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Paul Würdig und die Antijugend.

„Privilegiertes Kind aus der Mittelschicht, um euch zu ertragen reichen die Mittel nicht.
Paul Würdig, nur du bist schuld daran, dass aus mir nichts werden kann.“

- PRSLM – Antijugend

Geneigte Fans der deutschsprachigen Pop und Rapmusik werden sicher die Anspielung auf Veedel Kaztro und damit auch die Anspielung auf Tocotronic erkannt haben. Diese popkulturell bewanderten Hörern werden sicherlich auch die Aussage, die mit Hilfe dieser zwei Songs in dieser einen Textzeile steckt, erkannt haben: werden die Generation von Dirk von Lotzow geprägt durch die Werke Michael Endes keine Möglichkeit mehr besitzt in der Gesellschaft Fuß zu fassen, geht es der jüngeren Generation um Veedel Kaztro und mir ähnlich, nur eben das ihr Leben durch die Werke eines Paul Würdigs geprägt wurde.

Deutschland kritische an Deutschrap Interessierte – zu denen ich mich im eingangs zitierten Song, durch die Bezeichnung als“Kultur schaffender, Deutschland hassender Sprechgesangsartist mit Hang zum Gift“ selbst zähle – werden sicherlich an dieser Stelle anmerken, dass Paul Würdig besser bekannt als Sido mit seinem rumgeliege auf der Wiese vor dem Reichstag, doch eigentlich jedwede positive Referenz verbiete.

Ich könnte es mir an dieser Stelle leicht machen und darauf verweisen, dass die Aufnahmen des Songs „Antijugend“ bereits vor Veröffentlichung des kritikwürdigen Sido Songs geschehen sind. Ich möchte es mir aber nicht einfach machen. Ich möchte offen und ehrlich bekunden, dass auch abseits des Songs der gute Paul Würdig „Erwachsen geworden ist“ und der noch viel bessere Prezident recht hat, wenn er sagt: „als würdet ihr nicht angepasst, wenn ihr Erwachsen sagt meinen“. Kritik an Paul Würdig ist mehr als angebracht und steht auch nicht im Widerspruch zur eingangs zitierten Textzeile. Denn hinter dieser steckt eingebettet im Kontext der Strophe eine andere Bedeutung, als ein affirmativer Bezug auf Sido.

Logischerweise behandelt Antijugend, die eigene Jugend abseits der gesellschaftlichen Erwartungen. Die direkt vor dem – musikalisch vom Rest der Strophe abgegrenzten – Zwischenpart platzierte Line: „Marihuana und FC Bayern / Grasverbrauch stieg beim Feiern“ illustriert die Notwendigkeit des Cannabiskonsums des lyrischen Ichs, um die Partys der anderen Jugendlichen zu ertragen. Im Zwischenpart selbst wird die Verwurzelung im sozialen Milieu der Eltern reflektiert, der Dissenz mit den übrigen Jugendlichen aus dem selben Milieu bekundet und schließlich der Bezug zu Sido hergestellt. Ehe direkt nach dem Zwischenpart, sich das lyrische Ich von dieser Phase – MC Halbzeitbier: ein Freestyle Alter Ego, dass in dieser Phase entstanden ist und auf einem Bonustrack der Linde EP („Marihuana & FC Bayern“) noch einmal zu hören ist – bewusst emanzipiert. Dementsprechend geht es in keinem Fall darum das gegenwärtige Schaffen von Paul Würdig einen positiven Bezugspunkt abzugewinnen, viel mehr geht es darum die Bedeutung des Schaffens von Paul Würdig in eben jener Phase fest zu stellen und eben auch anerkennen, dass diese Phase – trotz Emanzipation von ihr – das weitere Schaffen des Protagonisten der ersten Strophe stark geprägt hat. Die konsequente daran anknüpfende Frage ist sicherlich einfach, aber ist dennoch wert gestellt zu werden.

Warum?

