Archiv der Kategorie 'Fußball'

Der Tag wird kommen…

…aber nicht vol allein. ‚Jeder Fortschritt wurde immer erkämpft‘.

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Erläuterung einer Polemik.

Noch ein paar Gedanken zu meiner Polemik über die Schickeria.

Erstens: Natürlich ist mir bewusst und ich habe das durch die bewusste Zweiteilung des Textes (SoMetimes antifascist & always white sausage) auch versucht deutlich zu machen, dass es Ultras wie der Schickeria zu verdanken ist: das u.a. Affenlaute bei Ballkontakten von farbigen Spielern, krasse und direkt als solche zu erkennenden antisemitische Sprechchöre & offen gezeigte Nazisymbolik nicht mehr Alltag in jedem Stadion sind. Es ist also richtig, wenn @StefHauser sagt: ‚Hätten sich die Bayerfans, u.a. die Schickeria, Ende 90er / Anfang 2000er wie @GoldsteinChucky lieber daheim aufs Sofa gesetzt, wäre die Südkurve heute noch von Nazis durchsetzt und würde judenfeindliche Lieder singen.‘ Schließlich wurde ‚jeder Fortschritt (..) immer erkämpft.‘ (Wiebusch) Doch für mich ist das nicht genug. Es ging mir nicht darum, mich über die Fankurve zu stellen oder ihr Engagement herabzuwürdigen sondern das was in ihr passiert zu kritisieren. Ich erwarte nicht im Stadion nur mit politisch gleichgesinnten zu sein, zumindest aber erwarte ich einen Konsens in der jede Form von Diskriminierung oder die Herabwürdigung von Engagement gegen Diskriminierung nicht geduldet wird. Hinter der Polemik steckt eine Kritik deren Ziel es ist, auf Missstände aufmerksam zu machen und den ersten Schritt zu tun es etwas besser wird, nicht – wie von manchen behauptet – darum das Engagement der Schickeria herunter zu reden.

Zweitens: Ja, mit dem letzten Abschnitt und vor allem der Aussage ’so­lan­ge sie aber al­ways white sau­sa­ge bleibt schaue ich mir die Spie­le mei­nes ge­lieb­ten FC Bay­ern lie­ber im Fern­se­hen an‘ bin ich wohl ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen. Für die Kritik an der Schickeria ist es nicht relevant ob ich ins Stadion gehe oder nicht, doch die angestaute Frustration über die Fanszene des Vereins den ich liebe wollte einfach raus. Der Sache war dies allerdings wahrscheinlich nicht unbedingt dienlich. Außerdem verweigere ich mich auch keinen Stadionbesuchen, sondern bevorzuge auf Grund der Recht hohen Frustration auf Grund dem diskriminierenden oder mackerigen Verhalten einiger der Fans, das Spiel im TV zu schauen. Auf dem Sofa sitze ich im übrigen nur dann, wenn der FC Bayern deutlich führt, ansonsten laufe ich in der Regel nervös auf und ab.

Drittens: Natürlich ist es anderswo – auch in der von mir erwähnten Kurve des SV Werder Bremen – nicht unbedingt besser oder gar perfekt. Ich bin allerdings Fan des FC Bayern und beschäftige mich deshalb vor allem mit dem FC Bayern und seiner Fankurve.

SoMetimes antifascist – always white sausage.

Die wohl größte Ultragruppe in der Sükdurve des FC Bayern München bekamen den Julius-Hirsch-Preis, benannt nach dem von den Nationalsozialisten ermordeten gleichnamigen jüdischen Nationalspielers, verliehen. Jährlich würdigt der DFB mit der Verleihung nach eigener Aussage ‚Initiativen gegen Rassismus und Antisemitismus‘ (siehe dfb.de). Eine Kritik am vom DFB verliehenen Preis würde an dieser Stelle zu weit gehen, dass der DFB (remember: Kein Fußball) mit Sicherheit nicht konsequent antifaschistisch ist, dürfte jedoch mittlerweile allen klar sein. Daran ändert dieser Preis auch nichts. Es liegt mir logischerweise fern, irgendwie Position zu beziehen ob die Preisverleihung an die Schickeria ‚verdient‘ ist oder nicht. Viel mehr geht es mir darum zu erinnern, dass die Schickeria zwar SoMetimes antifascist ist und ein Engagement gegen Antisemitismus & Rassismus an den Tag legt, auf der anderen Seite aber always white sausage ist und dies durch andere Aktionen immer wieder unter Beweis stellt.

