Archiv für Juni 2015

Reich & Schön

A B G E S A G T!

Der Autor ist zwar leider nicht reicht, aber für schön hält er sich zumindest und aus diesem Grund ist es nur konsequent wen das REICH UND SCHÖN Festival ihm am Samstag die Möglichkeit einräumt dem Publikum um 16 Uhr erst seine popkulturelle Theorie und später gegen 18:45 Uhr auch – als vokalisierender Part der Technorapformation PRSLM – noch seine popkulturelle Praxis näher zu bringen.

Zur Theorie:
Auch wenn es die Fans von Bands wie Frei.Wild oder den böhsen onkelz nicht wahrhaben wollen, so sind sie nicht nur Anhänger von Rotzrockbands mit fragwürdigen Einstellungen, sondern glauben an die Möglichkeiten des Unmöglichen. Popmusik kann nämlich niemals unpolitisch sein, so sehr es auch von den Interpret*innen gewünscht wird, sie werden scheitern. Ein Mensch kann sich niemals völlig frei von seiner Umgebung, Sozialisation und politischen bzw. ökonomischen Situation artikulieren. Noch viel weniger kann er der Totalität des gegenwärtigen Systems entfliehen. So steckt in jedem Musikstück zwangsläufig eine politische Aussage, die vielleicht gar nicht beabsichtigt ist.

Wenn Cro die ökonomischen Problem im Kapitalismus mit sexistischen Feelgood Raop und ‚mach dir nie mehr Sorgen‘ beantwortet und damit auf Platz 1 der Charts landet, dann sagt das sehr viel über das Verhältnis der gegenwärtigen Generation zum kapitalistischen System in dem wir uns befinden. Wenn Haftbefehl über eine „Sommernacht in Offenbach“ berichtet, dann berichtet er auch über eine Welt voller rassistischer Normalität und Verbrechen. Wenn allerdings Musik zur Verpackung einer politischen Aussage wird, dann ist die Grenze zwischen Kunst und Propaganda verschwommen oder gänzlich überschritten. Das ästhetische der Kunst gerät in den Hintergrund und die Politik gerät in den Vordergrund und das Ganze klingt dann wie Holger Burner.
Während des Vietnamkrieg begann die erste Welle der popkulturellen Globalisierung, die Gott sei Dank auch vor Deutschland nicht halt machte. Der popkulturelle Reeducationprozess begann allerdings schon früher, durch die in Deutschland stationierten alliierten Soldat*innen. Doch seinen vorläufigen Höhepunkt fand dieser Prozess definitiv in der ersten Welle der popkulturellen Globalisierung, dessen unmittelbare Konsequenz auch ein von Popkultur geprägtes Aufbegehren der Studierenden zur Folge hatte. Das radikale Versprechen der Popmusik war und ist bis heute die Rebellion und das Aufbegehren, gegen die Elterngeneration. Gerade damit war Pop besonders provokant gegenüber der veralteten, von Autoritäten geprägten und immer noch von Nazi- & Kaiserreichstrukturen bestimmten Gesellschaft der beiden deutschen Staaten.

Pop spiegelt in Deutschland seit gut 60 Jahren den Geist der jüngeren Generationen wieder. Ziel einer kritischen Analyse ist es diesen Geist zu erkennen, zu benennen und zu kritisieren. An Hand von Hörbeispielen soll erklärt werden auf welchen Ebenen politische Botschaften im Pop funktionieren, welchen Einfluss Pop auf das politische Geschehen in Deutschland hatte und wieso der Popsong auf Platz 1 der Jahrescharts so viel über das vergangene Jahr aussagt.

Zur Praxis:
PRSLM (sprich: Perousalem) ist das Ergebnis eines mit der Trennung der Electropunkformation GoldKitty entstandenen Prozess, der von 2011 bis 2013 diverse musikalische Versuche und menschlische Konstelationen unter dem Namen ‚Perousalem Diary‘ bzw. ‚Perousalem‘ hervorbrachte. PRSLM sind ein MC, ein Beatproducer, ein Live-DJ und die daraus resultierende Musik. PUNKT.

Techno Techno USA | Demotape 2015:

Live Videos:

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