Archiv der Kategorie 'FC Bayern'

Gefährliche Parallelen.

Wir schrieben den 2. Januar 2008, als Otmar Hitzfeld die Aussage von Uli Hoeneß bestätigte, dass er seinen Vertrag nicht nochmals verlängern werde und zum Saisonende seinen engültiger Abschied vom FC Bayern kommen werde. Hitzfeld hatte den FC Bayern bereits vom 1. Juli 1998 bis zum 30. Juni 2004 trainiert, eher er am 1. Februar 2007 erneute Cheftrainer des FC Bayern wurde. Als die Saison sich langsam dem Ende neigte, der souveräne FC Bayern schon Meister war und auch im DfB-Pokalfinale gegen Dortmund stand , wussten alle im sehr weiten Umfeld des FC Bayern München, dass ein emotionaler Abschied bevorstehen würde. Ein Abschied für den Trainer, der mit dem FC Bayern im Jahre 2001 an der Spitze der des europäischen und des Weltfußballs stand. Ein Abschied für den Trainer, der sich gemeinsam mit Oliver Kahn und dem vorraussichtlichen Gewinn des Doubles verabschieden werden wird. Ein Abschied für einen Trainer, der in gewisser Weise auch für eine Ära des FC Bayern stand. Ein Abschied, der einen Superstar als neuen Trainer nach sich ziehen muss. Ein großer Trainer kehrt der turbulenten Bundesliga den Rücken, ein Trainer der große Erfolge mit zwei Teams feiern konnte, ein Trainer der neben Jupp Heynckes einer von nur vier Trainer ist, die mit zwei Vereinen die Champions League gewinnen konnten. Sie können sich das in etwa so vorstellen, wie die letzten erfolgteichen Spiele von Heynckes als Bayerntrainer.

Als am gegen 15 Uhr, am Samstag den 17ten Mai, Oliver Kahn verabschiedet wurde fiel es Ottmar Hitzfeld bereits schwer nicht zu weinen. Während der Titan, gewonnt gleichgültig und angespannt, seinen Abschied über sich ergehen ließ, konnte Hitzfeld ’seine Emotionen nicht mehr für sich behalten‘ und auch Uli Hoeneß weinte. Noch jahre später, wird Hoeneß nur positives an ihm finden können. ‚Ottmar ist ein Mann, der die Spieler versteht und den sie verstehen.‘ Als gegen 17 Uhr 30, der scheidende Kapitän und Titan die Meisterschale in den Münchner Himmel hochhielt, war ein Kapitel endgültig beendet. Das Kapitel Hitzfeld beim FC Bayern war und Geschichte und etwas neues sollte folgen. Ein neuer Trainer, ein neues Konzept und eine neue noch erfolgreichere Ära. Wie ihn Damoklesschwer, schwebte das große Ziel im nächsten Jahr das Triple zu gewinnen, über München und dem kommenden Trainer.

abschied

Als neuer Bayerntrainer waren viele im Gespräch, unter anderem auch Jürgen Klopp, für den sich die Bayern allerdings nicht entschieden. Stattdessen ging er zur Borussia aus Dortmund, um knapp 5 Jahre später mit eben selbiger gegen den FC Bayern im Champions League Finale zu stehen. Vergleicht man das was Klopp beim BVB erreicht hat bis jetzt, mit dem was der tatsächliche Hitzfeld-Nachfolger beim FC Bayern erreicht hat, dann scheint es das sich die Bayern Verantwortlichen geirrt haben. Vergleicht man nur die Saison 2008/09, dann wäre Klopp wohl zur gleichen Zeit wie der tatsächliche Hitzfeld-Nachfolger gefeuert worden. Aber das sind Spekulationen. Der neue Bayerntrainer hieß allerdings auch Jürgen. Jürgen Klinsmann, zusammen mit Jogi Löw Vater – des zumindest fußballerisch ganz nett anzuschauenden – Sommermärchens im Jahr 2006 und vorallem ein Mann mit revolutionären Visionen, zumindest dachte mensch das zur damaligen Zeit. Als seine Verpflichtung vom FC Bayern bekanntgegeben wurde, liefen auf allen Kanälen kaum andere Nachrichten. Was kümmert der Dax, oder irgendein Konflikt im Nahen Osten, wenn der FC Bayern einen neuen Trainer hat. Vorallem, wenn es ein derartiger Startrainer ist, mit dem der Erfolg quasi garantiert sei. Sie können sich das in etwa so vorstellen, wie der aktuelle Hype um Pep Guardiola.

