Archiv für Februar 2015

Alija

Das die gegenwärtige Situation in Europa für Jüdinnen und Juden alles andere als optimal ist, dürfte den meisten Menschen – die über aktuelle Nachrichten informiert sind – bekannt sein. Wer sich über die Geschichte des Staates Israel informiert hat, dem dürfte auch bekannt sein, dass die Idee des Staates eben jene ist, dass Jüdinnen und Juden einen Schutzraum vor Antisemitismus haben. Jeder Jude, jede Jüdin kann jeder Zeit israelische*r Staatsbürger*in werden. Immer wieder gibt es in Israel Einwanderungswellen von Jüdinnen und Juden die Alija machen, also ‚zurück‘ ins heilige Land gehen. Zwischen 1948 und 1951 kamen etwa 690.000 Einwanderer aus Ägypten, Irak, Jemen, Polen und Rumänien, zwischen 1955 und 1957 kamen etwa 100.000 Einwanderer aus Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen und zwischen 1969 und 1975 kamen etwa 100.000 Einwanderer aus der UdSSR.

Aktuell überlegen auch viele europäische Juden und Jüdinnen nach Israel aus zu wandern, denn bei allen Problemen die es im kapitalistischen israelischen Staat ebenso wie in einem kapitalistischen europäischen Staat geben mag, der Antisemitismus ist keines davon. Oder zumindest keines von denen, um die sich der Staat nicht kümmert. Denn der jüdische Staat ist mit der Erkenntnis entstanden, dass niemand für die Sicherheit von Jüdinnen und Juden garantieren kann und will. Keine Franzosen, keine Deutschen und auch sonst niemand. Vor Antisemitismus können sich Juden nur selbst beschützen oder eben die Armee des jüdischen Staates.

Merkel forderte jüngst die deutschen Juden auf zu bleiben, dann es wäre in Zeiten von ’schwarz-rot-geilen‘ Jubelarien, neuem Nationalstolz und Traum von Olympia eine herbe Niederlange sich eingestehen zu müssen, dass auch heute noch – 70 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager – Juden und Jüdinnen in Deutschland Angst haben müssen. Die Fassade des Nachkriegdeutschlands beginnt zu bröckeln. Doch was für Konsequenzen hat das jetzt? Passiert tatsächlich mehr gegen Antisemitismus in der BRD, als bloße Lippenbekenntnisse?

Juden sind knorke

Liebe Huffingtonpost,
eigentlich bist du mir ja egal aber wenn du was über Antisemitismus und Juden schreibst, dann schaue ich da aus Gewohnheit einmal genauer hin. Du sagst ‚Antisemitismus ist dumm‘ und du hast damit vielleicht gar nicht so unrecht, den ohne Rücksicht auf Argumente und auf den ersten Blick völlig unlogisch existiert er schon viel zu lange. Nur sind die Antisemit*innen oftmals nicht dumm, sondern viel mehr befinden sie sich in einer Art Wahn. Sie sind einer Art Alltagsreligion verfallen, die es ihnen ermöglicht die Komplexität der Welt auf eine simple Formel herunter zu brechen: die Juden sind an allem schuld.

Es ist sicherlich gut gemeint, wenn du versuchst argumentativ dem Antisemitismus bei zu kommen, aber glaube einem der das schon oft vergeblich versucht hat: es bringt nichts. Aber selbst wenn du weißt, dass es nichts bringt und es trotzdem immer wieder versuchst (ich verbringe auch viel Zeit in Facebookkommentarspalten) ist das nicht zu kritisieren, sondern im Gegenteil eher zu loben. Aber was du getan hast, dafür kann ich keine positiven Worte finden: die Leistungsgesellschaft scheint dir so sehr in Mark und Knochen übergangen zu sein, dass deine Argumentation gegen den Wahn eine menschenverachtende Argumentation geworden ist. Du listest ’10 Dinge, die wir Juden zu verdanken haben‘ auf und versucht den Antisemitismus zu kritisieren in dem du sagst, dass ‚wir‘ Juden etwas verdanken.

Zunächst einmal hat die Tatsache das Scarlett Johanson das ’sexiest woman alive‘ ist so gut wie nichts mit ihrer jüdischen Identität zu tun. Wenn du ernsthaft der Ansicht bist, dann haben wir hier eine Eben von Biologismus erreicht die ich niemals gut heißen kann und will. Weitergehend ist es für eine Kritik am Antisemitismus völlig sekundär, ob Juden und Jüdinnen irgendwas gemacht haben (das ist es im übrigen auch für die Antisemit*innen). Es reicht schlicht fest zu stellen: Juden sind Menschen, die auf Grund von Antisemitismus diskriminiert und all zu oft sogar ermordet werden. Das ist scheiße, weil sie Menschen sind. Das ist der einzige Grund, warum das scheiße ist. Und man muss deshalb etwas gegen Antisemitismus unternehmen, weil darunter Menschen leiden. Nochmal: Menschen.

