches Anliegen werben. Gegen Juden und für Deutschland steht in direktem Zusammenhang und in einer Tradition, die der Boss nicht brechen will.

3.) Pünktlich zur Veröffentlichung seines Album ‚KING‘ bringt der Boss noch einen relativ belanglose 0815-‘geh deinen Weg, aber bleib dabei ehrlich‘-Track heraus, der für viele Leute sicherlich ganz schön deep sein mag. Er ist es aber nicht, er ist belanglos, findet sich mit den Gegebenheiten ab und schiebt die Schuld der ganzen Misere in der wir alle leben auf die einzelnen Menschen, statt das große und ganze System in Frage zu stellen. Soweit so furchtbar, aber das wäre noch nicht weiter berichtenswert, schließlich gibt es zahlreiche Songs mit dieser Thematik (u.a. einen von Herrn Deluxe), doch der Boss verfolgt seinen 3 Punkte Plan konsequent. Neben Homophobie und Sexismus, sollen auch Nationalismus, die Verharmlosung von Antisemitismus und wenn wir schon dabei sind auch noch Rassismus hinzukommen. ‚Du bist der Boss (…) wenn du allein als Deutscher kämpfst gegen 5 Türken aus dem Block. Weil du stolz und Ehre hast und keinen fürchtest außer Gott.‘.

Ey Kollegah, du magst vielleicht der Boss sein, aber ich habe ein Problem mit Autoritäten und dieser Nation.