.@distelfliege

Liebe @distelfliege,

Zum Antisemitismus gehört, dass die Betroffenen (meistens Juden) nichts tun können, ohne das die Antisemit*innen es ihnen vorwerfen. Es kommt dabei auch gar nicht mehr darauf an WAS getan wird sondern WER es tut. So sind dann zum Beispiel auch Vorwürfe gegen die IDF zu verstehen, in denen man den Soldat*innen vorwirft kaum palästinensischen Frauen zu vergewaltigen. Denn wer kaum oder keine Frauen vergewaltigt, der betrachtet sie auf Grund ihrer Herkunft nicht als gleichwertige Menschen. So zumindest die Logik, die hinter solche Sätzen steckt: „Das Fehlen organisierter Vergewaltigungen durch das Militär ist eine andere Art und Weise, politische Ziele zu verwirklichen. Im israelisch-palästinensischen Konflikt verstärkt dieses Ausbleiben von Vergewaltigungen die ethnischen Grenzen noch und verdeutlicht die interethnischen Differenzen – genau so, wie es organisierte Vergewaltigungen durch das Militär getan hätten.“ Wie man es auch dreht und wendet, was auch immer Israel tut: Israel ist unser Unglück.

Ein weiteres Beispiel hier für ist der in antizionistischen queeren Kreisen gerne erhobene Vorwuf des Pinkwashings: „Demzufolge werde die Vorstellung vom homosexuellen-freundlichen Westen durch den Staat vereinnahmt. Laut Jasbir Puar betreibe Israel diese Instrumentalisierung auf besonders perfide Art:[vi] Gerade weil Israel seit Jahren nach außen den PalästinenserInnen eine eigene Staatlichkeit verwehre und nach innen eine »rassistische« Politik gegenüber den nicht-jüdischen Israelis betreibe, sei das Land besonders bestrebt, das Negativbild von »Besatzung« und »Rassismus« durch ein schwulenfreundliches Image zu übermalen. Ohne diesen Versuch könne das Land anderweitig seinen eigenen Anspruch, eine progressive Demokratie zu sein, nicht mehr aufrechterhalten. „

Das heißt: wenn Israel – so wie einige abdere Staaten in der Region – Homosexuelle umbringen würde, dann würden queerpolitisch-engagierte Menschen berechtigterweise Kritik daran üben. Wenn Israel dies aber – erfreulicherweise – nicht tut, dann ist das – in dieser Logik – trotzdem kritikwürdig. Denn der Jude kann ja per se keine guten Absichten haben. Wenn er etwas gutes macht, dann führt er etwas im Schilde. Das geht gar nicht anders! Nun müssen aber nicht immer Juden oder Israelis es sein, die man mit Kritik konfrontiert die in der Struktur antisemitisch ist. Es gibt ja G‘tt sei Dank „die Antideutschen“ (TM). Was mit unter dazu führt, dass Netzantisemitinnen – die eigentlich sonst auch Netzfeministinnen sind – auf ihre eigentlichen Überzeugungen scheißen. Vorbei ist bei antizionistischen Queeren die Solidarität mit unterdrückten Homosexuellen (siehe Pinkwashing) und vorbei ist auch die feministische Solidarität mit Gina Lisa.

Wenn ein ungeliebter, „israelsolidarischer“ – meist „antideutscher“ genannt – Typ sich also mit der vergewaltigten und dann verklagten Gina-Lisa solidarisiert. (Was die einzige akzeptable feministische Positionierung zu diesem Vorfall sein kann!) Dann muss er – so will es die antisemitische Logik – damit etwas im Schilde führen. Das heißt man macht bei dieser Solidarisierung einfach nicht mit, verzichtet auf die feministische Positionierung und begründet das dann mit Tweets wie diesen:

-> In denen du den Tweet einer Frau* – die sich mit Gina-Lisa solidarisieren – teilst, um dann zu erklären mensch „tanze nur nicht gern nach der Pfeife von Nabert und Co“. Was diese allerdings mit Nabert zu tun habe, kann man nicht beantworten. Warum man nicht einfach das gleiche in EIGENEN WORTEN (der Tweet wurde gelöscht und dann als Zitat in Anführungszeichen neu gepostet).
-> In denen du auf die Solidarität gegenüber einer vergewaltigten Frau verzichtest, nur weil sich jemand – den du mit antisemitischen Projektionen belegst – solidarisiert hat. Denn wie kann man es sonst verstehen, dass sich @Nabertronic mit Gina-Lista solidarisiert, wenn nicht um „feminist_innen vorzuführen“.

Damit reproduzierst du antisemitische Denkstrukturen, damit – auch wenn er sich gerade temporär nicht gegen Antisemitismus richtet – reproduzierst du also auch Antisemitismus. Zu dessen Gunsten du hier auch auf feministische Positionen verzichtest beziehungsweise den Verzicht legitimierst. Ich fände es ziemlich wünschenswert, wenn deine Critical Whiteness auch Critical Goiness enthalten würde. Sofern das überhaupt möglich sein kann.

XOXO,
Chucky


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