Kritik an linkem Antisemutismus und die typische Reaktion.

‚Antideutsche‘ sind schlimm, weil sie linken Antisemitismus benennen.

Werden antisemitische Ressentiments innerhalb linker Strukture benannt, dann passiert in der Regel immer das gleiche. Die Kritik wird inhaltlich überhaupt nicht reflektiert, sondern es wird mit Entrüstung darauf verweisen, dass man links sei und damit qua Definitionem gegen Antisemitismus sei. Ein Paradebeispiel dafür lieferte uns nun die Band old man with new scars.

Die Organisator*innen des Chemnitzer Stay Rebel Festivals sagten den Aufritt der Band auf ihrem Festival mit folgender Begründung ab:

Wir haben den Hinweis zu dem Lied Hexentanz bekommen und sind dem nachgegangen. Das Lied hat zweifelsohne einen antisemitischen Charakter und kann sich ohne weiteres bei den antisemitischen, verschwörungstheoretischen Montags-wahnmachen einreihen. Das hat auf diesem Festival nichts zu suchen! Wir lehnen Antisemitismus und Verschwörungstehorien ab und aus diesem Grund haben wir der Band sofort abgesagt.
Bitte entschuldigt, dass wir dies nicht bereits eher bemerkt haben.

Es ist erfreuenswert, wenn Festivals derartig reflektiert mit Kritik an ihrer Bandauswahl umgehen und Fehler eingestehen. Weit weniger erfreulich, aber dafür um so vorhersehbarer ist jedoch die Reaktion. Zur aller erst wurde in den KommentarenZensur‘ geschrien, ehe dann 911-Verschwörungstheorien und die üblichen ‚man kann überall hineininterpretieren was man will‘-Kommentare den Antisemitismus leugnen. Doch das Statement der Band setzt dem ganzen noch die Krone auf.

Old Man With New Scars Statement zu den Vorwürfen antisemitischen Textgutes

Wir, „Old Man With New Scars“, haben mit Bestürzung zur Kenntnis nehmen müssen, dass es Menschen gibt die aus unseren Texten (siehe „Hexentanz“) antisemitische Tendenzen herausgehört haben wollen.

1.Wir sehen uns und unsere Musik als Teil der linken Szene bzw. der linken Subkultur!

2.Von Dingen wie Rassismus, Faschismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie, und ähnlichen Bullshit distanzieren wir uns und wollen auch nicht annähernd in so eine Ecke gedrängt werden!

3.Speziell in dem Song „Hexentanz“ geht es mitnichten um den Aufruf zu Straftaten oder die Diffamierung von Bevölkerungsgruppen, sondern um internationale gesellschaftspolitische Geschehnisse der letzten Jahre (u.a. fehlende Bankenregulierung)!

Wenn die ganze Sache nicht so traurig wäre könnte man darüber lachen. Aber: Insgesamt finden wir diese Diskussion absurd und an den Haaren herbei gezogen, zumal uns als Band nicht die Möglichkeit eingeräumt wurde uns zu den Vorwürfen zu äußern!

In diesem Sinne

BEST WISHES – STAY REBEL!

Was macht die Band mit der Kritik? Reflektiert sie dir Kritik? Nein, sie erklärt uns das sie links sei, verweist auf ihr Antidiskriminierungs-Label als linke Band und zeigen im dritten Absatz ihr mangelndes Verständnis gegenüber Antisemitismus (-> hier gibts eine Definition im ersten Absatz).

Ich will hier weniger den Antisemitismus-Vorwurf kommentieren, als die Art und Weise wie mit derartiger Kritik umgegangen wird. Nämlich gar nicht. Die Angst siegt über die Vernunft. Reflektion wird abgeblockt, mit einem Label das jeden emanzipatorischen Anspruch verloren hat und zum metaphorischen Button am Parka wird. Aber wer das kritisiert, ist ein scheiß Antideutscher der die Linke spalten will.


5 Antworten auf „Kritik an linkem Antisemutismus und die typische Reaktion.“


  1. 1 einer von jenen 01. Juni 2014 um 19:09 Uhr

    Ich schätze mal, dass der Songtext tatsächlich kritikwürdig ist (bin jetzt grad zu faul, danach zu googeln). Allerdings wird in dem Statement der Festivalveranstalter*innen (soweit oben zitiert) gar keine inhaltliche Kritik daran geäußert. Es wird nur gesagt, dass das Lied antisemitisch sei und erklärt: „Wir sind gegen Antisemitismus!“ – worauf die Band dann eben mit „Wir auch!“ antwortet.
    Da entspricht „die Art und Weise wie mit der­ar­ti­ger Kri­tik um­ge­gan­gen wird“, ziemlich exakt der Art und Weise der geäußerten „Kritik“.

  2. 2 Chucky 03. Juni 2014 um 9:55 Uhr

    Auf Nachfrage würde dies in den Kommentaren ausgeführt. Da in den Kommentaren selbst das Statement deutlich nach dieser Erklärung geposted wurde, dürfte die Band selbige gelesen haben.

  3. 3 Doc 19. Dezember 2014 um 0:58 Uhr

    Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Die Linke Szene macht sich mit Deiner Hilfe kaputt.Für die Band war es ein Glück, noch nicht mal die wirklich kritischen(und ehrlichen) Songsmit Texten gepostet zu haben…. Was wäre dann erst passiert…HÖRE DIR MAL: PUPPENSPIELER an. Sind das Nazis?oder Antisemiten?oder was? Wie wäre es denn zu sagen,Das sind Menschen…

  4. 4 Chucky 19. Dezember 2014 um 13:35 Uhr

    Dein Beitrag zeigt genau die Probleme auf: Antisemitismus gibts nur bei Nazis für manche Leute und jede Kritik an anderen antisemitischen Ressentiments wird als Spaltung diskreditiert. Sorry, aber Antisemitismus ist universal definierbar un genau das wurde getan.

  5. 5 Doc 13. Januar 2015 um 23:25 Uhr

    du musst sie alle erschiessen(Gross oder klein= die haben o h Durchfall … Oder Rap… oder… HipHop…. knick knostizismus.wow.

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