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Antisemitismus & Fußball

Am Anfang war die Fußlümmelei und dann kam Rasenballsport Leipzig.

Eine Geschichte von Antisemitismus und Fußball muss eigentlich mit dem Beginn des Fußballs in Deutschland beginnen, denn während deutsche Männer in Turn und Sportvereinen turnten waren Juden bei dieser – sich auf den antisemitischen Turnvater Jahn berufenden – Sportart nicht gern gesehen.

Diese Geschichte von Antisemitismus und Fußball muss dann – logischerweise – mit dem Nationalsozialismus weitergehen in dem zum Beispiel die professionelle Spielkultur des deutschen Meisters von 1932 und seines jüdischen Präsident Landauers bekämpft wurde, um dem in diesem Falle zu tiefst antisemitischen und antimodernistischen Amateuersport zu huldigen.

Diese Geschichte beinhaltet die Geschichte zwischen der deutschen Fußballnationalmannschaft und der israelischen Fußballnationalmannschaft als kickende Botschafter genau so wie die Geschichte der ‚“Judenclubs“ Ajax Amsterdam, Tottenham Hotspurs und Tennis Borussia.

Diese Geschichte erfährt eine gewaltige und auch gewaltätige Entwicklung, als deutsche Stadien in den 1980er Jahren von Hooligans dominiert werden und im Stadion das existiert, was nicht existieren darf: offener Antisemitismus.

Diese Geschichte modernisiert sich durch die Ultras, bei denen sich teilweise offener Antisemitismus in strukturellen Antisemitismus in der Feindschaft gegen den modernen Fußball, den FC Bayern München oder Rasenballsport Leipzig verwandeln.

Und diese Geschichte soll ausführlich in diesem Vortrag erzählt werden.

Am 30.10 in Stuttgart & am 17.11 in Berlin.

Antizionismus ist Antisemitismus.

In letzter Zeit tauchen immer wieder Texte einer antikapitalistischen nichtweißen Gruppe im Aufbau auf die sich an Zionismus und Antideutschen abarbeiten. Nachdem ich in schon regelmäßig immer wieder Kritik gegenüber Antideutschen kommentiert habe, werde ich das auch dieses Mal tun. Der zweite Texte der Gruppe der sich mit Israelsolidarität und Antideutschen befasst trägt schon den vielversprechenden Titel: Zionisten sind Rassisten!

Das die deutsche Staatsräson der Israelsolidarität einzig und alleine geostrategische Interessen verfolgt ändert nichts an der Notwendigkeit einer Schutzmacht für Juden und Jüdinnen. Das das ‚antideutsche‘ Nie Wieder sich eben gerade vom staatstragenden unterscheidet lässt sich bei genauerer Analyse von beidem sicherlich sehr schnell erkennen, sofern man es denn will. Das Abschieben von Antisemitismus auf migrantische Jugendliche mag zwar der deutschen Staatsräson dienlich sein, hat aber mit antideutscher Kritik am deutschen Wesen recht wenig zu tun. Antisemitismus hat sich in Deutschland immer sehr wohl gefühlt und muss nicht importiert werden. Im Gegenteil der eliminatorische Antisemitismus deutscher Prägung wurde exportiert und fand über Umwege heim ins Reich.

Die Autor*innen sagen sie würden das Nie Wieder mittragen sofern es sich gegen ‚antijüdischen Rassismus‘ richte, nicht aber wenn daraus Israelsolidarität einhergehen würde. Das heißt im Klartext, dass sie es eben nicht mittragen. Das bedeutet, dass ihre Ablehnung von dem was sie ‚antijüdischen Rassismus‘ – was ich im folgenden als Antisemitismus bezeichnen werde – dort aufhört, wo sich Jüdinnen und Juden selbst verteidigen. Dort wo aus einem Lippenbekenntnis die notwendige Reaktion auf Antisemitismus wird. Eigentlich müsste die Debatte an dieser Stelle sofort beendet werden, dann mit Leuten die Juden und Jüdinnen die Selbstverteidigung absprechen ist kein Frieden zu machen. Viel mehr darf mit ihnen kein Frieden gemacht werden. Ich kommentiere den Text weiter, weil er doch typisch ist für vieles was zu dieser Thematik aus bestimmten Kreisen geäußert wird.

