Archiv der Kategorie 'Fußball'

Vorträge zur Fußball EM.

Anlässlich der Fußball Europameisterschaft der Männer 2016 in Frankreich und den damit einhergehenden hurrapatriotistischen Eskalationen werde ich ein paar Mal über den „Fußballerischen Beitrag zur Wiedergutwerdung der Deutschen“ referieren. Falls irgendjemand daran oder am Vortrag zu „Antisemitismus und Fußball“ Interesse hat, ich halte den Vortrag gerne auch noch ein paar Mal öfters.

Ankündigung & Beschreibung:

„54, 74, 90, 2006″ sangen die Sportfreunde Stiller, bis sie sich – nach der Halbfinalniederlage – auf 2010 korrigierten. Als Deutschland dann 2014 doch noch Weltmeister wurde, gab das Versmaß eine weitere Korrektur nicht mehr her. Nichts desto trotz lässt sich mit dem Song der Sportis – wie sie ihre Fans liebevoll nennen – ein Phänomen überschreiben. Die „Wiedergutwerdung der Deutschen“ (Eike Geisel) in 4 fußballerischen Akten. Vom „Wir sind wieder wer“ (1954) über das „einer für alle, alle für einen“ gelebt von Spielern die den Spitznamen „Terrier“ trugen (1974) über den „Gesamtdeutschen Sieg“ bis hin zur „Welt zu Gast bei Freunde“ (2006). In diesem Vortrag soll der Prozess der „Wiedergutwerdung“ an Hand der Entwicklung der Nationalmannschaft und dem ganzen drum herum erzählt und kritisiert werden.

Wer Interesse hat, einfach eine Mail an ChuckyGold[at]gmx[dot]com

Antisemitismus & Fußball

Am Anfang war die Fußlümmelei und dann kam Rasenballsport Leipzig.

Eine Geschichte von Antisemitismus und Fußball muss eigentlich mit dem Beginn des Fußballs in Deutschland beginnen, denn während deutsche Männer in Turn und Sportvereinen turnten waren Juden bei dieser – sich auf den antisemitischen Turnvater Jahn berufenden – Sportart nicht gern gesehen.

Diese Geschichte von Antisemitismus und Fußball muss dann – logischerweise – mit dem Nationalsozialismus weitergehen in dem zum Beispiel die professionelle Spielkultur des deutschen Meisters von 1932 und seines jüdischen Präsident Landauers bekämpft wurde, um dem in diesem Falle zu tiefst antisemitischen und antimodernistischen Amateuersport zu huldigen.

Diese Geschichte beinhaltet die Geschichte zwischen der deutschen Fußballnationalmannschaft und der israelischen Fußballnationalmannschaft als kickende Botschafter genau so wie die Geschichte der ‚“Judenclubs“ Ajax Amsterdam, Tottenham Hotspurs und Tennis Borussia.

Diese Geschichte erfährt eine gewaltige und auch gewaltätige Entwicklung, als deutsche Stadien in den 1980er Jahren von Hooligans dominiert werden und im Stadion das existiert, was nicht existieren darf: offener Antisemitismus.

Diese Geschichte modernisiert sich durch die Ultras, bei denen sich teilweise offener Antisemitismus in strukturellen Antisemitismus in der Feindschaft gegen den modernen Fußball, den FC Bayern München oder Rasenballsport Leipzig verwandeln.

Und diese Geschichte soll ausführlich in diesem Vortrag erzählt werden.

Am 30.10 in Stuttgart & am 17.11 in Berlin.

Für euch ist es ein Produkt…

…für mich ist es Lebenssinn.

Ich weiß es noch wie gestern, ich war zwölf Jahre alt als ich meine erste Dose Red Bull geschenkt bekommen habe. Mein Vater gab sie mir und führte mich in die Welt mit Flügel ein. Ich trank den ersten Schluck und war sofort verliebt. Ich trug über die Jahre meiner Schulzeit regelmäßig mein Geld in die entsprechenden Läden, um meiner Liebe nachzukommen und als ich anfing zu trinken erfüllte mich meine Liebe mit noch mehr Freude. Alkohol und Red Bull, eine Kombination die sicherlich vielen sehr gut gefällt. Beziehungen kamen und gingen, nur Red Bull blieb an meiner Seite.

Und heute wollen sie es mir streitig machen, sie wollen mir meinen Lebenssinn wegnehmen. Denn es ist nur ein Produkt für sie, nur eine Dose mit Brause und nicht Energie in Reinform. Ich hasse sie.

