Drei Gedanken zu Bahamas-Koalition.

„Jahrelang gab es in der Bundesrepublik linke Mehrheiten in den Parlamenten. Die Option Rot-Rot-Grün wurde zwar selten vereinbart, war aber immer Möglichkeit und Druckmittel zugleich. Diese Zeiten sind vorbei. Das politische Spektrum ist also insgesamt nach rechts gerückt. So gibt es nun wieder eine stabile bürgerliche Mehrheit im Volk, die genutzt werden sollte, ginge es nach den Befürwortern der Bahamas-Koalition. „

the European

1) Die parlamentarische Streit zwischen rechts und links ist der Streit um die bessere Ideologie für den Standort. Als beispielsweise 1998 Helmut Kohl von rot-grün abgelöst wurde, verbesserte sich mitnichten die Lage derer, für die eine „linke Politik“ vermeintlich eintritt, im Gegenteil: die Standortinteressen standen weiter ganz oben auf der Agenda, nur wurden diese eben nicht mehr wie unter Kohl begründet, sondern multikulturalistisch „hippig und flippig“ wie eine Claudia Roth, mit Lehren aus Auschwitz wie sie ein Alt-68er Fischer gezogen hat, mit dem Popbewusstsein eines Popbeauftragten Sigmar Gabriels und dem Pazifismus eines Gerd Schröders. Über letzteres schrieben die Antideutschen Kommunisten treffend: „Während alle gemeinsam gegen den fernen Bush demonstrieren, kündigt der Bundeskanzler Maßnahmen zur Senkung des Lohnniveaus in großem Ausmaß an. Anstatt gegen diese Ausraubung aufzubegehren, halten die Massen auf den Friedensdemos Plakate hoch mit der Aufschrift: „Durchhalten Gerd!“ Anstatt zum Streik aufzurufen, unterschreiben die Gewerkschaften Petitionen gegen den amerikanischen Krieg.“ Soweit so kapitalistischer Normalzustand, doch Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn sich dieser „Normalzustand“ nicht von dem anderer Nationalstaaten unterscheiden würde.

2) Während in England und Frankreich das Bürgertum und das Proletariat gemeinsam die Monarchie einschränkten beziehungsweise stürzten, schlossen sich in 1848 Deutschland das Bürgertum mit den antibürgerlichen Monarchisten zusammen gegen das Feindbild Proletariat und es begann das, was man getrost als deutschen Sonderweg bezeichnen kann: die Entstehung eines autoritären Nationalstaats im Jahre 1871 von oben (nicht aus einer Revolution heraus folgend von unten). Dabei ist es mehr als nur eine Randnotiz, dass im Gründungskrieg gegen Frankreich das kommunistische Projekt der Paris Comune zerschlagen wurde. Ein Muster das sich im und nach dem ersten Weltkrieg („keine Parteien, nur noch Deutsche“, Dolchstoßlegende, Repression gegen Sozialist*innen, die Ermordung von Luxemburg und Liebknecht) ebenso wie 1933 (Ermächtigungsgesetz) fortsetzt und sich – teilweise in abgeschwächterer Form – als elementarer Bestandteil des deutschen Nationalstaates, seiner Ideologie und seiner Krisenpräventionen zeigt.

3) Ohne das Leitmotiv des Antikommunismus ist die deutsche Ideologie und der deutsche Nationalstaat nicht zu denken (-> „es gibt kein Kommunismus weil es Deutschland gibt“) und auch wenn sich dieser deutsche Antikommunismus – aus Mangel an solchen (im parlamentarischen Betrieb) – nur sehr selten gegen Kommunist*innen richtet, sondern gegen eigentlich an sich bürgerliche Parteien, bleibt er auch hier das Leitmotiv mit dem eine Bahamas-Koalition denkbar wird. Um Deutschland vor den „linksgrünversifften Gutmenschen“ (zu deren Nichtwahl ich ausdrücklich aufrufen möchte) zu retten, formiert sich eine „bürgerliche Koalition“ gemeinsam mit antibürgerlichen Kräften (wie der AFD) gegen andere bürgerliche Kräfte.

Und deswegen, liebe antinationale Leser*innen:
das Problem heißt Deutschland, Oi!


0 Antworten auf „Drei Gedanken zu Bahamas-Koalition.“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


acht + = siebzehn