Archiv der Kategorie 'Rassismus'

Der Boss

Ein nationalistischer, Antisemitismus verhamlosender, rassistischer und homophober Sexist.

Nach dem der Boss seine Homophobie und seinen Sexismus hinlänglich in diversen Texten belegt hat, hat er sich in der Promophase des neuen Albums ‚KING‘ scheinbar entschlossen, nun noch mal eine Schippe drauf zu legen.

1.) Zu aller erst war da ein Interview in der diesjährigen März-Ausgabe der JUICE in dem der Boss ganz ungeniert von der Höherwertigkeit deutschem Raps gegenüber amerikanischem Rap spricht, mehr (Deutschrap)patriotismus einfordert und die deutsche Sprache an sich höher als andere Sprachen stellt.

2.) Als nächste kamen Fard & Snaga mit ihrem Song ‚Contraband 2‘ und auch hier ließ es sich der Boss nicht nehmen seinen Senf dazu zu geben: ‚Ey, ganz ehrlich: Du kannst heute noch nicht mal das Wort ‚Jude‘ verwenden, ohne als Antisemit dargestellt zu werden. Noch nicht mal das Wort ‚Israel‘. Du darfst nichts gegen die Politik eines Landes sagen, ohne, dass die Nazikeule geschlagen wird. Du darfst die deutsche Flagge nicht hochhalten, ohne, dass du direkt ein Nazi bist. Gesunder Patriotismus in diesem Land, der auch gute Auswirkungen haben kann für’s Selbstbewusstsein des Einzelnen.‘ Antisemitismus? Gibt es gar nicht wirklich für Kollegah und sowieso, möchte er nochmal für sein patriotisches Anliegen werben. Gegen Juden und für Deutschland steht in direktem Zusammenhang und in einer Tradition, die der Boss nicht brechen will.

3.) Pünktlich zur Veröffentlichung seines Album ‚KING‘ bringt der Boss noch einen relativ belanglose 0815-‘geh deinen Weg, aber bleib dabei ehrlich‘-Track heraus, der für viele Leute sicherlich ganz schön deep sein mag. Er ist es aber nicht, er ist belanglos, findet sich mit den Gegebenheiten ab und schiebt die Schuld der ganzen Misere in der wir alle leben auf die einzelnen Menschen, statt das große und ganze System in Frage zu stellen. Soweit so furchtbar, aber das wäre noch nicht weiter berichtenswert, schließlich gibt es zahlreiche Songs mit dieser Thematik (u.a. einen von Herrn Deluxe), doch der Boss verfolgt seinen 3 Punkte Plan konsequent. Neben Homophobie und Sexismus, sollen auch Nationalismus, die Verharmlosung von Antisemitismus und wenn wir schon dabei sind auch noch Rassismus hinzukommen. ‚Du bist der Boss (…) wenn du allein als Deutscher kämpfst gegen 5 Türken aus dem Block. Weil du stolz und Ehre hast und keinen fürchtest außer Gott.‘.

Ey Kollegah, du magst vielleicht der Boss sein, aber ich habe ein Problem mit Autoritäten und dieser Nation.

Chabos wählen nicht die CSU

‚Der Text ist nicht mein Geschmack, ich finde nicht gut, was er beschreibt. Aber abgesehen davon versteht man ihn gar nicht, wenn man das Lied hört. Ich wollte nicht den Song promoten, von dessen Inhalt ich mich deutlich distanziere. Sondern mit einem kontroversen Zitat den Blick auf die Kommunalpolitik lenken.‘

