Archiv für Januar 2015

Mein Opa.

Mein Opa war Wehrmachtssoldat. Gut, damit unterscheide ich mich nicht großartig von den meisten in Deutschland geborenen Menschen ohne familiären Migrationshintergrund. Ich bin Teil des Tätervolkes, bin hier groß geworden und habe als priviligiertes Kind aus der Mittelschicht auch kräftig davon profitiert (siehe ausbleibende Reperationszahlungen an Griechenland und die Konsequenzen für Griechenland). Das ich auf Grund meiner jüdischen Identität Opfer von Antisemitismus bin ändert in meinem Fall ebenso wenig daran, wie bei deutschen Konvertiten. Oder bei Antideutschen mit starkem Hang zum Philosemitismus, die sich durch „Betroffenheit“ in ein tatsächliches betroffen sein hinein imaginieren.

Kritischer Umgang mit der Geschichte, heißt auch kritischer Umgang mit der eigenen Familiengeschichte und kritischer Umgang mit der eigene Rolle innerhalb der Täternation. „Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nie wieder sei“ heißt eben nicht nur, sich solidarisch mit den Opfern von Antisemitismus und dem Staat Israel als dessen Schutzraum zu erklären, sondern auch eigene faschistoide Denkmuster zu reflektieren, anzuerkennen das die eigene Familie auch einen Beitrag zum größten Verbrechen der Menschheit geleistet hat und permanentes Hinterfragen ob man zur damaligen Zeit vielleicht weder konvertiert wäre noch einen Hang zum Philosemitismus ausgeprägt hätte. Oder in meinem Fall: ob man die eigene jüdische Identität nicht versucht hätte unter den Tisch fallen zu lassen – was mit ein bisschen Glück in meinem Fall sicherlich möglich gewesen wäre – und mehr dem Vorbild des Wehrmacht Opas zu folgen.

XOXO,
Chucky

Mitschrift ‚Pop ist politisch‘ #1

Politik und Musik sind seit spätestens seit dem Beginn des letzten Jahrhunderts untrennbar miteinander verbunden. Von den Arbeiter*innenliedern der Kommunist*innen, über die dankbare Annahme von Wagners deutschnationaler Epen durch die Nationalsozialist*innen, über die musikalischen Versuche gegen den Vietnam zu Agitieren, über den Soundtrack Ton Steine Scherben für die Hausbesetzer*innen-Szene, über den spanischen Beitrag beim Eurovision Songcontest ´82 in England der sich durch Tangorhythmen während des Falklandkrieges mit Argentinien solidarisierte, über die von Afrika Bambata ausgerufene Zulu Nation, über die Ärzte die 1993 die Plattform die ihnen ihr langerwartetes Comeback geben würde für „Schrei nach Liebe“ nutzten, über Tony Blair der in den 90ern unter dem Label „Cool Britannia“ versuchte die Popularität bekannter Brit Pop Bands zu nutzen, über die Repolitisierung der amerikanischen Popmusik durch George W. Bush, bis hin zum heutigen Zeckenrap und trauriger Versuche der CDU respektive Junge Union Anschluss an die ‚entpolitisierte Jugend‘ zu finden. Besonders erheiternde Beispiele hierfür liefert der ‚Babo‘ Fabian Giersdorf, der auf dem Rücken von Haftbefehl ein paar Wähler*innenstimmen gewinnen will und auch die Junge Union München zum OB-Wahlkampf 2014.

Hier die ganze Mitschrift des ersten ‚Pop ist politisch‘ Vortrages.

(Techno)² USA Snippet.

Hier ist sie nun: die erste Ansammlung von PRSLM-Liedern seitdem aus dem Nacht & Nebel Projekt Perousalem Diary das Technorapduo PRSLM wurde und es ist alles dabei, was das Herz begehrt: ein Intro, zwei überarbeitete Perousalem Diary Stücke aus den Anfangstagen, ein verkifftes Stück Musik aus den ersten Tagen des Duos, zwei komplett neue Tracks und ein Outro. Dabei wird weder an fetten Beats noch an deepen Lyrics gespart. Am 13|02 wird dieses Kunstwerk mit seiner Gesamtspielzeit von 19:45 ins Netz geknallt.

Ankündigung: Pop ist politisch.

Jeden zweiten Montag im Monat um 19 Uhr im JUP, Florastr. 84, 13187 Pankow.

Wenn Bands wie Frei.Wild kritisiert werden, dann ist eines immer zu hören: der Ruf, dass diese Musik unpolitisch sei. Aber ist sie das wirklich? Kann Musik überhaupt gänzlich unpolitisch sein, oder steckt nicht in jedem Popsong ein bisschen Politik?

Nach Ende des zweiten Weltkrieges kam Popkultur im Allgemeinen und Popmusik im Besonderen durch tatkräftige Unterstützung amerikanischer und britischer Soldaten nach Deutschland & als die 68er Generation gegen ihre Eltern rebellierte, waren Pop & Politik in dieser Rebellion nicht mehr zu trennen. Im krassen Widerspruch befanden sich die nationalsozialistische Erziehung der Elterngeneration und der Individualismus des Pop. Wenn Pop auch auf Grund seines ’schielen nach Konsums‘ (Adorno) den Rahmen des Kapitalismus niemals verlassen konnte, so bekamen sowohl west- als auch osteuropäische Staaten Angst vor den subversiven Elementen im Pop.

Wenn wir Musik hören, dann entsteht bei Musik die uns gefällt ohne genauer darüber nachzudenken oftmals eine Empathie zur*zum Interpret*in. Einige Musikstücke bauen genau auf dieser Empathie auf und transportieren so politische Botschaften – unabhängig ob bewusst politisch oder unbewusst politisch – ohne das diese sofort als solche wahrgenommen werden. So steckt in so manchen Straßenraptexten mehr Kritik am bestehenden System, als in mit Parolen beladene Punkrocksongs. Diese Kritik äußert sich allerdings auf einer ganz anderen Ebene. In wiederum anderen Tracks entwickeln sich artikuliertes Halbwissen und Ressentiments in Kombination mit der entsprechenden Musik, ohne das es die*der Künstler*in will, eine gefährliche Stimmung.

Pop spiegelt in Deutschland seit gut 60 Jahren den Geist der jüngeren Generationen wieder. Ziel einer kritischen Analyse ist es diesen Geist zu erkennen, zu benennen und zu kritisieren. An Hand von Hörbeispielen soll erklärt werden auf welchen Ebenen politische Botschaften im Pop funktionieren, welchen Einfluss Pop auf das politische Geschehen in Deutschland hatte und wieso der Popsong auf Platz 1 der Jahrescharts so viel über das vergangene Jahr aussagt.

Auf dieser Website werden alle Ankündigungen, sowie anschließend die Audiomitschnitte & Skripte aller Veranstaltungen der Veranstaltungsreihe veröffentlicht: http://popistpolitisch.com/

Los gehts am 12.1. mit einer Einführung in die politischen Dimensionen der (Pop)musik:
An Hand von Hörbeispielen soll in die kritische Analyse der Popmusik eingeführt, sowie erklärt werden auf welchen Ebenen die bewussten politischen Botschaften funktionieren, wie nationalsozialistische Musiker*innen versuchen diese für ihre zu missbrauchen und wie Grauzonen-Musiker*innen unbewusst im gefährlichen Fahrwasser dieser Musiker*innen schwimmen.

Also nehmen sie den Sonderzug nach Pankow.