Freezy & die neue Gemeinschaft

In einer Analyse die sich ausschließlich entlang einer kolonialen Dichotomie richtet, fällt Antisemitismus (oder Kurdenfeindlichkeit) häufig raus. In einem Antirassismus der vor allem aus dem Empowerment einer „Gegengemeinschaft“ besteht, wird Antisemitismus – gegen die zwischen der Gemeinschaft stehenden wie zum Beispiel Juden – oft sogar sehr reproduziert (damit meine ich die hier skizzierte Dreigliedrigkeit).

Innerhalb der Gegengemeinschaft fallen bei Aufrechterhaltung der kolonialen Dichotomie – die wie Fanon für Algerien analysiert oft auch durch eine nicht parallel verlaufende Klassendichotomie aufrecht erhalten wurde – die eigenen Widersprüche oft unter den Tisch. Klassenwidersprüche und in ihrer Folge innerer Rassismus oder auch Antisemitismus.

Exemplarisch dafür sind Eko Fresh & Serc mit ihrem Song Gänsehaut:

Der sicherlich gut gemeinte Versuch von Eko ein Statement gegen Kurdenfeindschaft zu setzen, arbeitet genau mit dieser Methode. Entlang der kolonialen Dichotomie baut er die Gemeinschaft der wie er sagt „Landsleute“ auf. Serc geht sogar noch weiter und spricht von „kostbare Menschen“, gemeinsam „als Osmanen kämpften“ (die Kurdenfeindlichkeit im türkisch geprägten osmanischen Reich völlig ignorierend). Die antisemitische Ideologie – die integraler Bestandteil der türkischen Staatsideologie ist und sich abwechselnd gegen Kurden, Armenier, Juden oder Griechen richtete – über die sich die nationale Gemeinschaft über Klassenwidersprüche hinweg konstituiert wird nicht begriffen und kann es auch nicht.

Das Konzept der Gemeinschaft zu wählen verstellt bereits die Analyse darauf, welche Konsequenzen das Konzept der Gemeinschaft impliziert (-> hier sei nochmal auf die Dreigliedrigkeit hingewiesen). Es ist folglich nur logisch, dass eine antisemitische (sich hier gegen Kurden richtende Ideologie) gar nicht begriffen werden kann und zur scheinbar reziproken Trennung „nach der Rasse aus dem alten Dorf“ wird. Quasi ein alte Eigenschaft die man als „im Exil auf[ge]wachsen[e]“, also als Gemeinschaft der „Immigranten, Auswanderer“ auch wieder ablegen kann. Diese neue Gemeinschaft positioniert sich an der Frontlinie der kolonialen Dichotomie und ist analytisch – ohne sich selbst zu delegitimieren- nicht in der Lage die eigenen Widersprüche zu erfassen. Die antisemitische oder auch kurdenfeindliche Ideologie wird ausgeblendet, Täter und Opfer werden zur einheitlichen gemeinschaftlichen Masse kurz gesagt zu einem Volk“, welches selbst allgemein sich in der Opferrolle wähnt, schließlich hat es „gelitten wie kein anderer“. Ähnliches lässt sich auch gut in Deutschland beobachten, in denen man bezüglich des zweiten Weltkriegs und der Shoah auch einfach allgemein von einem großen Leiden spricht.


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