Die Geschichte um Blumenthal und Sheen – die Gysi auf die Toilette jagten – wird hier erneut ausgerollt und erneut dienen zwei Antisemiten als Kronzeugen für die Verbrechen des Zionismus. Über Sheen schrieb der BAK Shalom anlässlich des Vorfalls um Gysi treffenderweise „Der kanadisch-israelische Journalist David Sheen bedient sich ausschließlich einer Sprache der Zuspitzung, um auf den auch in Israel existenten Rassismus gegenüber anderen Minderheiten hinzuweisen. Dabei rückt er die innerisraelischen Zustände an die des Nationalsozialismus heran, indem er etwa von einer “AfriKristallnacht” spricht, die es in Israel gegen Flüchtlinge aus Afrika gegeben hätte. Seine Gleichsetzung des unglaublichen Leids, welches die Nationalsozialisten über die europäischen Jüdinnen und Juden gebracht haben, mit rassistischen Momenten, die – wie in allen anderen Staaten auch – in der israelischen Gesellschaft existieren, verdeutlicht, dass es ihm dabei um nichts weiteres als eine Dämonisierung des Staates Israel geht. Auch Max Blumenthal setzt die Politik Israels mit dem NS-Regime oder der islamistischen Terrormiliz “Islamischer Staat” gleich und bezeichnet israelische Soldaten als “Judäo-Nazis”.“ Damit lässt sich die angeblicke Kritik Sheens sehr schnell nach wissenschaftlichen Maßstäben als Antisemitismus entlarven, zumindest für die jenigen die Antisemitismus wissenschaftliche begreifen wollen. Verzichtet man aber zum Einen auf die Analyse des Antisemitismus und macht aus ihm einfach eine spezielle Form von Rassismus und wählt zum Anderen statt Wissenschaftlichkeit die Betroffenheit als Maßstab, wird es schwer mit der Analyse. Stattdessen lässt sich durch derartige Ignoranz von wissenschaftlicher Analyse mit Antisemiten wie Sheen und Blumenthal als Kronzeugen gegen Israel agitieren.

Zionismus ist die politische Überzeugung einen jüdischen Staat zur Verteidigung der Juden gegen Antisemitismus zu brauchen – über die praktische Umsetzung dieser Überzeugung lässt sich streiten und das tut man in Israel auch. Aber das ist den Autor*innen egal, es geht ihnen ja nicht darum Kritik zu üben sondern ihrem Ressentiment gegenüber Israel freien Lauf zu lassen. Dafür wird dann auch Emma Goldmann aus dem Jahr 1938 zitiert und es wird verschwiegen, dass sich Situation für Juden in Europa in den folgenden 7 Jahren noch drastisch verschlimmern sollte. In ihrer Kritik behandelt sie den potenziellen jüdischen Staat als einen Staat von vielen – womit ihr eben die Besonderheiten des Antisemitismus abhanden kommen. Für die Autor*innen des Textes ist allerdings nur die Kritik am jüdischen Staat relevant, denn als überzeugte nationale Befreiungskämpfer kritisieren sie nicht Nationen und auch eine allgemeine Staatskritik wie die des Gegenstandpunkt ist für sie nicht wichtig: denn es geht hier um die Delegitimisierung des jüdischen Staates und nicht darum allgemeine Kritik an Nationen und Staaten zu üben. Auch wenn es der allgemeinen Kritik an Staat und Nation an der Ausdifferenzierung von Besonderheiten mangelt, so macht sie immerhin nicht den Fehler den jüdischen Staat dafür zu kritisieren das er ein Staat ist. Solange es Staaten gibt braucht es einen jüdischen Staat zur Verteidigung der Juden gegenüber Antisemitismus – aber das sich Juden gegen Antisemitismus verteidigen wollen nur die wenigsten.

Wenn die Autor*innen dann noch mit „„Nie wieder“ kann deshalb nicht heißen, dass wir „demokratische Errungenschaften“ und den bürgerlichen Staat verteidigen. „Nie wieder“ heißt, dass wir eben diesen Staat zu Fall bringen, bevor er in seiner nächsten Krise entscheidet, sich wieder in einen faschistischen zu verwandeln.“ offenbaren sie ihre fatalen Analysen von Nationalsozialismus und Faschismus. Denn es waren gerade die bürgerlichen Staaten Groß Britaniens, Kanadas, Australiens und der USA die dem Nationalsozialismus Paroli geboten haben und es ist gerade die Errungenschaft des bürgerlichen Staates die Menschen vor faschistischer Willkür zu schützen.

syd

Wenn zwei sich streiten, schlägt sich der dritte auf eine Seite.