Standortbestimmungen nach HoGeSa.

Nachdem am 26.10.2014 in Köln zwischen 3.000 & 5.000 Nazi-Hools wüteten und die Polizei oftmals nicht in der Lage war, die Nazi-Hools an ihrem Treiben zu hindern, stellt sich für alle nicht faschistischen Fußballfans die Frage ‚Was nun?‘, während einige nicht am Fußball interessierte, sich als antifaschistisch verstehende Menschen erstmal erklären mussten, was die Probleme im Fußball sind. Den Zynismus daran, dass Menschen zuhause vor ihrem PC sitzen und Fans, die, wie in Aachen und Braunschweig, jedes Wochenende in der eigenen Kurve oder, wie bei TeBe, Babelsberg und Sankt Pauli, zumindest bei Auswärtsspielen in den Kurven ihrer Gegner*innen sehen und tatsächlich spüren, welche Probleme es in den Fankurven gibt, eben diese erklären wollen, möchte ich nicht weiter kommentieren.

Was war gestern los in Köln?
Eine riesige Ansammlung von Nazis und anderen Rechtsradikalen (das mache ich an den gerufenen Parolen fest) ließen ihre schwarz-weiß-roten Fahnen zu Hause, schwangen die Schlandflaggen und nutzen die allseits anerkannte, nationalistische Fanmeilen-Stimmung nach dem Weltmeistertitel um nach eigener Aussage gegen „Salafisten“, tatsächlich aber gegen alles was nicht in ihr Weltbild passt zu hetzen. Die Gefahr die von dem im Sommer oft gefordeten, unverkrampften Patriotismus ausgeht, war an diesem Tag in Köln deutlich zu sehen und zu spüren, ebenso wie der seit längerem in einigen Fankurven bestehende Kampf zwischen oftmals jüngeren, sich antifaschistisch positionierenden Fans beziehungsweise Ultras auf der einen und oftmals älteren rechten Hools, die in den 80ern die Tribühnen dominierten, auf der anderen Seite (mehr Informationen dazu im Heft 4 des Transparent Magazins), der nun zum ersten Mal auch außerhalb der Stadien und Fanszenen wahrgenommen wurde.

Warum (Herren-)Fußball?
(Herren-)Fußball ist mittlerweile Massenphänomen, größte Jugendkultur und vor allem geeignetes Mittel um die breite Gesellschaft zu erreichen, was Nazis und andere Rechtsradikale nicht erst seit gestern wissen und versuchen. Galt die Fußlümmelei einst als undeutsch und wurde einst der deutschen Ideologie vor allem in Turnvereinen gehuldigt, so ist der Sport der Deutschen im Jahr 2014 ohne Frage der (Herren-)Fußball. Die Konsequenz des großen Interesses, welches sich in den Besucherzahlen der Stadien von Bundesliga bis Berlinliga, den Einschaltquoten im Fernsehen und den zahlreichen Fachmagazinen und Fachredaktionen innerhalb anderer Zeitungen nierderschlägt, hat auch zu Folge das gesellschaftliche Problematiken, sprichwörtlich, ins Stadion getragen werden und sich dort bisweilen noch drastischer äußern als in der breiten Gesellschaft (Beispiele sind Männlichkeitsideale, Homophobie & Sexismus). Die Ursachen hier für liegen aber mitnichten in der Struktur des Sports, sondern viel mehr in der Funktion denn der (Herren-)Fußball für viele hat: ein Ventil. Im Stadion kann man sich gehen lassen, abschalten & dem (von zu vielen empfundenen) Diktat der politischen Korrektheit entfliehen. Das möchten sich viele nicht von antifaschistischen oder anderern Antidiskriminierungs-Initiativen nehmen lassen, was sich im Ruf nach einer unpolitischen Kurve niederschlägt.

Was sind Hooligans?
Hooligans sind allgemein weder gewaltbereit noch per se rechts. Hooligans prügeln sich gerne für ihren Verein und sind somit per Definition gewaltsuchend, statt gewaltbereit (um die Termini der Polizei zu benutzen) und können jedwedem politischen Lager angehören. Wer sich näher mit dem allgemeinen Phänomen der Hooligans auseinandersetzen will, dem sei der Film ‚Football Factory‘ und die daran anknüpfende Dokumentationsreihe ‚International Football Factories‘ ans Herz gelegt. Was gestern allerdings in Köln unterwegs waren, das waren Nazis oder Rechtsradikale die unter dem (im Fußball von Rechten gerne verwendeten) unpolitische Deckmantel auftreten, um ihr Gedankengut als so gesellschaftsfähig darzustellen, wie es tatsächlich ist, sich aber nur die wengistens Bundesbürger*innen zugestehen wollen. Beim Wort Nazi zeigen sich die durch das Mantra der Geschichte eingeimpften Abwehrreflexe, tritt die Ideologie dann aber mal unter anderem Namen auf, so zeigt sich die tatsächliche Mehrheitsfähigkeit dieser Ideologie. Das wissen unsere Hooligans hier und genau das möchten sie nutzen.