Mit 18 befand ich mich was mein Rapstate of Mind angeht etwa in der selben – wenn auch erwachseneren – Phase, wie in der Zeit bevor Aggro Berlin allgemein und Sido im Besonderen in mein Leben traten. Dieser State of Mind liegt irgendwo zwischen Blumentopf und Einfamilien beziehungsweise Reihenhaus und hat sich als Ziel gesetzt in Münchens Innenstadt zu ziehen. Um ihn in wenigen Worten zu beschreiben zitiere ich am Besten Blumentopf selbst:

„Meine Wohnung ist im ersten Stock
In dem Block mit der Schneiderei im Erdgeschoss
Wo man mich nicht grüsst sondern gegen Wände klopft
Wo keinem was entgeht, weil jeder aus dem Fenster glotzt
Wo Gerüchte sich verbreiten wie ein Kettenbrief
Und man sich den Kopf zerbricht wie ich mein Geld verdien‘;
Wo man selten jemand lächeln sieht und es im Treppenhaus nach Essen riecht
Wo’s kein Mensch interessiert wenn Du einmal Hilfe brauchst
Sogar der Hausmeister macht Dir hier die Tür‘ nicht auf
Hauptsache ist Du rückst die Miete raus, wo Du Schiss hast wenn Du Tüten rauchst
Oder dass die Oma neben Dir das Gas vergisst
Wo Künstler noch ‚n Schimpfwort und keine Arbeit ist
Wo man es hasst wenn Du ’ne Party gibst, weil das ganze Haus am schlafen ist
Wo du an ’nem Dienstag nicht lange schläfst
Weil die Müllabfuhr direkt vor der Garage steht
Wo der Nachbar gerne Rasen mäht, wo man Treppen putzt und Straßen fegt
Ich wohn‘ direkt in Münchens Innenstadt
Wo man kein Garten braucht, weil man hier die Isar hat
Und Leute wisst Ihr was? Ich lieb‘ die Stadt!

Und dann kam Sido, erzählte das er die Juice geklaut hätte und darin eine CD mit eben jenem Song von Blumentopf gefunden hätte und das ich – in meinem Einfamilienhaus – ihn auslachen würde. Als ich begann mit eben jenem provinziellen State of Mind das erste Mal in Konflikt zu geraten und auch mit der reflektierten pseudoalternativen in Wahrheit aber affirmativen Rapversion davon, liefert Sido mir eben genau jene kulturindustrielle Projektionsfläche, die mir mittels VIVA, MTV und Bravo die notwendigen Produkte zur Rebellion lieferte samt der wohl größten Hymne, die jemals auf die Distinktion geschrieben wurde: Schlechtes Vorbild. Natürlich war diese Rebellion auf Grund ihrer Warenförmigkeit sicherlich im System verankert und auch nur die Rebellion eines „privilligierte Kindes aus der Mittelschicht“. Oder um es mit B-Tight und Sido selbst zu sagen:

„Ihr seid mit uns aufgewachsen
Ihr wart zwölf, als wir die erste Platte draußen hatten
Ihr wolltet es auch so machen
Aufdrehen, auf die Welt ‚n Haufen kacken
[…]
Weißte noch, wie du die ersten Tapes gekauft hast?
„Play“ gedrückt, mitgerappt, du dachtest, dass du’s drauf hast
Schauplatz war dein Kinderzimmer vor dem großen Spiegel
Du wolltest dich so cool wie deine Idole fühlen
Reden wie ein Asi, bloß nicht auf die Eltern hören
Du wolltest zerficken, deine perfekte Welt zerstören

Kurzum: Konsumierbare Antihaltung und Abgrenzung gegenüber die Dorfgemeinschaft und genau auf diese möchte ich mich in dieser Line beziehen. Sicherlich lassen sich in den späteren Werken von Sido noch weitere kritische oder „subversive Elemente“ finden, doch um diese ging es bei dieser Textzeile und somit auch bei dieser Erklärung nicht.

XOXOXOXOXOXO

PRSLM – #ANTIJUGEND (feat. MCE)
-> Download ab 20|11|2015
PRSLM – LINDE EP
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Linde: Ankündigung.

linde

Remix Contest

sas

Brumm. Brumm. Sheesh.
Wir – PRSLM – hätten gerne drei Remixe als Bonusdreck für das nächste Release. Leider hat David Guetta keine Zeit, Dexter hat kein Bock und Egotronic machen mittlerweile Punkrock. Deswegen versuchen wir das jetzt mit einem Remixcontest.

1) PM schreiben welchen Song* ihr remixen wollt.
2) Ihr bekommt die Spuren und bastelt was daraus.
3) Die besten (oder warscheinlich einzigen) drei Remixe landen als Bonusdreck auf dem nächsten Release und werden mit Pfeffi, Sternburg und Liebe überhäuft.

