Als Kritik getarntes Ressentiment

‚Tradition schlägt Kommerz‘ schrieb der Tagesspiegel und auch anderswo war man sich einig: das war heute ein Sieg der echten Fankultur über die falsche. Richtige Fankultur heißt in diesem Fall einen Müllsack anziehen und T-Shirts mit dem Aufdruck ‚Rattenball Leipzig‘ (vorne) & ‚Schädlingsbekämpfer‘ (hinten). Es ist bezeichnend für die Debatte um RBL, dass auf die Shirts keine Welle von entsetzten Kommentaren folgte, die Union-Fans aus dessen Reihen diese Shirts nach wie vor als äußerst positiv und teilweise sogar ‚links‘ & ‚progressiv‘ wahrgenommen werden und die Formulierung ‚Rattenball‘ einfach ohne kritische Hinterfragung weiterverwendet wird egal ob dadurch antisemitische Stereotype verwendet werden oder nicht.

‚Also glaube mir, ich habe mit ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus nichts am Hut! ich hab da einfach eine im Fußball gängige Beziechnung übernommen, die die verwenden, die RB nicht mögen.‘Diego Wegner

Warum ist das Motiv so problematisch? Statt die Kommerzialisierung im Fußball allgemein zu kritisieren – selbst Union verkauft die Brust des Trikots an KFZTeile24.com – und das systemimmanente Problem im System zu suchen werden einzelne Personen nicht nur zu Schuldigen (-> personalisierte Kapitalismuskritik) sondern hier auch noch zu Schädlingen beziehungsweise Ratten erklärt, zu deren Bekämpfung die Förster*innen die hinter diesem T-Shirt stecken sehr gerne beitragen möchten. Die antisemitischen Stereotype die hier zu Gründe liegen könnten offensichtlicher nicht sein: RBL wird als falscher Fußballverein wahrgenommen deren Fans & Offizielle (‚Schädlinge‘) ‚bekämpft‘ werden müssen. Nicht nur das bei kommerzialisierten Fußballvereinen (und das sind alle Vereine die in den Profiligen spielen) zwischen guten & bösen unterschieden wird, also ein ähnliche als Kritik getarnte, ressentimentbeladene Trennung stattfindet, wie von den Nationalsozialist*innen wenn sie von ’schaffenden und raffendem Kapital‘ reden. Nein, die ‚Schädlinge‘ sollen auch als solche bekämpft werden & eben nicht das all umfassende kapitalistische System das die alleinige Ursache für die Kommerzialisierung des Fußballs darstellt. Der Schritt die Schuldigen als Juden zu bezeichnen ist dann kein großer mehr und gar nicht erst notwendig um durch die Verwendung des Begriffes ‚Rattenball‘ oder das tragen dieses Shirts einen Beitrag zum allgegenwärtigen Antisemitismus zu leisten. Egal ob bewusst oder unbewusst.

Weiteres zum Thema: Fußballjargon der Eigentlichkeit


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