Als am Abend des 15ten Augustes die 46te Bundesliga Saison startete, war einiges neu bzw. wieder da. Die TSG Hoffenheim war als 50ter Bundesligist der Geschichte erstmalig in die Bundesliga aufgestiegen, Christoph Daum saß wieder auf der Bank eines Bundesligisten und zwar in Köln und eben Jürgen Klinsmann war zum aller ersten Mal in der Bundesliga als Trainer tätig. Am Ende des Spieltags sollte die TSG Hoffenheim Tabellenführer sein, am Ende der Saison gar der VfL Wolfsburg Meister. Aber in der noch jungen Saison, richteten sich erstmal alle Blicke auf Klinsmann, ‚dem neuen Vordenker des FC Bayerns‘. Doch eben dieser FC Bayern wurde seiner Rolle als Titelverteidiger nicht gerecht, eben dieser FC Bayern dümpelte gar bis zum 8ten Spieltag noch in Absteigskampfregionen herum. Doch zum Glück kam am selbigen Spieltag die Wende, denn an diesem Spieltag sollte des ‚System Klinsmann‘ endlich greifen. Nach dem Last Minute Sieg, durch ein Tor von Klose in der 86ten Minute, stand der FC Bayern immerhin wieder auf Platz 11 und jetzt würde alles aufwärts gehen. ‚Es ist nur eine Frage des Selbstvertrauens im Moment. Nach den schwierigeren Ergebnissen in letzter Zeit war ja kein Selbstvetrauen da, aber mit diesem Sieg wird es zurückkommen.‘, verkündete der erfolgreiche Wurstfabrikant, für dessen Steuern sich damals noch kein Mensch interessierte, gewohnt siegessicher. Ein paar glanzlose Siege später, wurde sogar das Zwischenziel Herbstmeisterschaft ausgerufen und am Ende gelang dies sogar beinahe, nur die TSG aus Hoffenheim war am Ende ein kleines bisschen besser.

Doch das Ergebnis sollte nicht über Ist-Zustand ablenken, denn die revolutionären Methoden und die Buddhas (zwar vom Architekten auf das Trainingsgelände gebracht, aber zum Symbol der Ära Klinsmann geworden) auf dem Trainingsgelände erfüllten nicht das was sie versprachen: Erfolg und Dominanz des FC Bayerns auf Jarhzehnte und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Stattdessen spielte der FC Bayern, trotz neuer Kicker und Klinsmann, einen schlechteren Fußball als in der Vorsaison und war sogar fernab jedweder Dominaz der Bundesliga und auch in der Rückrunde wird sich das nicht ändern, so reist am 23ten Spieltag die Hertha aus Berlin als Tabellenführer nach Cottbus, während der FC Bayer nur wenige Tage zuvor aus dem DfB-Pokal ausgeschieden ist und bis dato nicht einmal Tabellenführer in der Bundesliga war. Zwar hatte der FC Bayern unter anderem am 21ten Spieltag die Chance die Tabellenführung zu ergreifen, doch ein 1:2 zu Hause gegen den 1.FC Köln reichte dafür nicht aus. Für den damaligen FC-Trainer Daum, war das sogar der erste Sieg im zehnten Anlauf gegen den FC Bayern, er selbst nennt dies die ‚Erfüllung eines Lebenstraums‘.

Als auch am 27. April 2009 die Tabellenführung nicht einmal erreicht worden ist, ziehen die Verantwortlichen des FC Bayern die Konsequenzen. Das Kapitel mit dem revolutionären neuen Konzepten und vorallem das Kapitel mit Jürgen Klinsmann werden für beendet erklärt. Nachdem der FC Bayern am 29ten Spieltag zu Hause mit 0 zu 1 gegen Schalke 04 – mit dem damaligen Keeper Manuel Neuer – verliert, ist es endgültig vorbei. An jenem 27ten April gibt es auch ein Sportschau Extra zur Entlassung von Klinsmann, denn so fulminant wie er gekommen ist, wird er nun auch wieder gehen. Die Ergebnisse haben nicht gestimmt, so der allgemeine Tenor. Auch Claudia Roth und Olfa Scholz dürfen zu Wort kommen, letzteren erinnert vor allem an das was Klinsmann für ‚unser Land‘ erreicht hat. Doch der Rauswurf war keine Überraschung, seit mehreren Wochen warteten die Journalist*innen bereits an der Säbenerstraße auf dieses Ereignis. ‚Er war nur angestellt, um die Manschaft auf dem Platz so aufzustellen, das sie die Spiele gewinnt und das ist ganz normal für einen Trainer.‘, kommentierte Hoeneß den Rauswurf. Am Ende werden alle Beteiligten von einem ‚großen Missverständnis‘ sprechen und ein neuer bzw. alter Trainer übernimmt für die restlichen 5 Spiele, ehe wieder ein Neuer kommt, der wieder vorzeitig gehen wird. Der Name des neuen alten Trainers war Jupp Heynckes, der Mann der erst vor wenigen Wochen seine Laufbahn als Trainer ebenso tränenreich wie einst Hitzfeld beim FC Bayern beendet hat. Der Mann der als Triplesieger abtritt und Platz für einen Superstar machen wird, einem bei dem alles anders werden wird. Ein Trainer, dem gerne mal Sondersendungen gewidmet werden.

