Archiv der Kategorie 'Auflegerei/Vorträge'

Vorträge zur Fußball EM.

Anlässlich der Fußball Europameisterschaft der Männer 2016 in Frankreich und den damit einhergehenden hurrapatriotistischen Eskalationen werde ich ein paar Mal über den „Fußballerischen Beitrag zur Wiedergutwerdung der Deutschen“ referieren. Falls irgendjemand daran oder am Vortrag zu „Antisemitismus und Fußball“ Interesse hat, ich halte den Vortrag gerne auch noch ein paar Mal öfters.

Ankündigung & Beschreibung:

„54, 74, 90, 2006″ sangen die Sportfreunde Stiller, bis sie sich – nach der Halbfinalniederlage – auf 2010 korrigierten. Als Deutschland dann 2014 doch noch Weltmeister wurde, gab das Versmaß eine weitere Korrektur nicht mehr her. Nichts desto trotz lässt sich mit dem Song der Sportis – wie sie ihre Fans liebevoll nennen – ein Phänomen überschreiben. Die „Wiedergutwerdung der Deutschen“ (Eike Geisel) in 4 fußballerischen Akten. Vom „Wir sind wieder wer“ (1954) über das „einer für alle, alle für einen“ gelebt von Spielern die den Spitznamen „Terrier“ trugen (1974) über den „Gesamtdeutschen Sieg“ bis hin zur „Welt zu Gast bei Freunde“ (2006). In diesem Vortrag soll der Prozess der „Wiedergutwerdung“ an Hand der Entwicklung der Nationalmannschaft und dem ganzen drum herum erzählt und kritisiert werden.

Wer Interesse hat, einfach eine Mail an ChuckyGold[at]gmx[dot]com

Termine im März.

10.03.2015:
Vortrag über „Antisemitismus und Fußball“ in Chemnitz plus DJ-Set
12.03.2015:
Kurzer Input zur „Genese des Antisemitismus“ in Berlin
16.03.2015:
Nie wieder Deutschpop im N64 in Berlin
19.03.2015:
PRSLM in Fürstenfeld-Bruck
26.03.2015:
PRSLM @ Dresden Nazifrei Soliparty

#OutsideBerlin

Im Oktober 2015 war ich mit Fabio auf der Balkanroute unterwegs – worüber ich auch für die Jungle World berichtet habe. Unterwegs haben wir zahlreiche Videos gemacht und auch Tagebuch geführt. Das lässt sich alles hier finden: https://n64.cc/category/outsideberlin/

Am 03|02 findet dazu nun auch die zweite Veranstaltung statt, auf der wir über die Reise berichten werden. Dieses Mal ist als besonderer Gast Naemshah Rasoly dabei, den wir auf Lesbos kennengelernt haben und mit dem wir ein kleines Stück gemeinsam gereist sind.

Facebookveranstaltung: https://www.facebook.com/events/713748718760761/

Magdeburg & Wurzen.

Der Dezember beginnt direkt mit zwei Veranstaltungen.

Am 03.12.2015 – Magdeburg, Vortrag und Auflegerei.
Ich referiere über Deutschpop:

Auch wenn es die Fans von Bands wie Frei.Wild oder den böhsen onkelz nicht wahrhaben wollen, so sind sie nicht nur Anhänger von Rotzrockbands mit fragwürdigen Einstellungen, sondern glauben an die Möglichkeiten des Unmöglichen: an unpolitische Popmusik. Denn diese lässt sich weder frei von der ökonomischen Basis, noch der sozialen Situation des Interpreten, noch der historischen Phase in der sie konsumiert wird oder wurde betrachten. So traurig die kapitalistische Realität hinter der schillernden Popfassade klingen mag, die Wahrheit ist: Produkte der Kulturindustrie wollen unsere Gefühle ansprechen und unsere Bedürfnisse erfüllen, dass wir sie konsumieren und uns vom und für den Arbeitsalltag zu erholen.

„Adorno hatte Recht: die Welt ist schlecht!“ und selbige Aussagen lassen sich auch über die Realität der Popkultur sagen. Die Diktatur der Angepassten, in denen freiwillig auf jedwede Form von Subversion verzichtet wird beherrscht die Gegenwart des deutschen Pop. Während der großen ökonomischen Krise unbekannten Ausmaßes steht auf Platz 1 der Charts ein singender Pandabär, der mit sexistischen Stereotypen erklärt: „mach dir nie mehr Sorgen um Geld“. Die Konsument*innen dieser Musik scheinen eben genau dieses Bedürfnis beziehungsweise diese politische Forderung, bloß nichts mehr von Politik wissen zu wollen, in sich zu tragen oder um es mit Grim104 zu sagen: „kurz vor dem Kollaps lässt sich keiner die Laune vermiesen“.