Fabian Giersdorf gegenüber der VICE

‚Chabos wissen wer der Babo ist‘ war wohl der mit Abstand erfolgreichste Song von Haftbefehl. Genreübergreifend kannte so gut wie jede*r den Song und jede*r hatte in irgendeiner Art und Weise eine Meinung dazu. Einige kritisierten und machten sich über genau das lustig, was wiederum andere an Haftbefehl allgemein und bei diesem Song im besonderen liebten: die Sprache, die von Haftbefehl hier genauer erklärt wird. Das Jugendwort des Jahres war 2013, war dann auch folgerichtig ‚Babo‘ und man konnte sich prächtig über die Hip Hop Kultur und den ‚Ausländer mit der komischen Sprache‘ amüsieren. Das dahinter eine Verachtung einer Kultur steckt, die am dem sogenannten ‚Rand der Gesellschaft‘ enstand und im Falle von Haftbefehl klassische rassistische Ressentiments gegenüber Migrant*innen bedient, ist in einem Land wie Deutschland nicht weiter verwunderlich. Richtig widerlich wird es allerdings dann, wenn Politiker einer Partei, die für rassistische Hetze steht, sich dieser, in der Segregation entstandenen Kultur, bedienen, um damit ein paar Stimmen bei all jenen zu fangen, die schon 2013 rassistisch auf Haftbefehl herabblickten. Das die CSU/CDU durch ihren Rassismus, der sich in der ‚Integrationspolitik‘ wiederspiegelt mit daran schuld ist, dass in sogenannten ’sozialen Brennpunkten‘ eine ‚Parallelgesellschaft‘ entstanden ist und diese ihre eigene Kultur hervorbringt, sagt sehr viel über die rassistische Kontinuität Deutschlands aus.

babo

Fabian Giersdorf, hat sich wahrscheinlich recht wenige Gedanken gemacht und wollte einfach nur mit Hilfe eines populären Songs auf Stimmenfang gehen. Für ihn macht es in diesem Moment wahrscheinlich gar kein Unterschied, ob das Zitat von Haftbefehl stammt oder von Silbermond. Die Politik seiner Partei unterscheidet jedoch stark, ob es sich um einen jungen Mann mit kurdischen Wurzeln aus einem ’sozialen Brennpunkt‘ handelt, oder um eine Gruppe junger Menschen mit Abitur, die sich anpassen und kein Problem mit dem Land in dem sie leben haben. Was Giersdorf hier macht ist ein Paradebeispiel für den Umgang der Politik bürgerlichen Rassismus in Deutschland. Er bedient sich des Rassismus der Mehrheitsgesellschaft, die über die Sprache sowie die Person Haftbefehl allgemein nur lachen kann. Sicherlich laufen auch ein paar junge Menschen durch Roth und amüsieren sich köstlich, schauen sich das Youtube-Video oder eine der zahlreichen Parodien an und setzen dann eventuell sogar ihr Kreuz hinter den Namen Giersdorf. Somit hat der Herr Giersdorf mit diesem Wahlplakat zwei Sachen erreicht, er reproduziert den herrschenden Rassismus, auch bei denen die ihn nicht wählen werden und gewinnt vielleicht sogar noch ein paar Wähler*innen dazu. Das ist die rassistische Kontinuität in Deutschland und das einzige was ich Herrn Giersdorf noch zu sagen habe, schrieb Jan Wehn im Juice Magazin vom September 2013: ‚Rap hat dir nix getan, lass ihn in Ruhe‘.

Anmerkungen:
[1] Erfreulicherweise hat Haftbefehl beschlossen rechtlich dagegen vorzugehen
[2] Weiterführendes zum Thema bei Publikative.

Integration & Sprachgesang

Seit dem Bushido den Bambi für Integration bekam und eine emotionsgeladene Debatte begann, stell ich mir die Frage: ‚Nützt Sprachgesang in Deutschland der Integration?‘ und es gibt nur eine einzige Antwort: Ja! Aber beginnen wir von vorne, schauen wir in die Vereinigten Staaten, dem Mutterland des Raps. (Ich entschuldige mich, dass ich einiges nur anreiße und der Vielfalt von Rap niemals gerecht werden kann. Dies soll keine wissenschaftliche Analyse werden, sondern lediglich die Verschriftlichung meiner Gedanken zu diesem Thema).