Einsendeschluss ist der dritte Oktober.

Für Spuren bitte eine Mail an chuckygold@gmx.de oder FB Nachricht an PRSLM.

*Bisher haben wir ein Release mit 6 Songs und einem Outro.

Reich & Schön

A B G E S A G T!

Der Autor ist zwar leider nicht reicht, aber für schön hält er sich zumindest und aus diesem Grund ist es nur konsequent wen das REICH UND SCHÖN Festival ihm am Samstag die Möglichkeit einräumt dem Publikum um 16 Uhr erst seine popkulturelle Theorie und später gegen 18:45 Uhr auch – als vokalisierender Part der Technorapformation PRSLM – noch seine popkulturelle Praxis näher zu bringen.

Zur Theorie:
Auch wenn es die Fans von Bands wie Frei.Wild oder den böhsen onkelz nicht wahrhaben wollen, so sind sie nicht nur Anhänger von Rotzrockbands mit fragwürdigen Einstellungen, sondern glauben an die Möglichkeiten des Unmöglichen. Popmusik kann nämlich niemals unpolitisch sein, so sehr es auch von den Interpret*innen gewünscht wird, sie werden scheitern. Ein Mensch kann sich niemals völlig frei von seiner Umgebung, Sozialisation und politischen bzw. ökonomischen Situation artikulieren. Noch viel weniger kann er der Totalität des gegenwärtigen Systems entfliehen. So steckt in jedem Musikstück zwangsläufig eine politische Aussage, die vielleicht gar nicht beabsichtigt ist.

Wenn Cro die ökonomischen Problem im Kapitalismus mit sexistischen Feelgood Raop und ‚mach dir nie mehr Sorgen‘ beantwortet und damit auf Platz 1 der Charts landet, dann sagt das sehr viel über das Verhältnis der gegenwärtigen Generation zum kapitalistischen System in dem wir uns befinden. Wenn Haftbefehl über eine „Sommernacht in Offenbach“ berichtet, dann berichtet er auch über eine Welt voller rassistischer Normalität und Verbrechen. Wenn allerdings Musik zur Verpackung einer politischen Aussage wird, dann ist die Grenze zwischen Kunst und Propaganda verschwommen oder gänzlich überschritten. Das ästhetische der Kunst gerät in den Hintergrund und die Politik gerät in den Vordergrund und das Ganze klingt dann wie Holger Burner.
Während des Vietnamkrieg begann die erste Welle der popkulturellen Globalisierung, die Gott sei Dank auch vor Deutschland nicht halt machte. Der popkulturelle Reeducationprozess begann allerdings schon früher, durch die in Deutschland stationierten alliierten Soldat*innen. Doch seinen vorläufigen Höhepunkt fand dieser Prozess definitiv in der ersten Welle der popkulturellen Globalisierung, dessen unmittelbare Konsequenz auch ein von Popkultur geprägtes Aufbegehren der Studierenden zur Folge hatte. Das radikale Versprechen der Popmusik war und ist bis heute die Rebellion und das Aufbegehren, gegen die Elterngeneration. Gerade damit war Pop besonders provokant gegenüber der veralteten, von Autoritäten geprägten und immer noch von Nazi- & Kaiserreichstrukturen bestimmten Gesellschaft der beiden deutschen Staaten.

Pop spiegelt in Deutschland seit gut 60 Jahren den Geist der jüngeren Generationen wieder. Ziel einer kritischen Analyse ist es diesen Geist zu erkennen, zu benennen und zu kritisieren. An Hand von Hörbeispielen soll erklärt werden auf welchen Ebenen politische Botschaften im Pop funktionieren, welchen Einfluss Pop auf das politische Geschehen in Deutschland hatte und wieso der Popsong auf Platz 1 der Jahrescharts so viel über das vergangene Jahr aussagt.

Zur Praxis:
PRSLM (sprich: Perousalem) ist das Ergebnis eines mit der Trennung der Electropunkformation GoldKitty entstandenen Prozess, der von 2011 bis 2013 diverse musikalische Versuche und menschlische Konstelationen unter dem Namen ‚Perousalem Diary‘ bzw. ‚Perousalem‘ hervorbrachte. PRSLM sind ein MC, ein Beatproducer, ein Live-DJ und die daraus resultierende Musik. PUNKT.

Techno Techno USA | Demotape 2015:

Live Videos:

-> Reich & Schön Festival auf Facebook.