In letzter Zeit tauchen immer wieder Texte einer antikapitalistischen nichtweißen Gruppe im Aufbau auf die sich an Zionismus und Antideutschen abarbeiten. Nachdem ich in schon regelmäßig immer wieder Kritik gegenüber Antideutschen kommentiert habe, werde ich das auch dieses Mal tun. Alles fängt – mal wieder – mit dem Al Quds Marsch an.

Ziel der Gruppe war es beide Seiten – als Marsch und Gegegenproteste – zu kritisieren. Darin liegt auch schon der erste Fehler, das bürgerliche Gegenbündnis unterscheidet sich vom Antifaschistischen doch sehr, was der LAK Shalom Berlin in seinem Redebeitrag auch betont. Wenn also im Text die Rede vom No-Al-Quds-Tag-Bündnis die Rede ist, stellt sich die Frage welches gemeint ist. Ein Blick in die Fußnoten beantwortet das sehr schnell. Die Kritik arbeitet sich am bürgerlichen Bündnis ab.

Im Text werden dann teilnehmende Nazis auf dem Marsch erstmal ignoriert und vom Antisemiten Grassmann ist keine Rede. Stattdessen wird der Protest zu einer muslimischen Angelegenheit mit ein paar orthodoxe Juden. Diese Analyse ist fatal, denn gerade der Al Quds Marsch zeigt doch die Zusammenarbeit deutscher Nazis mit den autoritären Auswüchsen des politischen Islam. Gerade hier zeigt sich doch wie die deutsche Ideologie erst in den Iran exportiert werden konnte, um danach in dieser Allianz auf deutschen Straßen gegen Juden im Auftrag des Irans marschieren zu können. Wenn ich auch den Ansatz der marxistischen Religionskritik – die aus dieser Analyse folgt – als Kommunist durch aus teilen kann, so liegt dieser Religionskritik hier doch die falsche Analyse zu Grunde. Aus genau diesem Grund erachte ich es hier auch nicht für weiter nötig diese Religionskritik im Detail aus zu führen.

Als gemeinsame Nenner werden Antizionismus und „antijüdischer Rassismus“[sic!] genannt. Das im Jahr 2015 Antisemitismus immer noch als antijüdischer Rassismus betrachten werden kann und in CW-Kreisen auch gerne getan wird ist wahrscheinlich eines der größten Probleme für die Arbeit gegen Antisemitismus. Das pädagogische Zentrum FFM greift diese Unterscheide auf und zitiert hier für Eckmann: „Wo Rassismus Ungleichheit und Unterlegenheit des „Andern“ betont, beruht Antisemitismus vor allem auf Verschwörungstheorien und Vorstellungen von der Übermacht der Juden.“ Als Elsässer noch für die Bahamas schrieb brachte er diesen Unterscheid auf die polemische Formel der Feindschaft gegen „Übermenschen“ (Antisemitismus) und „Untermenschen“ (Rassismus) und erklärte worin – seiner Meinung nach – die Ursache für rassistische statt antisemitische Pogrome in Deutschland zu suchen sei: „Der wichtigste Grund, wieso sich in Deutschland die nationalistische Massenbewegung vor allem gegen die „Untermenschen“ richtet, also rassistisch artikuliert, und nicht gegen die „Übermenschen“, also antisemitisch, ist also darin zu suchen, daß diese Gesellschaft nach wie vor zu den Weltmarktgewinnern gehört und deswegen die Kundschaft für deformierten Antikapitalismus nicht sehr zahlreich ist.“

Als Beleg für die Erkenntnis, dass Antizionismus hier nur ein Codewort für „antijüdischen Rassismus“ sei tauchen dann Nazis wie Schmidtke doch noch auf der Demonstration auf. Diese Analyse allerdings weiter voran zu treiben und Antisemitismus als Bindeglied des autoritären politischen Islam und deutscher Nazis zu betrachten und Antizionismus als solchen schon als Antisemitismus zu entlarven erachten die Autor*innen hier nicht für notwendig. Denn es ist eben nicht so das der Antizionismus „neben Religion“ ein gemeinsamer Nenner ist, sondern das die autoritäre politische Ausprägung dieser Religion unter anderem auf Grund des Antizionismus/Antisemitismus ein Bündnis mit nationalsozialistischer Ideologie eingeht.