Hip Hop und damit Sprachgesang kommt aus den farbigen Communities in den Großstädten der USA und Wikipedia schreibt über die Enstehung: 1970 erschien zwar das erste Album der Last Poets, deren politischer Rap von der Sprache von Malcolm X und dem Dichter Amiri Baraka beeinflusst war; sie gelten im Allgemeinen als Väter des Rap. Es war das Sprachrohr einer Generation und durch Radiostationen kamen die Gedanken und Meinungen dieser Generation raus aus ihrem Viertel. Damit lässt sich feststellen, dass Rap schon von Anfang an politische Elemente beinhaltete und näher will ich nun auch nicht auf die USA eingehen, denn in Deutschland ist die Situation eine andere. Nur sollten wir alle an den Ursprung des Sprechgesangs denken, wenn wir über Integration und Rap reden.

Auch in Deutschland gab es schon immer politischmotivierten Sprechgesang (und damit meine ich nicht den Reihenhausweltverbesserrap von Blumentopf), sondern Advanced Chemistry. Deren Songd thematisierten eine Problematik, die dadurch andere Schichten erreichte und andere Menschen für diese Problem sensibilisierte. Spätestens seit Hip Hop im Musikfernsehen, Radio oder allgemein in den Charts angelegt ist, darf mensch niemals das Potenzial von Musik insbesondere Sprachgesang vergessen. Ein weiteres Beispiel sind die Brothers Keepers, die rechte Gewalt und Rassismus thematisierten und alleine auf Grund des Bekanntheitsgrades einzelner Mitglieder für Aufmerksamkeit sorgten.

Die Frage die ich mir nun aber vorallem stelle, wie trägt beispielsweise Haftbefehl mit sexistischen und auch homophobem Rap zur Integration bei? Ich habe mir diese Frage oft gestellt, deshalb vorneweg: Ich bin ein großer Fan von Haftbefehl und dabei weniger von dem was er sagt, sondern wie er es sagt. Aber auch was er sagt, sollte nicht ignoriert werden und als ’sexistische und homophob‘ abgestempelt werden. JA, viele Rapper mit Migrationshintergrund sind sexistisch und homophob, aber hinter dieser Attitüde stehen Geschichten, die aus dem Herzen einiger Menschen sprechen, die das sagen was Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland erleben.

So wenig ich mich an deutsche Norm anpassen will, ich erlebe Rassismus immer nur als Außenstehender. Ich kann einfach weggehen und die Kopfhörer aufsetzen. Ich werde bei Polizeikontrollen nie Opfer von Racialprofiling sein, aber ich kann Menschen die betroffenen sind zu hören. Ich kann versuchen durch Musik und Texte zu verstehen was das bedeutet. „Um einen Fall zu lösen sagt man, die Haare vom Täter waren schwarz.“ (schwarze Haare -> Schwarzkopf -> Bezeichnung für Menschen mit arabischem Aussehen).

Warum ich also Hip Hop als Möglichkeit der Integration sehe? Nichts vermittelt Gefühle so gut wie Musik. Dementsprechen hört nur alle Haftbefehl, reflektiert aber seinen Sexismus und seine Homophobie und fragt euch ‚Warum denkt der Kerl so?‘ Einige Rapsong schafften es auch Debatten in der Gesellschaft anzustoßen, so Eko Fresh’s Song: ‚Köln Kalk Ehrenmord‘ und wenn wir ehrlich sind, ist sogenannter Straßenrap auch nicht weniger politisch korrekt als die deutsche Gesellschaft oder das was Akademikerkinder (wie Max Herre) so von sich geben. Ich hoffe ich konnte meinen Standpunkt einigermaßen klar darlegen und für alle die mich nicht verstehen, versucht euch mal Vorurteilsfrei die nachfolgenden Tracks (teilweise mit Video) anzuschauen. Die Tracks thematisieren Integration beziehungsweise allgemein Probleme von Migranten in unserer deutschen Gesellschaft, denn wir können die Tracks ausmachen und uns zurücklehnen und die Probleme vergessen. Die Menschen die davon berichten mussten oder müssen damit jeden Tag leben.

Alpa Gun – Almanya (ohne Video)

Eko Fresh – Gastarbeiter

Fard – Seine Geschichte

Farid Bang – Alemania

Haftbefehl – Sommernacht in Offenbach (ohne Video)

Eko Fresh – Straßendeutsch/Türkenslang