Dankbar bin ich der Schickeria München für ihr Engagement um das Andenken an Kurt Landauer, dass Anfang des Jahres für eine Choreographie gesorgt hat die man als mehr als nur rund um gelungen bezeichnen muss. Ebenso das jährlich stattfindende Kurt-Landauer-Turnier oder Spruchbänder wie am 23.11.2013 nach dem 3:0 Sieg in Dortmund tragen ihren Teil dazu bei. Doch bei Kurt-Landauer-Turnier fängt es schon an: Warum nennt man ein Turnier, dass zum Gedenken eines von den Nationalsozialisten verfolgten Juden stattfindet, antirassistisch? Als ob es Rassismus wäre, der Kurt Landauer zur Flucht aus Deutschland zwang? Warum spricht die Schickeria in Interviews oder sonstigen Aussagen so selten über Antisemitismus, wenn es um Kurt Landauer geht? Etwa weil sich einige verhasste Menschen aus der Kurve des SV Werder die Arbeit gegen Antisemitismus auf die Fahne geschrieben haben und man lieber eine Ultra-Mackeria ist als konsequent antifaschistisch?

Denn Werder ist der Schickeria & andere aus dem Umfeld der Südkurve ein rotes Tuch. Gegen Werder werden, wie beim Rückspiel der letzten Saison in München (5:2 aus Sicht der Bayern), in der eigenen Kurve Transparente wie ‚Fußball, Ficken, Bremer*innen jagen – IB Prolls‘ (von Inferno Baveria) nicht nur geduldet. Nein beim Hinspiel (7:0 aus Sicht der Bayern) zeigt die Schickeria das dieses Transpi wohl das Motto für einige aus der Südkurve sein mag. Abgesehen von der Sinnlosigkeit von Drohgebärden & Gewalt, lässt einen doch vor allem die Kombination aus gendern, für das Inferno Bavaria nicht gerade bekannt ist und der Selbstbetitelung als Prolls eine Ablehnung dem Engagement gegen Sexismus in der Kurve des SV Werder. Eine Gruppe die, anders als die Schickeria, wirklich konsequent gegen jede Diskriminierung einstehen möchte, sollte dies innerhalb der Kurve auch konsequent tun und sich zumindestens von Transparenten wie diesem distanzieren. Aber nicht nur das die Schickeria andere Aktionen duldet, sie selbst zeigen das die Regenbogenfahne in der Südkurve zwar erfreulich ist, aber eben noch lange nicht heißt das man sich konsequent gegen Homophobie positioniert. Gegen den HSV in der Hinrunde der Saison 2013/2014 hielt die Schickeria folgendes Spruchband hoch: ‚Laziali Liberi – CHWDP‘. Nicht nur das man sich mit fragwürdigen Lazio Ultras solidarisiert, nein mit CHWDP bedient man sich gleichzeitig der in Polen gebräuchlichen und homophoben Variante des ohne hin schon fragwürdigen ACABs. CHDWP heißt in etwa so viel wie „schiebt den Bullen den Schwanz in den Arsch“.

Eine homophobe, vor Mackertrum strotzende und Herabwürdigung von Engagement gegen Sexismus tolierende Ultragruppe mag zwar durch aus SoMetimes antifascist sein – das nehme ich immer wieder erfreu zur Kenntnis – solange sie aber always white sausage bleibt schaue ich mir die Spiele meines geliebten FC Bayern lieber im Fernsehen an.

Fragebogen

Alle Jahre wieder ist das Dilemma wieder da. Nationalistischer Taumel auf der einen Seite, wunderschöner Fußball auf der anderen Seite und dazwischen ein Elend das Hand in Hand mit allen weltweit vermarkteten Großereignissen geht. Von Vert et Blanc kam die Bitte sich mal darüber Gedanken zu machen. Ich habe dies während der zweiten Halbzeit des Spiels zwischen der kolumbianischen und der griechischen Herrenfußballmannschaft getan, um zumindest etwas über die Herrenfußball WM gebloggt zu haben. Ich teile wohl die Lustlosigkeit von ‚Vert et blanc‘, ebenso wie das Problem mit der deutschen Nationalmannschaft. Ich versuche dennoch eine interessante Geschichte in die Welt zu setzen.

Mein erstes bewusstes WM-Erlebnis war?

1998, allerdings kann ich mich an kein Spiel erinnern, sondern nur an ein T-Shirt. Die erste bewusste wahrgenommene WM war wohl die WM 2002. Ich hielt zwar proforma, weil es für mich damals alternativlos erschien, für das deutsche Team, aber wirklich angetan hatte es mir der brasialianische Fußball. Ronaldo, Ronaldinho & Rivaldo als Offensivtrio, großartig. So wirklich traurig, war ich dementsprechend über die Finalniederlage des DFB-Teams nicht. Im Gegenteil, meine Schulklasse hatte ein Tippspiel und durch den brasialianischen Titelgewinn war mir der Sieg in diesem Tippspiel sicher. Merke: wenn Deutschland verliert, dann habe ich gewonnen. Mein im Italien Urlaub vorher erstandenes Ronaldo-Trikot trug ich logischerweise auch am nächsten Montag in der Schule, dort fanden es die meisten allerdings weniger witzig.

