#hdGDL

Dokumentation eines Flugblattes zur heutigen Solikundgebung mit der GDL:

„Liebe Fahrgäste, In diesen Tagen werden sie auf Ihrem Weg zur Arbeit etwas länger brauchen als sonst. Die Bahnen werden überfüllt sein, die Gäste noch unangenehmer riechen und die Umgangsformen noch ruppiger sein, als sie es im öffentlichen Nahverkehr und anderswo ohnehin schon sind.

Der Grund dafür ist die Weigerung der Deutschen Bahn AG, den Forderungen der „Lokführergewerkschaft“ GDL entgegenzukommen. So gibt es seitens des Bahnvorstands, der sich übrigens kürzlich Bonuszahlungen in Höhe von 7,28 Millionen Euro gönnte, keinerlei Zugeständnisse hinsichtlich einer geforderten Arbeitszeitsenkung um eine Stunde, einer Begrenzung der Überstunden sowie einer anderswo recht üblichen Beteiligung an den Gewinnen des Unternehmens.

Die Streikenden sind derweil von allen Seiten mit Angriffen konfrontiert: Sozialdemokraten, der deutsche Presse-Mainstream sowie der gemeine deutsche Normalbürger scheuen sich nicht, die von den Lokführern gestellten Forderung nach besseren Lebensbedingungen zu delegitimieren und zeitgleich eine Einschränkung des Streikrechts durch Tarifeinheit zu fordern.So verlangt der Schüler Florian Orth in einer Online-Petition mit fast 6000 Unterschriften ein “sofortiges Ende” der Streiks, weil er dadurch den Schulunterricht verpasse, Sigmar Gabriel (SPD) kann die Streiks allgemein “kaum nachvollziehen”, Michael Fuchs (CDU) sieht den “Wirtschaftsstandort Deutschland” in Gefahr, während sein Kollege Alexander Dobrindt (CSU) nur “unerträgliche Machtspiele” eines “einzelnen Gewerkschafters” (Anm.: gemeint ist der GDL Bundesvorsitzende Claus Weselsky) erkennt.

Tatsächlich geht es um Macht, allerdings nicht um Spiele oder Alleingänge, sondern um die Arbeitsniederlegung als letztes Mittel und Instrument einer vermeintlichen Gegenmacht. Die Streikenden der GDL nehmen das letzte ihnen zur Verfügung stehende Mittel wahr, um ihren bis heute unerhörten Forderungen nach freien Wochenenden, der Verkürzung derArbeitszeit um eine Stunde, einer Begrenzung der Überstunden sowie einer Lohnerhöhung um 5% Nachdruck zu verleihen.Immer wieder wird ihnen vorgeworfen, das “Gemeinwohl” der deutschen Gesellschaft und den hiesigen Wirtschaftsstandort zu gefährden. Es gelte, so der Tenor, zugunsten der deutschen Wirtschaft auf partikulare Interessen, also die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen, zu verzichten und “Gemeinnutz vor Eigennutz” zu stellen.

Wirkliches Allgemeinteresse wäre in Wahrheit allerdings nicht die von allen Seiten geforderte Niederlegung des Streiks, sondern der Umsturz herrschender Verhältnisse, in denen nicht nur der Lokführer ein geknechtetes Wesen ist. Da dieser allerdings angesichts des momentanen Stands der Dinge – wenn überhaupt – in ferner Zukunft liegt, muss unsere Solidarität all jenen gelten, die sich im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten für etwas bessere Lebensbedingungen im falschen Ganzen einsetzen.“Die moderne Geschichte kann nur durch die Kräfte, die sie verdrängt – die Arbeiter ohne Macht über die Bedingungen, den Sinn und das Produkt ihrer Tätigkeit – befreit und ihre unzähligen Errungenschaften frei benutzt werden.”

Aus diesen und vielen anderen Gründen erklären wir uns mit den streikenden Lokführern der GDL solidarisch und verurteilen jeden Aufruf zur Niederlegung des Streiks und Rückkehr in den kapitalistischen Normalvollzug – bis sämtliche Forderungen der Lokführer erfüllt sind!
Alle Ringbahnen stehen still, wenn ein starker Arm es will!
Solidarität mit den Streikenden!
Für das Allgemeininteresse!
Kommunismus!

Mit besten Grüßen,
Einige Arbeitslose, Lohnarbeiter und Studenten aus Berlin im Mai 2015.“


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