SoMetimes antifascist – always white sausage.

Die wohl größte Ultragruppe in der Sükdurve des FC Bayern München bekamen den Julius-Hirsch-Preis, benannt nach dem von den Nationalsozialisten ermordeten gleichnamigen jüdischen Nationalspielers, verliehen. Jährlich würdigt der DFB mit der Verleihung nach eigener Aussage ‚Initiativen gegen Rassismus und Antisemitismus‘ (siehe dfb.de). Eine Kritik am vom DFB verliehenen Preis würde an dieser Stelle zu weit gehen, dass der DFB (remember: Kein Fußball) mit Sicherheit nicht konsequent antifaschistisch ist, dürfte jedoch mittlerweile allen klar sein. Daran ändert dieser Preis auch nichts. Es liegt mir logischerweise fern, irgendwie Position zu beziehen ob die Preisverleihung an die Schickeria ‚verdient‘ ist oder nicht. Viel mehr geht es mir darum zu erinnern, dass die Schickeria zwar SoMetimes antifascist ist und ein Engagement gegen Antisemitismus & Rassismus an den Tag legt, auf der anderen Seite aber always white sausage ist und dies durch andere Aktionen immer wieder unter Beweis stellt.

Dankbar bin ich der Schickeria München für ihr Engagement um das Andenken an Kurt Landauer, dass Anfang des Jahres für eine Choreographie gesorgt hat die man als mehr als nur rund um gelungen bezeichnen muss. Ebenso das jährlich stattfindende Kurt-Landauer-Turnier oder Spruchbänder wie am 23.11.2013 nach dem 3:0 Sieg in Dortmund tragen ihren Teil dazu bei. Doch bei Kurt-Landauer-Turnier fängt es schon an: Warum nennt man ein Turnier, dass zum Gedenken eines von den Nationalsozialisten verfolgten Juden stattfindet, antirassistisch? Als ob es Rassismus wäre, der Kurt Landauer zur Flucht aus Deutschland zwang? Warum spricht die Schickeria in Interviews oder sonstigen Aussagen so selten über Antisemitismus, wenn es um Kurt Landauer geht? Etwa weil sich einige verhasste Menschen aus der Kurve des SV Werder die Arbeit gegen Antisemitismus auf die Fahne geschrieben haben und man lieber eine Ultra-Mackeria ist als konsequent antifaschistisch?

Denn Werder ist der Schickeria & andere aus dem Umfeld der Südkurve ein rotes Tuch. Gegen Werder werden, wie beim Rückspiel der letzten Saison in München (5:2 aus Sicht der Bayern), in der eigenen Kurve Transparente wie ‚Fußball, Ficken, Bremer*innen jagen – IB Prolls‘ (von Inferno Baveria) nicht nur geduldet. Nein beim Hinspiel (7:0 aus Sicht der Bayern) zeigt die Schickeria das dieses Transpi wohl das Motto für einige aus der Südkurve sein mag. Abgesehen von der Sinnlosigkeit von Drohgebärden & Gewalt, lässt einen doch vor allem die Kombination aus gendern, für das Inferno Bavaria nicht gerade bekannt ist und der Selbstbetitelung als Prolls eine Ablehnung dem Engagement gegen Sexismus in der Kurve des SV Werder. Eine Gruppe die, anders als die Schickeria, wirklich konsequent gegen jede Diskriminierung einstehen möchte, sollte dies innerhalb der Kurve auch konsequent tun und sich zumindestens von Transparenten wie diesem distanzieren. Aber nicht nur das die Schickeria andere Aktionen duldet, sie selbst zeigen das die Regenbogenfahne in der Südkurve zwar erfreulich ist, aber eben noch lange nicht heißt das man sich konsequent gegen Homophobie positioniert. Gegen den HSV in der Hinrunde der Saison 2013/2014 hielt die Schickeria folgendes Spruchband hoch: ‚Laziali Liberi – CHWDP‘. Nicht nur das man sich mit fragwürdigen Lazio Ultras solidarisiert, nein mit CHWDP bedient man sich gleichzeitig der in Polen gebräuchlichen und homophoben Variante des ohne hin schon fragwürdigen ACABs. CHDWP heißt in etwa so viel wie „schiebt den Bullen den Schwanz in den Arsch“.

Eine homophobe, vor Mackertrum strotzende und Herabwürdigung von Engagement gegen Sexismus tolierende Ultragruppe mag zwar durch aus SoMetimes antifascist sein – das nehme ich immer wieder erfreu zur Kenntnis – solange sie aber always white sausage bleibt schaue ich mir die Spiele meines geliebten FC Bayern lieber im Fernsehen an.