Deswegen müssen wir (also diejenigen denen es ein Anliegen ist, dass kein Mensch unterdrückt wird) den Antisemitismus analysieren und bekämpfen, deswegen schreibe ich auf diesem Blog beispielsweise Texte wie diesen. Also wenn ihr wirklich was gegen Antisemitismus unternehmen wollt, dann informiert über seine Beschaffenheit. Schreibt Texte darüber wie und wo er auftritt, darüber was die Konsequenzen waren und sind, darüber wie man durch Aufklärung vielleicht doch irgendwie diesen Wahn austreiben kann oder es zumindest versucht. Aber sagt bitte nicht: Antisemitismus ist doof, weil Juden eigentlich ganz knorke sind.

XOXO,
Chucky

PRSLM – Demotape

Die Technorapformation dessen vokalisierender Teil ich bin hat zum ersten Mal ein paar Tracks veröffentlicht. Das Endprodukt eines Prozesses der im Sommer 2011 als Perousalem Diary begann und über Electropunk, schlechtem Hip Hop, einem Onetakefreestyle Tape in der Technorapformation PRSLM mündete hat alte Perousalem Diary Tracks überarbeitet, die merkwürdigen Perousalem Zeiten hinter sich gelassen, ein bisschen rumexperimentiert und am 13ten Februar Musik mit einer Gesamtspielzeit von 19:45 in die großen Weiten des Netzes geladen.

Track 1 – Intro: Musik von PRSLM, überarbeiteter Perousalem Diary Track, Vocals von PRSLM & Hardchor (Fancy Fränzi, DJ Babyface, Patze & MC Halbzeitbier), Text geklaut bei Supershirt, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Track 2 – Dschungel: Musik von PRSLM, überarbeiteter Perousalem Diary Track, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Juni 2014.

Track 3 – Pillen gegen alles: Musik von PRSLM, überarbeiteter Perousalem Diary Track, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Track 4 – Løhnarbeit: Musik von PRSLM, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Track 5 – K_ein Blick zurück: Musik von PRSLM, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Track 6 – Fetzen einer Existenz: Musik von PRSLM, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Treffen 7 – Outro: Musik von PRSLM.

Soetwas ähnliches wie ein Pressetext, weil unser Booker meinte das wir das brauchen:
PRSLM – der schönste Wikinger und ein hyperaktiver Sprechgesangsartist.

Es war einmal ein hyperaktiver Sprechgesangsartist, der von musikalischem Projekt zu musikalischem Projekt tanzte. Er nahm dieses und jenes Instrument in die Hand und versuchte auf diese oder jene Art und Weiße seine Gedanken im Takt der Musik in Worte zu passen. Eines Tages gab man diesem hyperaktiven Sprechgesangsartisten und seinen damaligen Mitstreitern die Möglichkeit, auf einer Bühne aufzutreten. Doch seine Mitstreiter wollten am Abend vor dem Auftritt nun doch nicht mehr auf diese Bühne und erklärten ihm er müsse das schon alleine machen. Der hyperaktive Sprechgesangsartist blieb die ganze Nacht wach und schusterte aus all seinen wirren Gedanken in seinem Zimmerchen ein paar Ravepunk Tracks zusammen und brachte damit das Publikum zum Tanzen. Perousalem Diary war geboren und er machte fleißig weiter, veröffentlichte ein paar Lieder im Internet und suchte sich neue Mitstreiter, doch diese gingen ebenso schnell wie sie gekommen waren. Er strich das Diary und begann sich auf seine musikalischen Wurzeln zu besinnen: Hip Hop. Er veröffentlichte eine CD auf der er sich einen Featuregast einlud. Einen wunderschönen Wikinger der einst am Keyboard einer Metalband dieselbe Bühne bespielt hatte wie er. Zusammen waren sie Schwul&Bekifft und beschlossen bald mehr gemeinsam zu machen, doch der Sprechgesangsartist musste erst ausziehen in die große Hauptstadt und alleine ein Mixtape aufnehmen ehe er den Namen Perousalem endgültig begraben konnte und gemeinsam mit dem schönsten Wikinger als Technorapformation PRSLM, die Ravepunk-Ästhetik von Perousalem Diary & die Hip Hop-Attitüde von Perousalem zu vereinen. Zur Umsetzung dieses Vorhabens steht auf der Bühne noch ein gewisser Kiba hinter den Decks.

Kurz gesagt: PRSLM (sprich: Perousalem) ist das Ergebnis eines mit der Trennung der Electropunkformation GoldKitty entstandenen Prozess, der von 2011 bis 2013 diverse musikalische Versuche und menschlische Konstelationen unter dem Namen ‚Perousalem Diary‘ bzw. ‚Perousalem‘ hervorbrachte.

Kürzer gesagt: PRSLM sind ein MC, ein Beatproducer, ein Live-DJ und die daraus resultierende Musik. PUNKT.

Am kürzesten gesagt: PRSLM | Technorap.

Bookinganfragen bitte an info@zweihorn-booking.de