Unvergessen natürlich auch das Vorrundenspiel der Selecao gegen das türkische Team, in dem Rivaldo einen Ball gegen das Knie geschossen bekam und sich das schmerzverzerrte Gesicht hielt, während er am Boden neben der Eckfahne lag.

Mit welcher WM-Legende würde ich gern einmal Doppelpass spielen?

Zinedine Zidane, ein derartiger genailer Spielmacher hätte mir das Leben als Stürmer beim SV Perouse sicherlich sehr viel schöner machen können. Aus meinem (wenn ich mich recht erinnere) einem geschossenen Tor, hätten zumindest 3 werden können und die Einnahmen die wir durch Zuschauer bekommen hätten, hätten vielleicht auch das Ende der Mannschaft verhinder können und so meinen Zwangswechsel zur D-Jugend des SKV Rutesheim, bei dem ich nach einem Jahr und genau einem Spiel (trotz Sympathien des Trainerteams) meine Karriere vorerst beendete. Mit einmal die Wochen Training und Zinedine Zidane als Mittelfeldmotor, hätte ich es mit dem SV Perouse weit bringen können und mein zweiter Versuch als Fußballer wäre bei Roten Stern Nordost Berlin auf Grund mangelnder Fitness und Motivation nicht spiellos zu Ende gegangen. Das Potenzial dürfte eigentlich vorhanden sein, war ich auf dem Bolzplatz schließlich der König und konnte beim diesjährigen Waldemer-Spier-Pokal mit 6 Toren die Party Army zum Turniersieg schießen.

Welchem TV-Kommentator werde ich bei der WM gerne zuhören?

Generell fände ich englisches Sportfernsehen als gratis Zugabe des Sky-Fußballpaketes sehr wünschenswert. Ansonsten könnte ich mir Axel Prahl sehr gut als Kommentator vorstellen, wenn er nur halb so gut kommentiert, wie er beim ‚wo die wilden Maden graben‘ Hörbuch vorliest, würde ich nichts anderes mehr tun.

Die Iren haben sich für die WM am Zuckerhut leider nicht qualifiziert. Welchem weiteren Land drücke ich neben Jogis Jungs als »Zweitteam« die Daumen?

Erstens: gegen Deutschland geht immer, also freue ich mich in der Vorrunde über jedes Tor eines Portugiesen, eines Ghanaers oder US-Amerikaners gegen Deutschland. Besonders würde es mich natürlich für KP Boateng, CR7 und Julian Green freuen.

Zweitens: den Hype um irische Fußballteams konnte ich noch nie wirklich nachvollziehen, ebenso wenig wie die ‚linke Passion‘ für Celtic.

Drittens: Wie bei jeder Weltmeisterschaft freue ich mich über Tore der Selecao aus Nostalgie (siehe oben), Tore der three Lions aus Sympathie (‚…and the RAF of England shout one down‘) und über Tore der US-Boys aus Prinzip (‚USA USA USA').

Zu Jogis Jungs: Meine beiden Lieblingskicker aus dem deutschen Kader sind?

Mario Götze und Jerome Boateng, allerdings nur wenn sie gerade ein Bayerntrikot tragen. Sollte sich der FC Bayern tatsächlich Julian Draxler holen, könnte auch dieser einer meiner Lieblinge werden. Selbstverständlich aber niemals im weißen Trikot mit dem Adler drauf.

Wie weit kommen Jogis Jungs?

Je schneller das Team rausfliegt, desto schneller werden die Deutschlandfahnen wieder abgehängt. Zumindest hoffe ich das.

Wer wird am 13.07.2014 im Maracanã Weltmeister?

Ich hoffe auf ein Finale zwischen Brasilien und England (ist das rechnerisch überhaupt möglich?). Ich werde mir dann entspannt einen Whiskey Sour mischen, mich zurücklehnen und mir hoffentlich spannende 90 Minuten plus X anschauen. Am nächsten Morgen werde ich das entsprechende Siegerleibchen anziehen und entspannt in die Universität schlendern.

Jetzt müsste ich noch zwei Leute nominieren, oder? Dann nehme ich Dora Kristina, in der Hoffnung ihren Blog damit wieder in die Aktivität zu drängen und den werten senSATZionell, aus bajuwarischer Zuneigung.
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Vielleicht gibt es noch etwas ausführlicheres zur WM von mir, fürs erste war es das.

Endlich wieder granteln.