Womit die Autor*innen bei der Kritik an den bürgerlichen Gegenprotesten angelangt wären. Ich verweise an dieser Stelle nochmals auf die Rede desLAK Shalom Berlin, da ich diese wichtige kritische Distanzierung des Antifaschistischen Bündnisses gegenüber dem Bürgerlichen Bündnis erachte.

Was nun folgt verhöhnt die Überschrift: „Wenn zwei sich streiten“. Obwohl das Antifa Bündnis – auf dessen Kundgebung sich sicherlich einige Antideutsche finden ließen – nicht erwähnt wird, ist nun von der falschen Analyse der Antideutschen des palästinensischen Befreiungskampfes die Rede. Was es an einem völkischnationalistischen, auf Blut und Boden basierenden und mit antisemitischer Ideologie und antisemitischen Mörderbanden ausgestatteten Befreiungskampf anders zu analysieren gibt, weiß ich nicht. Aber die Autor*innen liefern prompt die Antwort. Schuld an der momentan „islamistisch-konservativen“ Ausprägung dieses Befreiungskampfes beziehungsweise die Ankurbelung dieser Ausprägung haben nämlich die jenigen die diese Ausprägung kritisieren. Der Vorwurf gegenüber Antideutschen – wo auch immer die jetzt herkommen, so war doch stets vom bürgerlichen Bündnis die Rede – ist ihre falsche Solidarisierung. Sie würden die Hamas kritisieren statt sich mit den Kommunist*innen in Palästina zu solidarisieren. Sie würden sich mit der Schutzmacht der Juden und Jüdinnen solidarisieren, anstatt mit Menschen die diese Schutzmacht sabotieren wollen. Die Überschrift wird also dadurch verhöhnt, dass man sich eben nicht zwischen zwei Seiten stellt sondern explizit auf die eine – nur eben irgendwie anders.

Es wird dann wieder einmal alles was sich israelsolidarisch gibt in einen Topf geworfen und Antideutsche berufen sich plötzlich auf die deutsche Staatsräson – ein letzter Verweis auf die Rede des LAK Shalom Berlin. Auf einmal wird vom Antifa-Büdnis gesprochen, dem es bewusst egal sein soll das Solidarität mit den Opfern von Antisemitismus und das Beharren auf das Recht der Opfer sich selbst zu verteidigen im direkten Widerspruch zu linken Grundauffassungen steht.

Kurz vor Schluss dann der übliche rhetorische Verweis auf antizionistische Israelis – deren Antizionismus erst durch eine vom Antisemitismus befreite israelische Gesellschaft ermöglicht wird – und auf antizionistische jüdische Intellektuelle – mit Äußerungen aus dem Jahr 1938 also vor bekannt werden der nationalsozialistischen Verbrechen. Zum Abschluss folgt dann die Forderung nach einer richtigen Palästinasolidarität. Mit kommunistischer Ästhetik und der Nation anstatt der Klasse als revolutionäres Subjekt.

obama

Immer noch ein Feindbild


„Arthur Harris war Oberbefehlshaber der Royal Air Force und im Zweiten Weltkrieg verantwortlich für die Flächenbombardements auf deutsche Städte, was letztlich ebenfalls Ausdruck eines imperialistischen Krieges war.“

[1]

Die (National)sozialisten in und um die Linksjugend marschieren wieder gegen jene – die aus der Shoah die Konsequenzen einer Israelsolidarität ziehen und sich in Opposition zur deutschen Ideologie stellen. Sie rufen zur Intifada [sic] gegen Antideutsche auf und nehmen dabei körperliche Angriffe gegenüber Genoss*innen billigend in Kauf. Denn Antideutsche sind für sie „pro-imperialistische, arbeiterInnenfeindliche und neoliberale Strömung“. Belegt wird der Vorwurf nicht, denn es sind Fremdbezeichnungen ohne Hintergründe.

