Danke Rapkulturindustrie.

Oh du schöne Rapkulturindustrie,
vielen Dank das du uns regelmäßig aus Promozwecken mit unterhaltsamen aber auch nachdenklichen Ereignissen erfreust. Letzte Woche bediente sich Jan Böhmermann einer Azzlack-Ästhetik um sich als weißen Steuerzahler und seine Gang – die Polizei – abzufeiern. Die einen freuten sich das eine Kartoffel sich über Aykut lustig macht, die anderen freuten sich über Polizeikritik im öffentlich-rechtlichen, andere hielten Böhmermanns Aktion für total rassistisch und wieder andere sahen genau in dem offengelegten Rassismus seiner Kunstfigur die Ebene der Kritik.

Staiger fand keinen Gefallen an Böhmermann und schrieb: „Insofern triffst du, Jan Böhmermann, dann auch den Nagel auf den Kopf, wenn du beschreibst, wie du mit deinem deutschen Namen und deinem deutschen Pass die Polizei anrufst und die Gang an den Start bringst, auf die du dich im Zweifelsfall immer verlassen kannst. Ob sich Aykut oder der sudanesische Geflüchtete, der im Park Drogen verkaufen muss, damit er was zu fressen hat, auch auf sie verlassen kann, ist eher unwahrscheinlich.“

Mein Urteil bleibt weiterhin das Gleiche wie vor einer Woche: „Die Frage, ob er diese Kritik beabsichtigt hat oder er die Verhältnisse nur deshalb offen legt, weil er eine unfassbare Kartoffel ist, lässt sich an dieser Stelle natürlich nicht beantworten. Im Zweifelsfall ist er – als zwar passabler, aber dennoch deutscher Unterhalter – wahrscheinlich tatsächlich einfach nur eine unfassbare Kartoffel und er legt die Realität in dieser Form wirklich nur deshalb – quasi ausversehen – offen. Ein Blick in die Kommentarspalten des Videos oder aller größeren Medien, die über den Song berichten, legt dies nahe. Vielleicht aber – und das ist meine Hoffnung auf eine Überwindung des Gegenstands meiner Kritik – steckt darin tatsächlich eine Kritik an staatlichen rassistischen Verhältnissen und die Kritik kommt bei ihren Konsument*innen einfach nicht an. Vielleicht ist die Idee ja wirklich gut und die Welt nur noch nicht bereit.“

Fakt ist jedoch, dass Böhmermann es geschafft hat und genau das bekommen was er wollte: Klicks und Aufmerksamkeit und damit auch Geld.

Heute – fünf Tage später – gibt es auf einmal ein neues Haftbefehl-Video: CopKKKilla – ohne angekündigtes Album, ohne Single, einfach nur das Video. Und der Name sagt schon recht deutlich warum es geht: um rassistische Polizei und um das sich dagegen zu Wehr setzen.


Zu oft wurden wir unterdrückt
und vom Schäferhund gebissen
Schon als Jugendlicher schlugen sie in mein Gesicht
Handschellen häng‘ an unser‘n Handgelenken, Blutergüsse
Und sie prügeln auf uns ein mit dem Knüppel
Tritte in die Rippen, Pfefferspray 100 Milliliter
Vor den Augen von den Zivilisten mitten in der City

Womit definitiv der Gegenentwurf zum Polizistensohn geliefert wurde, wenn auch nach wie vor nicht klar ist ob Böhmermann nun einfach durch die pure Darstellung seines Kartoffelseins quasi die Verhältnisse aus Versehen offen legt oder eben das Kartoffelsein seiner Kunstfigur bewusst eben genau das getan hat oder ob einfach irgendjemand eine Idee hatte die ihren Effekt erfüllt hat. Böhmermann konnte sich der Aufmerksamkeit für seinen Song, eben so bewusst sein wie Hafti nun für seinen und die Rapkulturindustrie hat zwei neue Eisen ins Rennen geschickt.

Abseits ihres primären Ziels: Geld verdienen – bilden beide Songs die manächäischen Positionen im rassistischen Polizeistaat und zeigen recht deutlich, welchen Unterschied die Haut- und Haarfarbe macht. Und die Rapkulturindustrie hat eine Debatte ausgelöst, bei der man sich durch Konsum positionieren kann.

XOXO,
Chucky


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