Zwei Traditionsvereine der ersten Bundesliga befinden sich im Abstiegskampf, während der FC Bayern München seit Ende März offiziell deutscher Meister 2014 ist, im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund steht und im Champions League Halbfinalhinspiel nach Aussage der eigenen Spieler gegen Real Madrid ‚dominiert‘ (Lahm) hat. Also alles ‚Super super‘ (Pep)? Von wegen.

Seit dem Gewinn der Meisterschaft gegen Hertha BSC im März ist irgendwie die Luft raus und auch in den Spielen davor, führte das neue Pep-System nicht mehr zu der Dominanz die seit Oktober 2012 zur bayrischen Selbstverständlichkeit gehört. Die Ernüchterung die nach der Euphorie des Triplesieges und des neuen Trainers zwangsläufig kommen musste oder doch die ersten Anzeichen, dass Pep zwar kein Jürgen Klinsmann ist, aber leider eben auch kein Jupp Heynckes.

Der FC Bayern München scheint satt geworden zu sein. Satt nicht etwa an Ballbesitz, aber satt an Toren. Denn trotz überlegendem Ballbesitz gegen Real Madrid (aus diesem Ballbesitz enstand gegen Barcelona noch logischerweise ein überragendes 4:0 in München und ein nicht weniger ansehnliches 3:0 in Barcelona), war für Kommentator Reif die Bestia Negra, was übrigens nichts mit Bayern oder ihren schwarzen Leibchen zu tun hat, ‚zahnlos‘.

So zahnlos, wie schon in den vier Bundesligapartien seit Gewinn der Meisterschaft, von denen 2 verloren gingen (zu Hause mit 0:3 gegen den BVB und auswärts mit 0:1 gegen Augsburg) oder dem zwar vom Ergebnis her überragendem, aber spielerisch nicht wirklich anspruchsvollen Pokal-Halbfinale gegen Kaiserslautern. Lediglich 30 Minuten im Rückspiel des CL-Viertelfinales gegen Manchester machten Hoffnung auf mehr. 30 Minuten, in denen Bayern direkt auf den Rückstand reagierte und Manchester United so dominierte, wie es in der Hinrunde beim Auswärtsspiel gegen Manchester City und Bayer Leverkusen der Fall war. Das wirklich bemerkenswerte daran war, dass diese überragenden 30 Minuten nicht durch das Pepsystem erreicht worden waren.

Das Pep-System hatte zwar das viel umjubelte Bundesligaspiel gegen Bayer 04 Leverkusen dominiert, aber dort eben auch nur 1:1 gespielt und ähnlich wie in Madrid den Zug zum Tor vermissen lassen. Der Ball rotiert wunderschön in den Reihen der Münchner und bis auf die Konter der Madrillen sah das auch ganz anschaulich aus, nur Madrid verwandelte einen Konter (und hatte auch noch Chancen auf mehr Tore), während Bayern kaum Torchancen hatte. Erst die Einwechslung von Martinez, Götze und Müller für Ribery, Rafinha und Schweinsteiger brachte die Wende. Erst als Lahm die ihm im Pepsystem angedachte 6er Position verließ und auf der rechten Außenbahn spielte, erst als im Mittelfeld Martinez unauffällig aber souverän für die Ruhe sorgte, die dem Triplesieg vor raus ging, erst als der unfassbar gutaussehende Götze, den symptomatisch für den FC Bayern neben sich stehenden und vor allem spielenden Ribery ersetzte und der in die Jahre gekommmene Traber des Jahres ehemals Fußballgott, dem immer für Überraschung sorgenden Müller wich, entstanden so etwas wie echte Torchancen.

Ob der Fehler im System liegt oder die Verpflichtung Lewandowski den fehlenden Torhunger bringen wird oder ob der FC Bayern im Rückspiel dominant mit Torerfolg in das Finale einzieht und das Triple sogar verteidigen kann, dass ist mir eigentlich völlig egal. Nach fast 2 Jahren, bin ich froh das ich endlich wieder, wenn auch nur für den Moment granteln kann. Das ich mich an Guardiolas Coolness und seinen Aussagen nach dem Spiel stören kann, auch wenn ich selbe Aussagen nach dem Champions League Gewinn retrospektivisch lieben werde. Endlich wieder jammern auf hohem Niveau, endlich wieder durch absoluten Siegeswillen und Effenbergmomente den Hass von Fußballdeutschland ernten, den der FC Bayern durch sein sympatisches Spiel verloren hat. Auf das am 17. Mai ‚das ganze Stadion, ach was, ganz Fußballdeutschland außer die Bayerfans gegen uns sein werden‘ (Kahn), denn es gibt verdammt noch einmal nichts geileres.

#poebelicious