Doch es wäre nicht Deutschland, wenn es nicht immer noch schlimmer gehen würde. Es wäre nicht Deutschland, wenn die tatsächliche Rebellion gegen den kulturindustriellen Alltag nicht eine Rebellion für noch regressiveres wäre. Und so ist die scheinbar einzige Rebellion, die sich in der Popkultur beobachten lässt – nicht nur eine systemimmanente – sondern gar eine durch und durch konformistische. Eine konformistische Rebellion von Musikern wie Frei.Wild, den böhsen onkelz oder Xavier Naidoo. Eine Rebellion die hinter die individualistischen Errungenschaften des Reeducationprogramm Pop zurückfallen will.

Als das wohl effizienteste Reeducation Programm im Zuge der ersten globalisierten Jugendkultur endgültig die deutsche Jugend in seinen Bann zog, da tragen Welten aufeinander. Eine Elterngeneration die im Gleichschritt halb Europa in Schutt und Asche legte und Sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern auf grausamste Weise entmenschlichte und anschließend industriell ermordete. Und eine Generation die gepackt war vom individualistischen Glücksversprechen der amerikanischen und britischen Popkultur und lieber wilde Orgien im Schlamm und Kommunen veranstalte, als die kleinste Zelle des Faschismus am Leben zu erhalten. Der als Studierendenrevolte in die Geschichte eingegangene Generationenkonflikt, war die ideologische Schlacht zwischen popkulturellem Glücksversprechen und deutscher Ideologie.

Fünfzig Jahre später sind Xavier Naidoo, Frei.Wild und die böhse onkelz traurige Realität im deutschen Pop und sogar waschechte Nazis sind Pop – inklusiver eigener Mode und Szenecodes. Das popkulturelle Glücksversprechen scheint im Nachhinein doch verloren zu haben gegen die deutsche Ideologie oder viel mehr noch: die deutsche Ideologie scheint mit Hilfe des popkulturellen Glücksversprechens wieder en vogue zu sein. Und so ist das, was zur Zeiten des „natural born antideutschen“ (Frank Apunkt Schneider) Reeducationprogramms undenkbar war, mittlerweile Realität.

Dieser Vortrag soll mit Hilfe von Hörbeispielen den Werdegang des Pop in Deutschland vom einstiegen Reeducationprogramm zum Soundtrack der Diktatur der Angepassten und der konformistischen Rebellion nachzeichnen und kritisch beleuchten und darlegen warum kein Frieden mit Deutschpop zu machen ist. / Der Referent produziert Musik, legt sie auf, schreibt darüber und studiert ihren kulturellen und ökonomischen Kontext.

Und am 05.12.2015 – Wurzen, Auftritt mit PRSLM
Wir springen für den leider verletzten Roni87 ein und freuen uns zum ersten Mal ein paar Songs der bald erscheinenden LINDE EP (Infos folgen in Kürze) präsentieren zu können.

Wir sehen uns in Magdeburg und Wurzen.

Antisemitismus & Fußball

Am Anfang war die Fußlümmelei und dann kam Rasenballsport Leipzig.

Eine Geschichte von Antisemitismus und Fußball muss eigentlich mit dem Beginn des Fußballs in Deutschland beginnen, denn während deutsche Männer in Turn und Sportvereinen turnten waren Juden bei dieser – sich auf den antisemitischen Turnvater Jahn berufenden – Sportart nicht gern gesehen.

Diese Geschichte von Antisemitismus und Fußball muss dann – logischerweise – mit dem Nationalsozialismus weitergehen in dem zum Beispiel die professionelle Spielkultur des deutschen Meisters von 1932 und seines jüdischen Präsident Landauers bekämpft wurde, um dem in diesem Falle zu tiefst antisemitischen und antimodernistischen Amateuersport zu huldigen.

Diese Geschichte beinhaltet die Geschichte zwischen der deutschen Fußballnationalmannschaft und der israelischen Fußballnationalmannschaft als kickende Botschafter genau so wie die Geschichte der ‚“Judenclubs“ Ajax Amsterdam, Tottenham Hotspurs und Tennis Borussia.

Diese Geschichte erfährt eine gewaltige und auch gewaltätige Entwicklung, als deutsche Stadien in den 1980er Jahren von Hooligans dominiert werden und im Stadion das existiert, was nicht existieren darf: offener Antisemitismus.

Diese Geschichte modernisiert sich durch die Ultras, bei denen sich teilweise offener Antisemitismus in strukturellen Antisemitismus in der Feindschaft gegen den modernen Fußball, den FC Bayern München oder Rasenballsport Leipzig verwandeln.

Und diese Geschichte soll ausführlich in diesem Vortrag erzählt werden.

Am 30.10 in Stuttgart & am 17.11 in Berlin.