Archiv der Kategorie 'PRSLM'

Termine im März.

10.03.2015:
Vortrag über „Antisemitismus und Fußball“ in Chemnitz plus DJ-Set
12.03.2015:
Kurzer Input zur „Genese des Antisemitismus“ in Berlin
16.03.2015:
Nie wieder Deutschpop im N64 in Berlin
19.03.2015:
PRSLM in Fürstenfeld-Bruck
26.03.2015:
PRSLM @ Dresden Nazifrei Soliparty

Für eine Wiedererrichtung des Denkmals “Ruine der Dresdner Frauenkirche”

Im folgenden möchte ich eine sehr begrüßenswerte Petition dokumentieren:

„Diese Petition fordert von der Stadt Dresden, dem Freistaat Sachsen sowie der “Stiftung Frauenkirche” eine Wiedererrichtung des alten Denkmals “Ruine der Dresdner Frauenkirche” durch eine kontrollierte Sprengung des historisierenden Neu- bzw. Nachbaus, der derzeit dessen Platz belegt. Eingerahmt werden soll die Wiederherstellung des Denkmals in eine Zeremonie, in der an die Verbrechen des historischen und aktuellen Nationalismus erinnert wird.

Nach der feierlichen Sprengung weiter Teile des derzeitigen Gebäudes und anschließender Prüfung der Standfestigkeit der Ruine durch Statiker und Architekten soll aus dem so neu entstandenen Denkmal ein Ort der Begegnung, Erinnerung und Diskussion werden, an dem die Sächsinnen und Sachsen sowie alle anderen Deutschen sich mit den Folgen eines enthemmten Rechtsradikalismus auseinandersetzen können. Denkbar sind u.a. Gedenktafeln, auf denen in Deutschland angegriffene Flüchtlingsunterkünfte oder hetzerische, rechtsextreme Zitate von Politikern, Medien und Personen des öffentlichen Lebens vermerkt werden (müsste jeweils täglich aktualisiert werden).

Die endgültige Wiederherstellung des alten Denkmals sollte an einem historisch bedeutsamen Tag stattfinden, wie z.B. dem 14. Februar, 27. Mai oder 30. Oktober. Bei entsprechendem – positiven wie negativen – Feedback der Bevölkerung ließe sich auch über eine Erweiterung des Projekts auf andere zweckentfremdete, ehemalige Mahnmale wie z.B. das Berliner Reichstagsgebäude nachdenken.

Bitte helfen Sie Dresden ein einzigartiges Mahn- und Gedenkmal zurückzugeben und ein Zeichen gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

Begründung:
Die Ruine der Dresdner Frauenkirche gehörte nach 1945 lange Zeit zu einem der beeindruckendsten Denkmäler Deutschlands; gegen den Krieg und vor allem auch gegen den Nationalsozialismus, der diesen heraufbeschworen hatte. Durch das Bemühen verschiedener Interessensgruppen kam es nach 1989 zu einem historisierenden Nachbau des alten Gebäudes, das zuvor den Platz dieses beeindruckenden Mahnmals eingenommen hatte. Durch diesen Neubau ging die Symbol- und Wirkkraft eines der wichtigsten deutschen Denkmäler seit 1945 für immer verloren.

Die Ruine der Dresdner Frauenkirche war nicht zuletzt auch ein Symbol gegen den Nationalsozialismus, ein monumentales “Nie Wieder!”, das als Erinnerungs- und Mahnmal mitten in Dresden thronte. Der in den letzten Jahren erstarkte Rechtsradikalismus, die Anschläge gegen Asylunterkünfte, die Gewalt gegen Flüchtlinge und die unverhohlene aggressive Agitation von Gruppen wie Pegida, zeigen deutlich, wie sehr Sachsen derzeit ein solches Denkmal fehlt.

Aufgefordert sind alle Deutschen, im besonderen aber alle Sächsinnen und Sachsen, diese Petition zu unterzeichnen. Ich verspreche mir von einer Wiederherstellung des Denkmals “Ruine der Dresdner Frauenkirche” einen symbolischen Akt, der alle Rechtsradikalen, Nationalisten und Rassisten mit den Folgen ihrer Ansichten und Handlungen konfrontiert.

Die Stadt Dresden würde zudem um ein beeindruckendes, historisch wertvolles Denkmal reicher werden.“

https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-eine-wiedererrichtung-des-denkmals-ruine-der-dresdner-frauenkirche

Zum Thema:

Frauenkirche

Am 13|02|1945 bombadierten die britische Luftwaffe Kommando von Sir Arthur Harris die Stadt Dresden. Dieser Angriff war Teil der Angriffe auf die Säule eines mörderischen Regimes, dass die Zivilgesellschaft abgeschafft hatte, die Trennung zwischen Armee und Bevölkerung aufgehoben hatte und sich so im totalen Kriegszustand sich befand. Jahrelang war die zerstörte Frauenkirche in Dresden eine Mahnung, dass Verbrechen, wie sie von Deutschland im dritten Reich begangen worden waren, nicht ohne Konsequenzen blieben konnten. 45 Jahre nach Kriegsende wurde die Kirche wieder aufgebaut und das Symbol der deutschen Genesung erbaut. Diesen Zustand prangern wir an, denn für uns ist „KEIN VERGEBEN, KEIN VERGESSEN“ mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Deswegen fliegen wir symbolisch nach Dresden ohne zu landen und konstatieren „als Ruine macht sie am meisten Sinn“.

Freedownload wav | Freedownload mp3

Text und Ton stammen von PRSLM.
Aufgenommen und gemischt wurde es von und bei Backbone Beatz.
Das Bild hat PoldisOmaStudios gebastelt.