Lederhosen zum ausziehen.

Für all die ’70 Millionen Antibayern‘ (siehe selbige Seite) gibt es jetzt endlich Lederhosen, die mensch den Bayern dann auch ausziehen kann und das eben gerade jene Mannschaft, denen die bisher nicht vorhandenen Lederhosen ausgzogen werden sollen, sich nun selbige angezogen hat ist an sich auch ziemlich in Ordnung. Der Zweck heiligt hier also deutlich die Mittel. Problematisch wird das dann nur, wenn ausgerechnet Tim Bendzko dazu einen Song schreiben muss. Einen auf epochalen Triumph getrimmten Popsong, ich find sowas ja prinzipiell ganz in Ordnung wenn es gut gemacht ist. Ob Bendzko das gut gemacht hat, müsst ihr beurteilen. Wenn mensch den Refrain aber als erhobenen Mittelfinger sieht, dann kann dem Song doch einiges abgewonnen werden.

...

„Wer läuft in Lederhosen ein?“ Zieht sie uns doch aus, wenn ihr euch traut. „Das muss der FC Bayern sein! Wer fühlt sich auf jedem Platz daheim? Das muss der FC Bayern sein! Und wer wird wieder Deutscher Meister sein?“ Wer hat euch letzte Saison gedemütigt? „Wer holt die Schale heim?!“ Wer braucht schon echte Liebe?! „Wer ist der Rekordverein?!“ Wer streckt euch beide Mittelfinger entgegen? „Das werden immer nur die Bayern sein!

Vielleicht hätte statt Bendzko Casper und/oder Kollegah das Lied singen sollen und vielleicht hätten die Bayern das mit dem Mittelfinger explizit ansprechen sollen, anstatt Javir Martinez zu lehren Bayrisch zu sprechen und bayrische Heimatliebe zu verbreiten. Am Ende bin ich wieder der einzige der das verstanden hat, muss das der ganzen Welt erklären und muss meine große (nicht ‚echte‘) Liebe auch noch verteidigen. Wie immer.

Mythen für den Bayernhass

Beim durchstöbern des Onlineauftrittes der Fußballzeitschrift 11Freunde fand ich eine aktuelle Interview mit Marcus Wiebusch. Da ich früher der Musik von Kettcar ziemlich angetan war, Wiebusch als Pauli Fan bekannt ist und ich aus irgendeinem absurden nostalgischen Grund immer noch Sympathien für beides entgegen bringen kann, hab ich das Interview also gelesen. Einei Aussage fand ich dann doch ziemlich herausragend peinlich.

Ich habe einmal einen Fußball-Song geschrieben mit dem Titel »Erinnert sich noch jemand an Kalle Del’Haye?«. […] Er ist das Synonym für »wegkaufen und auffe Bank«. Dann hab ich die Metapher aufgestellt, dass es ganz schön bitter sein kann, wenn du von deinen großen Träumen und Zielen lebst und dich dann auf der Ersatzbank wiederfindest. […] Meine erste große Liebe war Gladbach. Ich bin 1968 geboren und in den siebziger Jahren hatte man nur die Wahl zwischen den Fohlen oder Bayern München. […] Also wurde ich Gladbach-Fan und Kalle Del’Haye der Held meiner Jugend. Das war ganz, ganz schlimm, als er zu den Bayern wechselte. Das hat mir zum ersten Mal richtig das Herz gebrochen.

Erstmal ein bisschen Mitleid, für das gebrochene Herz von Marcus Wiebusch. Ein sympatischer Kerl, der wie die Faust aufs Auge zum FC st. Pauli passt. Er hatte die Wahl zwischen Bayern und Gladbach und wurde selbstverständlich Gladbach-Fan. Natürlich, nicht Bayern. Nicht dieser undeutsche Verein, der anderne Mannschaften die Stars wegkauft. Das Kalle ‚del Haye, für Bayern im Schnitt pro Saison öfters auflief als für Gladbach (14,8 zu 14,5 Einsätze pro Saison) ignorieren wir hier gekonnt, schließ sind das Fakten und die können wir nicht gebrauchen, wenn es darum geht den Bayernhass zu begründen und zu schüren.