3 Antworten auf „SoMetimes antifascist – always white sausage.“


  1. 1 fabrizio fattori 08. September 2014 um 23:35 Uhr

    Sehr gelungen, wie man in deinem text die, bei einem großteil der bremer ultra‘-szene vorherrschenden, komplexe gegenüber der münchner südkurve förmlich heraus lesen kann.
    Da schmeckt mir meine “ white sausage“ ja gleich um einiges besser.
    Und falls du doch mal deine meinung ändern und dich dazu überwinden solltest die sky-live-übertragung auszuschalten, könntest du ja mal z.B. bei den bremer ultra‘-gruppen nachfragen wie’s denn so ausschaut mit nazi-hools und sexistischer-kackscheiße in der eigenen kurve und ob man die auch schon alle aus der kurve geboxt(oder alternativ durch wütende twitter-posts ins jenseits argumentiert) hat. Aber solange man von seiner couch aus, mittels blog-einträgen, die weste weiß waschen kann, ist ja alles in butter…

  2. 2 Chucky 09. September 2014 um 1:11 Uhr

    Noch ein paar Ge­dan­ken zu mei­ner Po­le­mik über die Schi­cke­ria.

    Ers­tens: Na­tür­lich ist mir be­wusst und ich habe das durch die be­wuss­te Zwei­tei­lung des Tex­tes (So­Me­ti­mes an­ti­fa­scist & al­ways white sau­sa­ge) auch ver­sucht deut­lich zu ma­chen, dass es Ul­tras wie der Schi­cke­ria zu ver­dan­ken ist: das u.a. Af­fen­lau­te bei Ball­kon­tak­ten von far­bi­gen Spie­lern, kras­se und di­rekt als sol­che zu er­ken­nen­den an­ti­se­mi­ti­sche Sprech­chö­re & offen ge­zeig­te Na­zi­sym­bo­lik nicht mehr All­tag in jedem Sta­di­on sind. Es ist also rich­tig, wenn @S­tef­Hau­ser sagt: ‚Hät­ten sich die Bay­er­fans, u.a. die Schi­cke­ria, Ende 90er / An­fang 2000er wie @Gold­stein­Chu­cky lie­ber da­heim aufs Sofa ge­setzt, wäre die Süd­kur­ve heute noch von Nazis durch­setzt und würde ju­den­feind­li­che Lie­der sin­gen.‘ Schließ­lich wurde ‚jeder Fort­schritt (..) immer er­kämpft.‘ (Wie­busch) Doch für mich ist das nicht genug. Es ging mir nicht darum, mich über die Fan­kur­ve zu stel­len oder ihr En­ga­ge­ment her­ab­zu­wür­di­gen son­dern das was in ihr pas­siert zu kri­ti­sie­ren. Ich er­war­te nicht im Sta­di­on nur mit po­li­tisch gleich­ge­sinn­ten zu sein, zu­min­dest aber er­war­te ich einen Kon­sens in der jede Form von Dis­kri­mi­nie­rung oder die Her­ab­wür­di­gung von En­ga­ge­ment gegen Dis­kri­mi­nie­rung nicht ge­dul­det wird. Hin­ter der Po­le­mik steckt eine Kri­tik deren Ziel es ist, auf Miss­stän­de auf­merk­sam zu ma­chen und den ers­ten Schritt zu tun es etwas bes­ser wird, nicht – wie von man­chen be­haup­tet – darum das En­ga­ge­ment der Schi­cke­ria her­un­ter zu reden.

    Zwei­tens: Ja, mit dem letz­ten Ab­schnitt und vor allem der Aus­sa­ge ’so­lan­ge sie aber al­ways white sau­sa­ge bleibt schaue ich mir die Spie­le mei­nes ge­lieb­ten FC Bay­ern lie­ber im Fern­se­hen an‘ bin ich wohl ein biss­chen über das Ziel hin­aus­ge­schos­sen. Für die Kri­tik an der Schi­cke­ria ist es nicht re­le­vant ob ich ins Sta­di­on gehe oder nicht, doch die an­ge­stau­te Frus­tra­ti­on über die Fan­sze­ne des Ver­eins den ich liebe woll­te ein­fach raus. Der Sache war dies al­ler­dings wahr­schein­lich nicht un­be­dingt dien­lich. Außerdem verweigere ich mich auch keinen Stadionbesuchen, sondern bevorzuge auf Grund der Recht hohen Frustration auf Grund dem diskriminierenden oder mackerigen Verhalten einiger der Fans, das Spiel im TV zu schauen. Auf dem Sofa sitze ich im übrigen nur dann, wenn der FC Bayern deutlich führt, ansonsten laufe ich in der Regel nervös auf und ab.

    Drit­tens: Na­tür­lich ist es an­ders­wo – auch in der von mir er­wähn­ten Kurve des SV Wer­der Bre­men – nicht un­be­dingt bes­ser oder gar per­fekt. Ich bin al­ler­dings Fan des FC Bay­ern und be­schäf­ti­ge mich des­halb vor allem mit dem FC Bay­ern und sei­ner Fan­kur­ve.

    Siehe: http://goldglitzer.blogsport.de/2014/09/09/erlaeuterung-einer-polemik/

  1. 1 Retrofilter, Licht und Schatten | vert et blanc Pingback am 08. September 2014 um 17:14 Uhr

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