Sie bemängeln, dass man wegen eines Antrages vom lezten Bundeskonkgress nicht mehr Israel kritisieren könne. Jedoch trifft das nur zu, wenn die Kritik an Israel sich antisemitischer Stereotype bedienen muss. Aber das muss sie wohl in diesen Kreisen, in denen ein israelischer Panzer – wohlgemerkt ein Panzer der praktischen Kampf gegen Antisemitismus macht, während deutsche Linke dabei zuschauen wie antisemitische Parolen gerufen werden – auf einem Sticker Grund zum Ausschluss eines Landesarbeitskreises ist. Am Sticker der kurdischen Kämpfer*innen wurde sich nicht gestört, obwohl dieser ebenso zur „Verherrlichung von Kriegsgerät“ beitrug.

Einen Begriff von der Arbeit des BAK Shaloms haben sie so wenig, wie sie ihn von Antisemitismus haben. Denn zur Shoah führte ihrer Meinung: der „Imperialismus als Weltsystem“[sic]. Nicht die deutsche Ideologie, dass deutsche Volk und der flächendeckend getragene Antisemitismus. Nein der Imperialismus! Und in dieser Logik wird dann auch (siehe obiges Zitat) der Krieg der Alliierten gegen Nazideutschland kritisiert.

„Wir erinnern uns an die Attacken auf die Linken in NRW“ und ich erinnere mich daran, wie Shalomies die einen LAK in NRW gründen wollten körperlich angegriffen worden sind. Die angeblich angegriffenen Linken organisierten „eine Demonstration in Solidarität mit dem palästinensischen Volk und gegen den Krieg“ auf der antisemitische Parolen gerufen worden sind, die für sie kein Grund zum Eingreifen waren. Sie waren Teil jenes Mobs, der im Sommer 2014 das Leben für Juden in Deutschland noch ein Stück weniger erträglich machte und beschweren sich nun, dass sie dafür Opfer von difusen „Attacken“ wurden, die sie nicht einmal weiter benennen können. Aber dadurch das sie erklären, das „die bürgerliche Presse […] genutzt“ wurde, zeigen sie recht deutlich was das wohl für „Attacken“ waren: es war Kritik.

„Denn hinter den Antideutschen steht eine weitaus größere Kraft.“ Ein Satz der sich wie ein Paradebeispiel antisemitischer Kritik ließt, denn natürlich gibt es Akteure die im Hintergrund die Antideutschen installiert haben für größere Pläne. In diesem Fall sind es „die FührerInnen der LINKEN und auch manch FührerIn von [´solid]“. Auch diese Behauptung sind fernab jeder Realität, weder sind Antideutsche – und damit sind jene gemeint, die mehr als nur israelsolidarische Linke sind – besonders interessiert daran in deutschen Parlamenten zu sitzen, noch haben sie irgendwie einen derartigen Rückhalt in der Linkspartei oder der angeschlossenen Rosa-Luxemburg-Stiftung.

„Wer sich konsequent gegen die Antideutschen zur Wehr setzen will“, sie bekämpfen und ausrotten will(?) „muss nicht nur eine entschiedene Auseinandersetzung gegen die Antideutschen, sondern gegen ihren Verbündeten – den Reformismus in [´solid] und LINKE führen.“

Ich habe mich in der Vergangenheit mit dem ‚Antideutsch-Vorwurf‘ in der Piratenpartei befasst und immer wieder sagten Piraten, die Vorwerfenden hätten keinen Begriff davon was Antideutsch ist. Nun, dass hat Revolution auch nicht. Antideutsche bleiben die Feindbilder zwischen den Stühlen, die unbequemen Kritiker an dogmatischen Positionen, die man hassen und sich so in einer Gemeinschaft mit anderen Hassenden befinden kann. Der kleinste gemeinsame Nenner vieler Bewegungen war stets der Antisemitismus, der Hass auf die Antideutschen hat hier eine ähnliche Funktion. Was für Stalin die Kosmopoliten waren, sind für diese Genoss*innen die Antideutschen.

Die einzige Konsequenz daraus: weitermachen.
Israel bis zum Kommunismus.

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[1] Grundlage: Wer sind die Anti-Deutschen
Alle weiteren Zitate aus [2] Intifada in [’solid]

Gemischte Gefühle.