Kicker Interview

Für die am Montag erschienene Kicker-Ausgabe, hat der Kicker mich ursprünglich interviewt. Obwohl ich sachlich und direkt auf die Fragen eingegangen bin, wurde stattdessen ein Interview mit Bierhoff abgedruckt, dem die selben Fragen gestellt worden sind. Wahrscheinlich wollte der Kicker einfach statt sinnvollen Aussagen, lieber eine Abfeierei des ‚deutschen‘ Fußballs haben. Nichts desto trotz, konnte ich nun an das Original Interview rankommen und darf es also exklusiv hier veröffentlichen.

kicker: Bringt das erste rein deutsche Champions-League-Finale die Wachablösung in Europa und was sind die Ursachen für die Erfolge des FC Bayern und des BVB?

Chucky: Nein, ich denke nicht das jetzt eine Wachablösung kommt. Sehen sie, beim FC Bayern wird einfach seit den 70ern eine gute Arbeit geleistet und der Verein hat es geschafft dauerhaft/fast jährlich unter die ersten 3 zu kommen und wurde auch all zu oft dabei Meister, kontinuierlich wurde dabei versucht die Mannschaft Jahr für Jahr verbessern. Besonders dieses Jahr wurde dort gute Arbeit geleistet, mit Sammer als Sportchef und Schlüsselspielern wie dem Knipser Mandžukić (15 Tore in 22 Bundesligaspielen, Anm. d. Red.), dem Defensivallrounder Martinez, Dante oder dem Flügelflitzer Shaqiri wurde die Mannschaft ideal umgeformt. Durch die hohe Anzahl an Topspielern, ist es der Elf dieses Jahr jeder Zeit möglich Ribery oder Robben, von denen letztes Jahr zu viel abhing, zu ersetzen. Durch diesen starken Kader und die Rotation war eine Dominanz in den beiden nationalen Wettberbern ein leichtes Spiel und auch in der Champions League konnten souveräne Siege errungen werden. Ob durch den FC Bayern die Wachablösung des FC Barcelonas erfolgt, darüber können wir in 3 Jahren sprechen. Ich bin als Anhänger des FC Bayerns da durch aus zuversichtlich. Aber kommen wir zum BVB, auch dort wurde unter Jürgen Klopp gute Arbeit geleistet. Zu Recht steht der BVB im Champions League Finale. Es wurde einfach in den letzten Jahren nicht all zu viel falsch gemacht und nach dem Ausscheiden im DfB-Pokal (gegen den FC Bayern, Anm. d. Red.) und der Dominanz der Bayern in der Liga, konnte man sich dort vor allem auf die Champions League konzentrieren. Ohne Erwartungen konnten die schwarz-gelben dort frei aufspielen und der zweite Platz kann als Riesenerfolg gewertet werden. Es muss sich jedoch erst zeigen, wie Dortmund nach dem Abgang von Götze und dem eventuellen Abgang von Lewandowski spielen wird und ob sie es nochmal schaffen können so für Furore in der Champions League zu sorgen, zu mal nächstes Jahr die Erwartungen und der Druck größer sein werden.

kicker: Waren die Halbfinale stilbildend für den Fußball der Zukunft?

Chucky: Natürlich werden andere Teams versuchen sich etwas vom Konzept der beiden Finalisten abzuschauen, aber ob das funktionieren wird? Das Konzept des FC Barcelonas wurde von vielen Mannschaften versucht zu adaptieren, aber wie viele waren außer dem FC Barcelona damit erfolgreich? Ebenso sehe ich nicht die großartigen Parallelen zwischen dem Spiel des FC Bayern und dem der Borussia aus Dortmund.

kicker: Waren die Halbfinals Ausdruck der Stärke einer Liga?

Chucky: Nein. Die beiden Teams haben wie eingangs ausgeführt einfach einiges richtig gemacht. Es gibt aber im deutschen Fußball auf internationaler Ebene ebenso noch Rumpelfußball, wie der des VfB Stuttgarts der diese und auch nächste Saison wieder international vertreten sein wird. Das Spiel des FC Bayerns und das der Borussia aus Dortmund sind nahezu einmalig in der Liga, was sich auch in ihrer Dominanz, besonders in der des FC Bayern, zeigt. Mit nur einer Niederlage war kaum eine Mannschaft diese Saison in der Lage dem FC Bayern das Wasser zu reichen. Aus der Dominanz des FC Bayern eine Dominanz des deutschen Fußballs zu machen, dass ist plumper realitätsferner Nationalismus.

kicker: Ist die Tatsache, dass eine deutsche Mannschaft wieder einen großen Titel gewinnt, eine Bürde für die deutsche Nationalelf bei der WM 2014?

Chucky: Ich interessiere mich nicht für die Nationalelf oder den Sagen umwobenen deutschen Fußball, ich bin Bayern-Fan und wie sagte die Schickeria bereits am vergangenen Samstag in Dortmund via Transparent? ‚Alle reden vom deutschen Finale. Wir nicht, wir sind Bayern, wir sind München. Scheiss BVB!‘