LINDE EP

Name: LINDE EP
Releasedate: 13|12|2015

Tracklist: 01 Antijugend (feat. MCE) // 02 Linde // 03 Sachzwänge // 04 Ohnmacht // 05 Nicht am Joint gezogen (Prelude) // 06 Zünd den Dschungel an
Bonusdreck und Remixe (nur auf CD): 07 Marihuana & FC Bayern (feat. MC Halbzeitbier) // 08 Prenzlingen Calling // 09 (Techno)² USA (Videoversion) // 10 (Stone) – Pillen gegen Alles (Mescaline Remix) // 11 LXSZW- (Techno)² USA (Ultimate Smackdown Remix)

Download & DIY-CD (8€).
Bestellung der CD über: technotechnousa[at]googlemail.com
Download ab 13|12 über: prslm.bandcamp.com

Magdeburg & Wurzen.

Der Dezember beginnt direkt mit zwei Veranstaltungen.

Am 03.12.2015 – Magdeburg, Vortrag und Auflegerei.
Ich referiere über Deutschpop:

Auch wenn es die Fans von Bands wie Frei.Wild oder den böhsen onkelz nicht wahrhaben wollen, so sind sie nicht nur Anhänger von Rotzrockbands mit fragwürdigen Einstellungen, sondern glauben an die Möglichkeiten des Unmöglichen: an unpolitische Popmusik. Denn diese lässt sich weder frei von der ökonomischen Basis, noch der sozialen Situation des Interpreten, noch der historischen Phase in der sie konsumiert wird oder wurde betrachten. So traurig die kapitalistische Realität hinter der schillernden Popfassade klingen mag, die Wahrheit ist: Produkte der Kulturindustrie wollen unsere Gefühle ansprechen und unsere Bedürfnisse erfüllen, dass wir sie konsumieren und uns vom und für den Arbeitsalltag zu erholen.

„Adorno hatte Recht: die Welt ist schlecht!“ und selbige Aussagen lassen sich auch über die Realität der Popkultur sagen. Die Diktatur der Angepassten, in denen freiwillig auf jedwede Form von Subversion verzichtet wird beherrscht die Gegenwart des deutschen Pop. Während der großen ökonomischen Krise unbekannten Ausmaßes steht auf Platz 1 der Charts ein singender Pandabär, der mit sexistischen Stereotypen erklärt: „mach dir nie mehr Sorgen um Geld“. Die Konsument*innen dieser Musik scheinen eben genau dieses Bedürfnis beziehungsweise diese politische Forderung, bloß nichts mehr von Politik wissen zu wollen, in sich zu tragen oder um es mit Grim104 zu sagen: „kurz vor dem Kollaps lässt sich keiner die Laune vermiesen“.

Doch es wäre nicht Deutschland, wenn es nicht immer noch schlimmer gehen würde. Es wäre nicht Deutschland, wenn die tatsächliche Rebellion gegen den kulturindustriellen Alltag nicht eine Rebellion für noch regressiveres wäre. Und so ist die scheinbar einzige Rebellion, die sich in der Popkultur beobachten lässt – nicht nur eine systemimmanente – sondern gar eine durch und durch konformistische. Eine konformistische Rebellion von Musikern wie Frei.Wild, den böhsen onkelz oder Xavier Naidoo. Eine Rebellion die hinter die individualistischen Errungenschaften des Reeducationprogramm Pop zurückfallen will.

Als das wohl effizienteste Reeducation Programm im Zuge der ersten globalisierten Jugendkultur endgültig die deutsche Jugend in seinen Bann zog, da tragen Welten aufeinander. Eine Elterngeneration die im Gleichschritt halb Europa in Schutt und Asche legte und Sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern auf grausamste Weise entmenschlichte und anschließend industriell ermordete. Und eine Generation die gepackt war vom individualistischen Glücksversprechen der amerikanischen und britischen Popkultur und lieber wilde Orgien im Schlamm und Kommunen veranstalte, als die kleinste Zelle des Faschismus am Leben zu erhalten. Der als Studierendenrevolte in die Geschichte eingegangene Generationenkonflikt, war die ideologische Schlacht zwischen popkulturellem Glücksversprechen und deutscher Ideologie.

Fünfzig Jahre später sind Xavier Naidoo, Frei.Wild und die böhse onkelz traurige Realität im deutschen Pop und sogar waschechte Nazis sind Pop – inklusiver eigener Mode und Szenecodes. Das popkulturelle Glücksversprechen scheint im Nachhinein doch verloren zu haben gegen die deutsche Ideologie oder viel mehr noch: die deutsche Ideologie scheint mit Hilfe des popkulturellen Glücksversprechens wieder en vogue zu sein. Und so ist das, was zur Zeiten des „natural born antideutschen“ (Frank Apunkt Schneider) Reeducationprogramms undenkbar war, mittlerweile Realität.

Dieser Vortrag soll mit Hilfe von Hörbeispielen den Werdegang des Pop in Deutschland vom einstiegen Reeducationprogramm zum Soundtrack der Diktatur der Angepassten und der konformistischen Rebellion nachzeichnen und kritisch beleuchten und darlegen warum kein Frieden mit Deutschpop zu machen ist. / Der Referent produziert Musik, legt sie auf, schreibt darüber und studiert ihren kulturellen und ökonomischen Kontext.

Und am 05.12.2015 – Wurzen, Auftritt mit PRSLM
Wir springen für den leider verletzten Roni87 ein und freuen uns zum ersten Mal ein paar Songs der bald erscheinenden LINDE EP (Infos folgen in Kürze) präsentieren zu können.

Wir sehen uns in Magdeburg und Wurzen.