Ich verwehre mich eigentlich vehement dagegen, Kritik in Gefühlen auszudrücken, doch anders als auf der Gefühlsebene lässt sich wohl kaum nieder schreiben, wie ich die Eröffnungsfeier der European Maccabia Games in Berlin gesehen habe. Ich werde allerdings versuchen, die Gedanken hinter die Gefühle aufzugreifen und einzuordnen.

70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges und der Ermordung von sechs Millionen Juden und Jüdinnen. 79 Jahre nach den zur Nazipropagandha verkommenen olympischen Spielen von 1936 in Berlin. 43 Jahre nach der Ermordung von 11 israelischen Athleten bei den olympischen Spielen in München durch palästinensische Terroristen: das größte jüdische Sportereignis der Welt gastiert erstmals in Deutschland.

In Berlin finden vom 27. Juli bis zum 5. August die European Maccabi Games – eine Art jüdische Olympia – statt. Sie begannen am 27. Juli mit einer Eröffnungsfeier, die sich bis auf die Größe kaum von einer olympischen Eröffnungsfeier unterschied, inklusive peinliche Moderatorin aus der gastgebenden Stadt – Palina Rojinski. Rund 2200 Athleten aus 38 Staaten traten in 19 Sportarten gegeneinander an.

Kein Wunder das diese 14ten Maccabi Games unter einem besonderen Stern standen und anders als 2007 in Roma oder 1995 in Amsterdam besonders für Aufmerksamkeit sorgten. Sie fanden genau dort statt, wo 1936 sich die Welt an den Berliner olympischen Spiele erfreute, während die ersten antisemitischen Gesetze erlassen wurden und die ersten KZ bereits gebaut wurden.

Pro:
Natürlich ist es großartig, dass nach der Olympiade 1936 in Berlin Juden ein Sportfest veranstalten können. Als die Hatikvah erklang, bekam ich eine Gänsehaut. Dass die Tochter eines jüdischen US-amerikanischen Athleten, der 1936 nach Deutschland reiste aber nicht teilnehmen durfte, das Feuer entzündete, ist Legitimation für diese Spiele genug. Auch der Bezug zur Geschichte, der stets präsent war bei der Eröffnungsfeier, war und ist unfassbar wichtig. Ebenso wie der Verweis auf die Zunahme von offenem Antisemitismus in Europa in den letzten Jahren.

Contra:
Nationenwettkämpfe sind mir sowieso erstmal zuwider, auch wenn ich mich ihnen, wenn es um Fußball oder Popmusik geht, selten entziehen kann. Vor allem aber werde ich das Gefühl nicht los, dass diese Veranstaltung auch der Versuch war, einen Schlussstrich zu ziehen. Einen Schlussstrich unter den Zivilisationsbruch. Eine Versöhnung mit der Ideologie die zur Shoah erst führte. Besonders wenn ein Joachim Gauck die Weltoffenheit betont, werde ich das Gefühl nicht los, dass Juden hier vor allem einen Zweck haben: das Image der BRD aufpolieren, damit man weiter guten Gewissens internationale Machtspielchen ausüben kann und vielleicht eines Tages auch wieder Kriege führen kann.

Zum Abschluss sei noch einmal festgehalten, was Nedunja von K dazu sagte: „Es kam mir so vor, als wolle die Veranstaltung auch aufzeigen, wie schön es ist, dass so viele Nationen anwesend sind, in denen Juden und Jüdinnen wieder „normal“ leben können. Normal leben heisst aber, dass man beruhigt auf der Strasse mit Kippa rumlaufen kann, dass man sich in der Synagoge treffen kann, ohne Angst auf Anschläge haben zu müssen, dass man auf jüdischen Schulen ohne Polizei auskommen kann, dass man an Jom Kippur am Eingang der Synagoge nicht vom Security Dienst ausgefragt wird, ob man irgendwelchen Leuten davon erzählt hätte, dass man in die Synagoge geht. Es ist lediglich eine Toleranz für die Religion und Kultur da, aber das eingeschränkte Leben nimmt trotzdem weiter seinen Lauf. Die Angst, dass die Geschichte irgendwann in Vergessenheit gerät, nahm gestern dank dieser Veranstaltung stark zu.“

Ambivalenz trifft es sehr gut.