PRSLM – Demotape

Die Technorapformation dessen vokalisierender Teil ich bin hat zum ersten Mal ein paar Tracks veröffentlicht. Das Endprodukt eines Prozesses der im Sommer 2011 als Perousalem Diary begann und über Electropunk, schlechtem Hip Hop, einem Onetakefreestyle Tape in der Technorapformation PRSLM mündete hat alte Perousalem Diary Tracks überarbeitet, die merkwürdigen Perousalem Zeiten hinter sich gelassen, ein bisschen rumexperimentiert und am 13ten Februar Musik mit einer Gesamtspielzeit von 19:45 in die großen Weiten des Netzes geladen.

Track 1 – Intro: Musik von PRSLM, überarbeiteter Perousalem Diary Track, Vocals von PRSLM & Hardchor (Fancy Fränzi, DJ Babyface, Patze & MC Halbzeitbier), Text geklaut bei Supershirt, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Track 2 – Dschungel: Musik von PRSLM, überarbeiteter Perousalem Diary Track, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Juni 2014.

Track 3 – Pillen gegen alles: Musik von PRSLM, überarbeiteter Perousalem Diary Track, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Track 4 – Løhnarbeit: Musik von PRSLM, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Track 5 – K_ein Blick zurück: Musik von PRSLM, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Track 6 – Fetzen einer Existenz: Musik von PRSLM, Vocals von PRSLM, aufgenommen und abgemischt im Januar 2015.

Treffen 7 – Outro: Musik von PRSLM.

Soetwas ähnliches wie ein Pressetext, weil unser Booker meinte das wir das brauchen:
PRSLM – der schönste Wikinger und ein hyperaktiver Sprechgesangsartist.

Es war einmal ein hyperaktiver Sprechgesangsartist, der von musikalischem Projekt zu musikalischem Projekt tanzte. Er nahm dieses und jenes Instrument in die Hand und versuchte auf diese oder jene Art und Weiße seine Gedanken im Takt der Musik in Worte zu passen. Eines Tages gab man diesem hyperaktiven Sprechgesangsartisten und seinen damaligen Mitstreitern die Möglichkeit, auf einer Bühne aufzutreten. Doch seine Mitstreiter wollten am Abend vor dem Auftritt nun doch nicht mehr auf diese Bühne und erklärten ihm er müsse das schon alleine machen. Der hyperaktive Sprechgesangsartist blieb die ganze Nacht wach und schusterte aus all seinen wirren Gedanken in seinem Zimmerchen ein paar Ravepunk Tracks zusammen und brachte damit das Publikum zum Tanzen. Perousalem Diary war geboren und er machte fleißig weiter, veröffentlichte ein paar Lieder im Internet und suchte sich neue Mitstreiter, doch diese gingen ebenso schnell wie sie gekommen waren. Er strich das Diary und begann sich auf seine musikalischen Wurzeln zu besinnen: Hip Hop. Er veröffentlichte eine CD auf der er sich einen Featuregast einlud. Einen wunderschönen Wikinger der einst am Keyboard einer Metalband dieselbe Bühne bespielt hatte wie er. Zusammen waren sie Schwul&Bekifft und beschlossen bald mehr gemeinsam zu machen, doch der Sprechgesangsartist musste erst ausziehen in die große Hauptstadt und alleine ein Mixtape aufnehmen ehe er den Namen Perousalem endgültig begraben konnte und gemeinsam mit dem schönsten Wikinger als Technorapformation PRSLM, die Ravepunk-Ästhetik von Perousalem Diary & die Hip Hop-Attitüde von Perousalem zu vereinen. Zur Umsetzung dieses Vorhabens steht auf der Bühne noch ein gewisser Kiba hinter den Decks.

Kurz gesagt: PRSLM (sprich: Perousalem) ist das Ergebnis eines mit der Trennung der Electropunkformation GoldKitty entstandenen Prozess, der von 2011 bis 2013 diverse musikalische Versuche und menschlische Konstelationen unter dem Namen ‚Perousalem Diary‘ bzw. ‚Perousalem‘ hervorbrachte.

Kürzer gesagt: PRSLM sind ein MC, ein Beatproducer, ein Live-DJ und die daraus resultierende Musik. PUNKT.

Am kürzesten gesagt: PRSLM | Technorap.

Bookinganfragen bitte an info@zweihorn-booking.de