Sehen alle scheiße aus.

Ich hatte mir vorgenommen nichts über diesen Song zu schreiben, da das kritisierenswerte in ihm so immanent ist, dass es den Protagonist*innen aus dem obersten Knopflauch schaut. Ich meine: Kritik an angeblichen kolonial-Rassismus und seinen Supportern üben wollen, dann aber die Objekte der Kritik zu Tieren machen – also im Wortsinne zu Objekten? Zu Objekten bei denen sie keinerlei Unterscheidung mehr vor nehmen, die sie lediglich als Masse wahr nehmen?

Das bedeutet auch, dass es kein individuelles kolonisiertes Subjekt im direkt Sinne gibt, sondern nur ein kolonisiertes Kollektiv, also eine „ununterschiedene Masse“ auf die bestimmte Eigenschaften projiziert werden. Ihr Subjektstatus wird dadurch „quasi negiert und sie [werden] auf ihre Physiognomie reduziert“. […] Am Anfang steht, die mit dem europäischen Kolonialismus in direktem Zusammenhang stehende, Aufklärung. Versteht man diese im Sinne von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno dialektisch als „Entzauberung der Welt“ und somit „Ausrottung des Animismus“, so produziert sie genau jenen Widerspruch zwischen Natur und Zivilisation in dem die koloniale Ideologie ihren Anfang nimmt. […] Der „Zivilisierte“ steht dem entmenschlichten beziehungsweise vertierten Kolonisierten gegenüber, ein unversöhnlicher Manichäismus: „Gut und Böse, Schön und Häßlich, Weiß und Schwarz“, Zivilisation und Natur. Hier sind die Kolonisierten schlicht und ergreifend „nicht vernünftig“, sie sind „der Entwicklung der Menschheit nicht gefolgt“ und werden somit „durch und durch inferiorisier[t]“. […] Die Instinkte und die Triebe die im Widerspruch zur Zivilisation stehen, werden auf „das Konto eines bösen Geistes […] der Kultur“ geschrieben.“
- Aus „Das Fortleben der kolonialen Ideologie im Agenturensohn“, noch nicht veröffentlicht [1]

Damit bewegen sie sich auf einer Ebene, die ihre Kritik selbst kritikwürdig macht. Ihr Antikolonialismus (der im Falle von Israel einfach nur Antisemitismus ist) ist damit nicht mehr gegen den Kolonialismus als solchen, als gesamtes Ding samt seiner dahinter stehende Ideologie gerichtet. Viel mehr geht es nur noch darum, dass die Betroffenen die Falschen sind. Nämlich – ganz völkisch – die Brüder und Schwestern der Protagonist*innen. In ihrer autoritären Ideologie entmenschlichen sie (und stellen sie in unversöhnlichem Widerspruch gegenüber sich selbst) die Antideutschen und bedienen sich dabei eines sehr zentralen Elements der kolonialen Ideologie, anstatt diese erst einmal zu erfassen. Jede Kritik die auf diese Ebene abdriftet unterläuft den selben ideologischen Fehlern. Und dieser ideologische Fehler ist nur einer von zahlreichen, die sich in diesem Song finden lassen – aber wohl einer der am deutlichsten zeigt welch Geistes Kind ihre Kritik ist.

Soweit so furchtbar. Wäre Ideologiekritik ein Fach, dann hätte man diesen Song in der ersten Klasse interpretieren können und benennen können, worin die Probleme liegen. Eine leichte Übung für antideutsche Blogger, ich selbst war nur zu faul und hab nicht die Notwendigkeit gesehen überhaupt zu erklären wo das Problem liegt [2]. Doch dann kam Susanne Witt-Stahl, Antideutschenfresserin und unter anderem Autorin des von mir regelmäßig gelesenen Musikmagazins der Jungen Welt [3]. Normalerweise macht sie genau das Selbe wie Kaveh und reiht wahllos Namen, Zitate und Bezugspunkte aneinander und fantasiert sich einen Antideutschen/Neokonservativen Block herbei . Doch Neokonservative und andere Idioten interessieren sich sicherlich nicht für den Song, somit kommt sämtliche hier zitierte rassistische und auch sexistische [4] Kritik aus dem antideutschen Lager. Über den Rassismus innerhalb der Antideutschen Szene lässt sich sagen:

Diejenigen antideutschen Positionen, die tatsächlich antimuslimischen Rassismus begünstigen sind Ergebnis der unkritischen Verhaftung gegenwärtiger Linker Kritik in den Kategorien der bürgerlichen Aufklärungsphilosophie, die ebenfalls in der ‚antiimperialistischen‘ Theoriebildung zu beobachten ist. Dort bringt sie allerdings in den meisten Fällen keinen antimuslimischen Rassismus, sondern eine romantische Verklärung des ‚Volkes‘ sowie antisemitisches Ressentiment hervor.
- Kollektiv Sechel

Womit sich manche Antideutsche zumindest im Ansatz so verhalten, wie es Kaveh und Thawra behaupten – wenn sie auch nicht das tatsächlich problematische daran kritisieren und bei der Kritik selbst – wie dargelegt – in die kritikwürdige Muster verfallen. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Kritik leider viel zu oft Ressentiment ist und einige Antideutschen in gesunder/ideologiekritischer Begriff von Rassismus fehlt.

Vielleicht versuche ich das in den nächsten Tagen und Wochen durch Theorie zu ändern,
bis dahin verteile ich Ordnungsschellen an alle Rassisten.
Natürlich dialektisch.

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1 – Alle Zitate in dem zitierten Text stammen, sofern nicht anders gekennzeichnet, von Franz Fanon.
2 – Bei Sechel.it wird der Song beispielsweise sehr gut kritisiert.
3 – Wie um zu beweisen, dass die antiimperialistische Linke keine Ahnung von Kulturindustrie und Popkultur hat nennen sie es auch noch Melodie & Rythmus.
4 – Auf die ich nicht näher eingehen werde, da ich mich selbst gerade primär mit Rassismus beschäftige. Die Notwendigkeit einer kritischen Theorie des Geschlechts besteht aber ebenso, wie die von mir hier angestrebte kritische Theorie der Rasse.


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