Was nun?
Die breite Mehrheitsgesellschaft stört sich nicht an den HoGeSas, die Polizei ist nicht bereit sie an ihrem Treiben zu hindern und der DFB trainiert in einem Stadion, das durch die Aufschrift ‚Kein Fußball den Faschisten‘ geschmückt ist erst nach ‚Neutralisierung‘ von selbigen. Es ist also die Aufgabe all jener, die sich selbst als antifaschistisch sehen, sich zur organisieren, engagieren, positionieren und gegen derartiges Gedankengut zu handeln, es ist die Aufgabe jeder Fankurve im Stadion sich aktiv gegen Rechts zu positionieren und den Protest & Aktivismus auch außerhalb des Stadions weiter zu tragen.

KEIN FUSSBALL DEN FASCHIST*INNEN.

Mehr zum Thema:
Danny Hollek – Gedanken zu Nazi-“Hooligans gegen Salafisten”
Publikative.org – Die alte Garde meldet sich zurück
Vice – Damit es die Muslime nicht tun

Als Kritik getarntes Ressentiment

‚Tradition schlägt Kommerz‘ schrieb der Tagesspiegel und auch anderswo war man sich einig: das war heute ein Sieg der echten Fankultur über die falsche. Richtige Fankultur heißt in diesem Fall einen Müllsack anziehen und T-Shirts mit dem Aufdruck ‚Rattenball Leipzig‘ (vorne) & ‚Schädlingsbekämpfer‘ (hinten). Es ist bezeichnend für die Debatte um RBL, dass auf die Shirts keine Welle von entsetzten Kommentaren folgte, die Union-Fans aus dessen Reihen diese Shirts nach wie vor als äußerst positiv und teilweise sogar ‚links‘ & ‚progressiv‘ wahrgenommen werden und die Formulierung ‚Rattenball‘ einfach ohne kritische Hinterfragung weiterverwendet wird egal ob dadurch antisemitische Stereotype verwendet werden oder nicht.

‚Also glaube mir, ich habe mit ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus nichts am Hut! ich hab da einfach eine im Fußball gängige Beziechnung übernommen, die die verwenden, die RB nicht mögen.‘Diego Wegner

Warum ist das Motiv so problematisch? Statt die Kommerzialisierung im Fußball allgemein zu kritisieren – selbst Union verkauft die Brust des Trikots an KFZTeile24.com – und das systemimmanente Problem im System zu suchen werden einzelne Personen nicht nur zu Schuldigen (-> personalisierte Kapitalismuskritik) sondern hier auch noch zu Schädlingen beziehungsweise Ratten erklärt, zu deren Bekämpfung die Förster*innen die hinter diesem T-Shirt stecken sehr gerne beitragen möchten. Die antisemitischen Stereotype die hier zu Gründe liegen könnten offensichtlicher nicht sein: RBL wird als falscher Fußballverein wahrgenommen deren Fans & Offizielle (‚Schädlinge‘) ‚bekämpft‘ werden müssen. Nicht nur das bei kommerzialisierten Fußballvereinen (und das sind alle Vereine die in den Profiligen spielen) zwischen guten & bösen unterschieden wird, also ein ähnliche als Kritik getarnte, ressentimentbeladene Trennung stattfindet, wie von den Nationalsozialist*innen wenn sie von ’schaffenden und raffendem Kapital‘ reden. Nein, die ‚Schädlinge‘ sollen auch als solche bekämpft werden & eben nicht das all umfassende kapitalistische System das die alleinige Ursache für die Kommerzialisierung des Fußballs darstellt. Der Schritt die Schuldigen als Juden zu bezeichnen ist dann kein großer mehr und gar nicht erst notwendig um durch die Verwendung des Begriffes ‚Rattenball‘ oder das tragen dieses Shirts einen Beitrag zum allgegenwärtigen Antisemitismus zu leisten. Egal ob bewusst oder unbewusst.

Weiteres zum Thema: Fußballjargon der Eigentlichkeit